Dienstag, 1. Februar 2011

Nutzten die Wikinger tatsächlich mystische Sonnensteine zur Navigation?

Archiv: Moderne Rekonstruktion eines Wikingerschiffs | Copyright: Archiwum wlasne Jarmeryka
 
London/ England - Glaubt man den mystischen Überlieferungen der Wikinger, so sollen die Nordmänner mit sogenannten Sólsteinnen, also "Sonnensteinen", in der Lage gewesen sein, den Stand der Sonne selbst bei bedecktem Himmel exakt zu bestimmen. Wissenschaftler haben nun bisherige Theorien und Untersuchungen erneut überprüft, die davon ausgehen, dass die Legende in der das Sonnenlicht polarisierenden Eigenschaft bestimmter Steine ihre tatsächliche Entsprechung finden könnte.

Berühmt wie berüchtigt waren die Wikinger nicht zuletzt für ihr seefahrerisches Können und die Fähigkeit, zwischen Norwegen, Island und Grönland tausende von Kilometern zurückzulegen und trotz meist widriger Sichtbedingungen zum Sternenhimmel stets sicher zu navigieren. Umso rätselhafter erscheint diese Fähigkeit vor dem Hintergrund, dass - nach bisherigem Wissen - zur Zeit der Wikinger, zwischen 750 und 1066 n. Chr. der Kompass zum einen noch nicht bekannt war und zum anderen zur Navigation teilweise derart nahe am Nordpol auch nur von begrenztem Nutzen gewesen wäre.

Die Wikingerlegenden, wie sie etwa im isländischen Gesetzbuch "Grágás" oder den Legenden um den Held Sigurd niedergelegt wurden, berichten jedoch, dass die Nordmänner über sogenannte Sonnensteine (Sólsteinn) verfügten, mit dem sie selbst bei bedecktem Himmel die Position der Sonne ermitteln konnten. So soll Sigurd auf Anfrage von König Olaf, nach dem Stand der Sonne einen solchen "Sólsteinn" genommen, damit gen Himmel geblickt und so die Position der nicht sichtbaren Sonne ermitteln haben.

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Schon 1967 vermutete der dänische Archäologe Thorkild Ramskou, dass es sich bei den Sonnensteinen um Licht polarisierende Kristalle, wie etwa isländischen Kalkspat gehandelt haben könnte - eine transparente Form von Kalzit gehandelt haben könnte, wie er besonders in Skandinavien zu finden ist.

Später konnten weitere Untersuchungen diese Vermutung bestätigen, als nachgewiesen werden konnte, dass die Polarisation des Himmelslichtes selbst bei bedecktem Himmel oder Nebel erhalten bleibt.

Der Effekt der Polarisation basiert auf dem Umstand, dass Licht aus elektromagnetischen Wellen besteht, die rechtwinklig zu jener Richtung schwingen, in die sich das Licht bewegt. Deuten diese Schwingungen alle in eine Richtung, so spricht man von polarisiertem Licht. Polarisierende Kristalle, lassen polarisiertes Licht nur in einer Richtung zu und erscheinen jeweils hell oder dunkel - abhängig von der Ausrichtung des Steins in Richtung des Sonnenlichts.

Seit 2005 studieren der Physiker Gábor Horváth von der "Eötvös Loránd University" in Budapest und die Ökologin Susanne Åkesson von der "Lunds Universitet" in Schweden die unterschiedlichen Theorien und haben die Ergebnisse ihrer Rezension aktuell in einer Sonderausgabe der Fachzeitschrift "Philosophical Transactions of the Royal Society B" veröffentlicht.

Anhand der durchgeführten Untersuchungen, die gezeigt hatten, dass die Polarisation des Sonnenlichts mit einer Fischaugenlinse der vermeintlichen Sonnensteine auch bei starker Bewölkung funktioniert, kommen die Forscher zu der Ansicht, dass selbst der bei bewölktem Himmel stark reduzierte aber immer noch sichtbare Effekt tatsächlich nur Navigation der Wikinger gedient haben könnte. Weitere Experimente mit Testpersonen sollen nun zeigen, ob mittels der Steine tatsächlich die Position der Sonne akkurat genug ermittelt werden kann.

Für Kritiker der Schlussfolgerungen der Forscher ist der Nachweis, dass entsprechende Kristalle zur Navigation genutzt werden konnten noch keine Beweis dafür, dass dies so auch geschehen ist. "Die Menschen hat auch schon lange vor den Wikingern genau navigiert und das, ohne Hilfsinstrumente", zitiert "Nature.com" beispielsweise den Seefahrtshistoriker Sean McGrail ehemals von der "University of Oxford". Kritiker wie McGrail zeigen sich zwar offen für entsprechende Theorien, fordern jedoch archäologische Beweise, etwa den Fund eines Wikingerschiffes mit den entsprechenden Sonnensteinen an Bord. Eine solche Entdeckung steht bislang noch aus.

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Quelle: grenzwissenschaft-aktuell.de / rstb.royalsocietypublishing.org / nature.com
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