Donnerstag, 5. Februar 2009

Widerspruch zur Genetik: Mütter können auch Erfahrungen vererben

Archiv: Labormäuse | Copyright: AM/grenzwissenschaft-aktuell.de

Boston/ USA - Im Experiment mit Mäusen haben US-Wissenschaftler gezeigt, dass nicht nur die festgeschrieben DNA-Sequenz vererbt wird, sondern auch Eigenschaften und Erfahrungen, die erst während des Lebens durch entstehen und gemacht werden. Die neuen Ergebnisse stehen in einem bemerkenswerten Widerspruch zur klassischen Genetik.

Im Fachmagazin "Journal of Neuroscience" beschreiben die Forscher um Professor Larry Feig, Junko Arai und Shaomin Li von der Tufts University School of Medicine (TUSM) ihre Bestätigung der so genannten Epigenetik, also der Weitergabe von Eigenschaften auf die Nachkommen, welche nicht auf Abweichungen in der DNA-Sequenz zurück gehen. Diese fanden sich nicht nur anhand des Verhaltens der Tiere sondern auch in physiologischen Untersuchungen der Gehirnzellen.

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Ein Gendefekt der untersuchten Mäuse beeinträchtige deren Erinnerungsvermögen derart, dass sie rund 24 Stunden nach den an einem bestimmten Ort verabreichten Stromschlägen, sich nicht mehr an dieses negative Erlebnis und den Ort erinnerten. Wurden die Tiere jedoch kurz nach der Geburt für zwei Wochen einer besonderen Umgebung mit bunten Spielsachen, viel Bewegung und Kontakt mit anderen Musen ausgesetzt, regten diese Erfahrungen die Gedächtnistätigkeit der betroffenen Mäuse derart an, dass sich das Defizit, gemessen anhand von Hirnströmen, in einigen Fällen sogar vollständig normalisierte. Zur Verwunderung der Forscher profitierten jedoch auch die danach gezeugten Jungtiere von dieser Erfahrung ihrer Mütter, obwohl sie weiterhin den Gendefekt in sich trugen. Die von der Mutter gemachten Erfahrungen mussten also während der Schwangerschaft weitergegeben worden sein.

Die Wissenschaftler gehen nun davon aus, dass neben der eigentlichen DNA-Information auch davon unabhängige Erbinformationen weitergegeben werden, wie sie auch im Laufe des Lebens erlernt und erfahren werden können - ein Widerspruch also zur Lehre der klassischen Genetik.

Noch bis vor kurzen galt die "transgenerationale Epigenetik" als nicht wissenschaftlich belegt, obwohl sie zu erklären vermag, warum etwa Muskel- und Haarzellen sich gänzlich unterschiedlich entwickeln, obwohl sie dieselbe DNA besitzen. Der Grund hierfür, so erläutert Spiegel-Online, "sind molekulare Mechanismen, die beeinflussen, wo und wie das Erbgut ausgelesen wird. Die transgenerationale Epigenetik besagt, dass solche Mechanismen per Eizelle von der Mutter auf das Kind vererbt werden."

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / tufts.edu / spiegel.de
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