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Dienstag, 26. Juni 2007

GEOLOGEN WOLLEN EINSCHLAGSKRATER VON TUNGUSKA ENTDECKT HABEN

Eine 3D-Rekonstruktion der wahren Form des Cheko Sees | Copyright: Università di Bologna
Bologna/ Italien- Ein Team italienischer Geophysiker der Universität von Bologna glaubt, den Einschlagskrater der sagenumwobenen Tunguska-Katastrophe aus dem Jahre 1908 identifiziert zu haben.

Am Morgen des 30. Juni 1908 kam es nahe dem Fluss Tunguska in Sibirien zu einer gewaltigen Explosion, die seither für zahlreiche Spekulationen und Theorien gesorgt hat. Von der Annahme über der Region sei damals ein außerirdisches Raumschiff, eine frühe Kernwaffe über Mini-Schwarze Löcher bis hin zur wissenschaftlichen Theorie, dass es hier zum bislang gewaltigsten Einschlag eines Kometen oder Asteroiden in der jüngeren Geschichte der Erde gekommen sei, wird seither gerätselt, was damals über 2000 Quadratkilometer Waldfläche mit etwa 80 Millionen Bäumen umknicken ließ.
Foto umgeknickter Bäume in der Tunguska-Region von 1927 | Copyright: Public Domain
Die italienischen Geophysiker
glauben, im nahegelegenen Tscheko-See den Krater des gigantischen Weltraumbrockens gefunden zu haben. Bislang war die Tatsache, dass bislang eben kein Krater gefunden werden konnte eines der Hauptargumente gegen die Theorie, dass es sich um einen Kometen- oder Asteroideneinschlag gehandelt hatte.

Der See habe jedoch eine auffallend schachtartige Form, wie sie anhand keines der sonstigen Seen in der Region zu finden sei. Zudem befinde sich am Grund des Sees, in etwa 10 Metern Tiefe, ein ungewöhnlich geformtes Gebilde, dass die Wissenschaftler entweder für extrem verdichtete Sedimentschichten oder aber ein Reststück des vermeintlichen Kometen halten.

"Bislang haben wir zwar noch keinen hundertprozentigen Beweis dafür, dass es sich wirklich um den Tunguska-Einschlagskrater handelt, aber wir konnten zahlreiche sonstige Erklärungstheorien für die merkwürdige Form des Sees ausschließen“, erklärte Professor Giuseppe Longo gegenüber der BBC, der die Ergebnisse seiner Gruppe jetzt im Magazin „Terra Nova“ veröffentlicht hat.

Geografische Lage des Tunguska-Ereignisses | Copyright: GNU FDL

Doch schon jetzt regt sich Widerstand gegen die Theorie der Forscher aus Bologna. Dr. Gareth Collins vom Imperial College in London sieht in den Darlegungen der Italiener keine Beweise dafür, dass es sich beim Tscheko in Wirklichkeit um einen Einschlagskrater handelt. Diese zeichnen sich normalerweise durch nachweisbar hohe Temperaturen und hohe Druckverhältnisse aus, wie sie im Fall des Sees von den Geophysikern aus Italien bislang nicht belegt wurden. Zudem zeige der Cheko keine Krater-charakteristische Form und sei eher ellyptisch. Derartige Krater entstünden nur bei Einschlagswinkeln von unter 10 Grad. Im Falle des Tunguska-Objektes wisse man jedoch, dass dieses in einem wesentlich steiler eingeschlagen sei. Auch fehle am Tscheko der typische Kraterrand. Auch gebe es rund um den Cheko über hundertjährige Bäume, die weiterhin aufrecht stehen würden, bei einem Einschlag wäre dies undenkbar.


Die italienischen Forscher argumentieren hingegen, dass der Tscheko durchaus der Krater eines relativ langsamen Weltraumbrockens sein könnte, der in den morastigen Untergrund der sibirischen Taiga gerast sei. Verdampfende Gase und Wasser hätten dann zu einer Explosion geführt, die den eigentlichen Krater enorm ausgedehnt hätten. Somit wäre es auch möglich, dass der ursprünglich durch den eigentlichen Einschlag entstandene Kraterrand von dieser Explosion wieder vernichtet wurde und in der Entgasungsphase nach der Explosion eingestürzt sei.

Interessant ist zudem, dass der Tscheko erst auf Karten ab 1929 auftaucht. Allerdings geben die Forscher zu, dass die Region zuvor nur spärlich erkundet und kartografiert wurde.

Für den Sommer 2008 plant die Universität von Bologna nun eine weitere Expedition in die Tunguska-Region. Dabei wollen die Forscher eine Probebohrung der besagten Struktur am Grund des Cheko durchführen, um ihre Theorie zu festigen oder selbst zu widerlegen.

Quelle: www-th.bo.infn.it/tunguska / bbc.co.uk /

Eine Zusammenfassung der Informationen zum Tunguska-Ereignis von 1908 (Wikipedia) finden Sie HIER

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