Samstag, 27. Juni 2009

Bestattung in Bauchlage galt als Herabsetzung der Toten

Archiv: Weibliches Skelett in Bauchlage, Cliffs End Farm nahe Ramsgate | Copyright: wessexarch.co.uk

Visby/ Schweden - Eine ungewöhnliche, jedoch weit verbreitete Sitte, bestimmte Verstorbene in sogenannter Bauchlage und somit mit dem Gesicht nach unten zu bestatten, wurde nun erstmals kulturhistorisch untersucht. Dabei fand die Forscherin des schwedischen Denkmalpflegeamts (Riksantikvarieämbete) heraus, dass mit dem bizarren Brauchtum die Verstorbenen beschämt werden sollten.

Bislang hielten die meisten Experten, die ungewöhnliche Position von derart bestatteten Verstorbenen lediglich für ungewöhnlich oder gar zufällig. In ihrer Studie kommt die Archäologin Caroline Arcini nun jedoch zu dem Schluss, dass der Brauch nicht nur beabsichtigt, sondern auch weit verbreitet war und die derart Bestatten beschämen sollte. Ihre Forschungsergebnisse hat Arcini in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Current Archaeology" veröffentlicht.

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Ein Ergebnis von Arcinis Studie ist unter anderem der erste Katalog der bekannten derartigen Bestattungen (Prone Burials). Anhand von mehr als 600 Fällen aus 215 Grabstätten zeigt diese Sammlung, dass der Brauch von Peru bis Südkorea und von rund 24.000 v. Chr. noch bis Ende des ersten Weltkriegs verbreitet war. Während zwar auch auf diese weise beigesetzte Frauen und Kinder bekannte sind, handelt es sich bei der Mehrheit der so Begraben um Männer.

Ein weiteres Beispiel für eine Bauchlagebestattung | Copyright: unbek.

Bestattungen in Bauchlage finden sich zwar in nahezu allen Formen von Gräbern und Anlagen. Auffallend sei jedoch, dass viele der so Begrabenen etwa am Rande von Friedhöfen und kleinen Gräbern oder gar ohne Sarg begraben wurden. Bei der Analyse der Überreste der auf diese Weise bestatteten, stieß die Forscherin auf eine Vielzahl von Interpretationsmöglichkeiten. "Einige hatten Hände und Füße gefesselt, was nahe legt, dass es sich dabei um Verbrecher oder Kriegsgefangene gehandelt haben könnte. In anderen Gräbern scheint die ungewöhnliche Beisetzungsart mit dem sozialen Status verbunden zu sein." In einem besonders auffälligen Fall handelte es sich um ein Massengrab von 80 Personen, von welchen lediglich sechs Männer in sitzender Position bestattet wurden, während die restlichen 74 Menschen in Bauchlage beigesetzt wurden. "Es könnte also sein, dass es sich bei den sitzenden Toten um hochrangige Priester und bei den Bauchliegenden um gewöhnliche Menschen von niedrigerer sozialer Stellung gehandelt hatte."

Bei der Interpretation der ungewöhnlichen Bestattungssitte spielten oft auch religiöse und kulturelle Konflikte eine wichtige Rolle. So stamme die größte Anzahl entsprechender Funde in Schweden etwas aus jener Zeit, als die ersten Christen in die Gebiete der Wikinger kamen. "Die heidnischen Wikinger haben die zum Christentum Konvertierten möglicherweise gesellschaftlich nicht akzeptiert und diese Missachtung in der Art und Weise ausgedrückt, wie deren Leichen schlussendlich beigesetzt wurden." Auch frevlerische Nonnen und verurteilte Hexen wurden ebenfalls oft mit dem Gesicht nach unten beigesetzt. Nur in wenigen Fällen wurden die "Prones" auf gleiche Art und Weise behandelt, wie die normal beigesetzten Toten-

Arcinis Katalog der Bauchlagebestattungen können Sie HIER als PDF downloaden

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / raa.de / archaeology.co.uk


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