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Donnerstag, 16. Dezember 2010

Studie belegt: Akupunktur hilft Kindern mit Sehschwäche (Amblyopie)

Archiv: Menschliches Auge | Copyright: Petr Novák, Wikipedia/CC-by-SA-3.0

Hong Kong - Als "träges Auge" (lazy eye) bezeichnet der Volksmund eine Sehschwäche, die sich schon während der Kindheit durch eine unzureichende Entwicklung des Sehsystems ausbildet. Wissenschaftler der "Chinese University of Hong Kong" (CUHK) haben nun in einer Studie gezeigt, dass Akupunktur bei der sogenannten Amblyopie beste Behandlungserfolge verspricht.

"Aufgrund ihrer gänzlich unterschiedlichen Grundlagen und Theorien erscheinen westliche und traditionelle Chinesische Medizin auf den ersten Blick nicht miteinander vereinbar", so die Presseerklärung der Mediziner unter Professor Jian-hao Zhao vom "Joint Shantou International Eye Center" (JSIEC) an der "Shantou University" und der CUHK. "Dennoch haben die Bemühungen um eine Zusammenführung der beiden Methoden bei der Behandlung bestimmter Krankheiten in den vergangenen Jahren ermutigende Ergebnis zutage gefördert."

Weltweit, so die Mediziner, stelle die Amblyopie ein Hauptgrund für Sehschwächen bei Kindern und späteren Erwachsenen dar. "Wird Amblyopie nicht rechtzeitig behandelt, so schwindet die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Behebung zusehends", erläutert Professor Dorothy Shi-ping Fan vom "Department of Ophthalmology & Visual Sciences" (DOVS) der Universität. "Die idealste Behandlungszeit für positive Resultate liegt bei Kindern zwischen 3 und 6 Jahren. Während eine Behandlung im Alter zwischen 7 und 12 immerhin noch moderate Ergebnisse erzielt, ist ein Behandlungseffekt im Alter über 13 Jahren dann nahezu vernachlässigbar."

Als Alternative zur bisherigen klassischen Behandlung mit einer Augenklappe oder Korrekturbrillen haben die chinesischen Mediziner in zwei klinischen Untersuchungsreihen bei Kindern im Alter von 3 bis 6 und 7 bis 12 Jahren Akupunkturnadeln an fünf relevanten Akupunkturpunkten des Auges angewendet.

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Das Ergebnis belege einen nachhaltigen therapeutischen Effekt bei der Behandlung der Amblyopie bei Kindern, so der Vorsitzender des DOVS, Professor Dennis Shun-chiu Lam. "Akupunktur kann die Reaktion auf die Behandlung beschleunigen, die allgemeinen Behandlungsergebnisse verbessern und die notwendige Behandlungsdauer verkürzen." Des Weiteren, so Lam, eröffnen die Studienergebnisse weitere Möglichkeiten der erfolgreichen Anwendung der Akupunktur bei der Behandlung von Augenkrankheiten und Sehschwächen. Die Ergebnisse der ersten Studie wurden im Fachmagazin "Archives of Ophthalmology" publiziert.

In der Studie, bei der insgesamt 88 sieben- bis zwölfjährigen Patienten 15 Wochen lang behandelt wurden, trugen 45 Kinder täglich für jeweils zwei Stunden eine Augenklappe über dem stärkeren Auge. Die restlichen 43 wurden stattdessen fünfmal pro Woche akupunktiert. Nach Ablauf der 15 Wochen hatte sich sie Sehkraft der Kontrollgruppe mit Augenklappe deutlich verbessert und die Kinder konnten im Sehtest durchschnittlich 1,8 Zeilen mehr erkennen als zuvor. Bei sieben Kindern dieser Gruppe galt das "träge Auge" nach der Behandlungszeit als geheilt.

Die mit Akupunktur behandelten Kinder wiesen hingegen eine Verbesserung um durchschnittlich 2,3 Zeilen auf. Hier wurden nach der Behandlung 17 Kinder als von der Amblyopie geheilt entlassen.

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"Durch die Anwendung von sterilen Einwegnadeln, ergibt sich zudem kein Risiko von Infektionen. Auch traten nie ernsthafte Nebenwirkungen in Erscheinungen und die Behandlungsmethode wird von Kindern im Alter von etwa drei Jahren in der Regel auch problemlos akzeptiert", so Zhao.

Wie die Akupunktur jedoch bei der Behandlung wirkt, sei allerdings noch unklar. Eine Möglichkeit sei, dass durch die Nadelsetzungen die Durchblutung des Auges und dadurch die Aktivität der Sehrinde im Gehirn verbessert werden. Auch eine Anregung zur Ausschüttung von Wachstumsfaktoren der Netzhaut und eine damit einhergehende Beeinflussung des Stoffwechsels im zentralen Nervensystem werden von den Medizinern diskutiert.

Nach den erfolgreichen Amblyopie-Studien, wollen sich die Mediziner nun weiteren Augenleiden wie Kurzsichtigkeit, Alterssichtigkeit, dem Grünen Star (Glaukom), dem trockenen Augen-Syndrom (Keratokonjunktivitis sicca) und Hirnhautgeschwüren zuwenden.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / cuhk.edu.hk / archopht.ama-assn.org
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