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Mittwoch, 19. November 2008

Kirchenkontroverse: Ist Bildung ein Feind von Kirche und Glauben?

Bischof Patrick O'Donoghue | Copyright: lancasterdiocese.org.uk

Lancaster/ England - Mit der Behauptung, dass gebildete Katholiken durch ihren Skeptizismus Zerstrittenheit, Verwirrung und die derzeitige Krise der katholischen Kirche Englands verursacht hätten, sorgt der römisch-katholische Bischof von Lancaster Patrick O'Donoghue, nicht nur bei Kirchenkritikern für Empörung.

Ohne konkrete Namen von Mitgliedern der britischen Gesellschaft zu nennen, beschuldigt der als erzkonservativ geltende Bischof gebildete und prominente Katholiken, für den anwachsenden Säkularismus (Trennung von Staat und Kirche) und die gleichzeitig rückläufige Anzahl der Kirchgänger verantwortlich zu sein.

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Wie die britische Tageszeitung "Daily Telegraph" berichtet, bemängelt O'Donoghue dass die angesprochenen Vertreter aus Politik und Medien statt der Kirchenlehre zu folgen, hedonistisch, selbstsüchtig und egozentrisch seien. Offenbar seien sie durch ihre Bildung von der Kirchenlehre abgerückt.

Bei den von O'Donoghue nichtnamentlich kritisierten öffentlichen Personen handelt es sich nach Ansicht von Beobachtern unter anderem um den Direktor der BBC Mark Thompson und den einstigen Premierminister Tony Blair. Thompson setzte sich für die Ausstrahlung so umstrittener Sendungen wie "Jerry Springer" und der Vatikan-Satire "Popetown" ein, während Blair für seine liberalen Positionen zu Rechten Homosexueller und Abtreibung bekannt war.

In seinem kürzlich veröffentlichten Bericht über die Erneuerung des Katholizismus in Großbritannien, sieht Bischof O'Donoghue einen weiteren Grund in der Bildung der Massen (mass education), welche zu "der Erkrankung innerhalb von Kirche und Gesellschaft" geführt habe.

"Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs können wir in den westlichen Gesellschaften eine innerhalb der menschlichen Geschichte zuvor nicht gekannte Bildung der Massen beobachten. Diese hat zwar zu ökonomischem Wachstum, wissenschaftlichem und technologischem Fortschritt und kultureller wie sozialer Bereicherung für Millionen von Menschen geführt", so der Bischoff, doch jedes menschliche Bestreben habe auch eine "dunkle Seite infolge von Erbsünde und Begehrlichkeiten".

Im Falle der Bildung, so der Bischoff weiter, könne man eine Verzerrung durch weitverbreitete Ausbreitung von radikalem Skeptizismus, Positivismus, Utilitarismus (eine Form der teleologischen Ethik) und Relativismus beobachten. "Zusammengefasst hat dieser intellektuelle Trend zu einer zerstückelten Gesellschaft geführt, die Gott verdrängt und den Menschen vorgaukelt, sie könnten auch ohne Gott ein glückliches und produktives Leben führen."

Das diese "Schattenseiten" auch Mitglieder der Kirche beeinflussen, wundert den Kirchenmann indes nicht und zitiert Papst Benedikt XVI., als dieser feststellte, dass Hedonismus, Egoismus und egozentrisches Verhalten selbst in der katholischen Kirche zu finden sei. Auch der anhaltende anti-christliche Trend in den Medien sei deutliche Auswirkungen gottentfremdeter gebildeter Führungskräfte.

Derartige Äußerungen stoßen jedoch nicht nur bei Kirchenkritikern, sondern auch unter den Gläubigen auf Unverständnis. So bezeichnet der einstige Theologie-Professor der Cambridge University Nicholas Lash in der katholischen Zeitung "The Tablet" O'Donoghues Aussagen als "besonders besorgniserregend". Er könne sich beim besten Willen nicht vorstellen, welche konstruktiven Absichten mit derartig unverantwortlich und falschen Schuldzuweisungen gegenüber gebildeten Gläubigen erreicht werde sollten.

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / telegraph.co.uk / thetablet.co.uk
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