Samstag, 23. Februar 2008

Neurowissenschaftler erklären Spukempfindungen bei Dunkelheit

Geistererscheinung (Illu.) | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de

London / England - Ein Team von Wissenschaftlern am University College in London glaubt, das Geheimnis von Spukempfindungen bei Dunkelheit und Dämmerung neurologisch erklären zu können.

Wie die englische Zeitung Telegraph berichtet, gebe es zur Theorie zwar noch keine systematische Studie, dennoch zeigen sich die Forscher davon überzeugt, dass die Phantome der Dunkelheit lediglich in unseren Köpfen existieren. Laut ihren Darlegungen sei es nicht verwunderlich, dass die meisten Geister und Spukerfahrungen im Dunkeln in Dämmerlicht gemacht werden.

Im Fachmagazin PLoS Computational Biology, erläutert das Team um Professor Li Zhaoping, dass unser Hirn merkwürdigerweise gerade angesichts undefinierter und optisch zwielichtiger Umgebungen lebensnahe und zugleich fantasievolle Details zu erkennen glaubt - oft sogar "deutlicher" als in hellen oder gut ausgelichteten Situationen.

"Alles was wir sehen ist schließlich eine Halluzination, die von der Virtual-Reality-Maschine in unserem Kopf erzeugt wird", kommentiert Mike Morgan von der Londoner The City University, gegenüber dem Telegraph. "Normalerweise werden diese Halluzinationen durch die Informationen unserer Sinnesorgane bestimmt. (...) Wenn diese Informationen nun jedoch verschwommen sind, können wir anhand des Informations-Inputs alles Mögliche 'sehen'." Damit verweist er auch auf das Phänomen der Pareidolie - jenen Situationen, wenn wir in chaotischen Mustern wie Wolken oder Felsformationen, bekannte Bilder zu erkennen glauben.

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Mittels eines Computerexperiments, bei dem Testpersonen durch Knopfdruck immer angeben sollten, wenn sie für Sekundenbruchteile ein graues Dreieck auf dem sonst dunklen Bildschirm sahen, immer dann wenn ein Signalton ertönte, überprüften die Forscher ihre Theorie. Manchmal wurde jedoch kein graues, sondern ein hell weißes Dreieck eingeblendet und in anderen Fällen ertönte zwar der Signalton - es erschien jedoch keines der beiden Dreiecke. Interessanterweise sahen die Probanden die grauen Dreiecke wesentlich öfter, als die weißen. Selbst wenn kein Dreieck angezeigt wurde, glaubten die Testpersonen auffallend oft, das geforderte graue Muster gesehen zu haben. "Das liegt daran, dass Menschen mental besser darauf vorbereitet sind etwas Abstraktes zu 'sehen', wenn auch die Umgebung abstrakt ist. Für die Probanden machte es Sinn, die Dreiecke zu sehen - und das passierte dann auch. Und wenn die Anzeige den Erwartungen nicht entspricht, wird sie auch weniger oft wahrgenommen."

Zhaoping vergleicht das Phänomen mit einem Trickzauberer, der zuerst mit einem, dann mit zwei, schließlich mit drei Bällen jongliert und dann auf magische Weise einen Ball vor unseren Augen verschwinden lässt und nur noch zwei Bälle in der Hand hällt. "Tatsächlich gibt es oft gar keinen dritten Ball - es ist nur unser Hirn, dass von der Umgebung getäuscht wurde und uns glauben macht, dass ein dritter Ball tatsächlich in die Luft geworfen wurde. Alles nur, weil zuvor bereits ein erster und ein zweiter Ball geworfen wurde und allein die gleichförmige leere Bewegung beim dritten Mal den dritten Ball suggeriert - obowohl es ihn gar nicht gibt.

Wenn die Umgebung und Umstände also unklar sind, so die Wissenschaftler, füllt unser Gehirn die leeren Flächen mit Bildern die wir kennen und erwarten. So würden dann auch schnell aus normalen, aber undeutlichen Schatten, Monster und Gespenster in Dunkeln.

Quellen: telegraph.co.uk / grenzwissenschaft-aktuell.de
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