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Dienstag, 28. Juli 2009

Alle Jahre wieder: Absurde Erklärungen für Kornkreise in den Medien

Schon klar: Kornkreise, hier ein englisches Exemplar von 2007, sind das Resultat liebestoller Rehe | Copyright: franklaumen.de

Saarbrücken/ Deutschland - Sie gehört fast schon zum Sommer wie die mysteriösen Kornkreise selbst: Eine jährlich sich wiederholende Pressemeldung deutscher Jäger und Forstschützer, die - angesichts der komplexen geometrischen Muster - mit einer der absurdesten Erklärung für die Zeichen im Korn aufwartet. Liebestolle Rehe und Hirsche sollen für die Kornkreise verantwortlich sein. So bizarr diese Vorstellung auch ist, sie wird immer wieder dankbar von zahlreichen deutschen Medien übernommen und hat in diesem Sommer auch schon einen internationalen Ableger erhalten.

Die bislang größte Medienresonanz dieser Art, mit aufgrund einer entsprechenden DPA-Meldung mehr als 50 Veröffentlichungen der Meldung in deutschen Medien (vornehmlich Presse und Internet) an nur einem Tag(!), erhielt 2005 die folgende Pressemitteilung des Deutschen Jagdschutz-Verbandes (DJV):

"Seltsame Phänomene in der Natur geben jetzt vielen Menschen Rätsel auf. Kornkreise erscheinen über Nacht im Feld, unheimliche Schreie hallen aus dem Unterholz und lassen Naturfreunden die Haare zu Berge stehen. Doch Jäger geben Entwarnung: Die Verursacher sind keine Außerirdischen, die heimlich auf der Erde landen. Vielmehr hat die Paarungslust Rehwild und Dachse ergriffen, teilte der Deutsche Jagdschutz-Verband (DJV) heute in Bonn mit. Ende Juli werden junge Dachsweibchen paarungswillig.

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Die sonst stillen Dachse rufen dann ihre Erregung heraus und klingen dabei wie panisch schreiende Kleinkinder. Auch die über Nacht entstandenen Kreise in Getreidefeldern und Wiesen haben eine ganz irdische Erklärung: Sie sind keine Ufo-Landeplätze, sondern die sichtbaren Zeichen des Vorspiels der Rehe. Rehböcke folgen ihrer Angebeteten hartnäckig und treiben sie dabei auch im Kreis, bis sie zur Paarung bereit ist.

Während der Paarungszeit sind Rehe blind vor Liebe. Sie verlieren jede Vorsicht und überqueren Straßen selbst am helllichten Tag. Verkehrsteilnehmer sollten deshalb in den kommenden Wochen besonders vorsichtig fahren und damit rechnen, dass einem Reh ein zweites oder sogar drittes Tier über die Fahrbahn folgt."

Schon damals kommentierte der deutsche Kornkreisforscher Andreas Müller (kornkreise-forschung.de): "Egal was man in den Kornkreisen sehen mag, bei der Idee, liebestolle Rehe seien für die komplexen Muster in den Feldern verantwortlich, handelt es sich wohl nicht nur um die wohl absurdeste zahlreicher Theorie-Varianten, sondern vielmehr um grobes Jäger-Latein. In der Tat erzeugen Rehe zur Brunftzeit zwar sogenannte Trichter oder Hexenkreise, diese unterscheiden sich jedoch mehr als deutlich von dem, was man allgemein unter dem Begriff 'Kornkreise' versteht."

Auch 2009 blieben Kornkreis-Interessierte von dieser Jagdlegende nicht verschont. Noch am vergangenen Wochenende konnte man beispielsweise auf "Welt Online" im Artikel "Wenn Liebe lebensgefährlich wird" über das sommerliche Liebesspiel der Rehe folgendes lesen: "Und noch etwas lässt sich bei dieser Gelegenheit aufklären. Die in Getreidefeldern häufig Außerirdischen zugeordneten "Kornkreise" werden durch sich jagende Rehe verursacht. Wenn der Bock die Ricke treibt, geschieht dies zumeist im Kreis." Zitiert wurde hier nun aktuell Andreas Kinser, Forstexperte der Deutschen Wildtier Stiftung.

"Tatsächlich gibt es natürlich das sogenannte 'Treiben' zur Rehbrunft und 'Blattzeit'", erläutert Kornkreisforscher Andreas Müller. "Wenn bei Annäherung des Bockes das weibliche Tier (in der Jägersprache 'Stück' genannt) derart flüchtet, dass es zu einer Hetzjagd kommt. Dieses 'Treiben' kann unter Umständen über mehrere Kilometer gehen, und es wird oft von dem recht lauten Keuchen des Bockes begleitet. Bei einem Halt 'bewindet' meist der Bock ausgiebig den Schürzenbereich der Ricke, worauf oft das Treiben, jetzt in immer enger werdenden Kreisen, fortgesetzt wird. Allerdings werden die Spuren dieses kreisförmigen Treibens in der Bodenvegetation, also auch in Wiesen und Feldern selbst in der Jägersprache und im Volksmund nicht als 'Kornkreise', sondern - ähnlich wie die von Pilzwuchs verursachten Spuren - als 'Hexenringe (Hexenkreise) bezeichnet. Auch Kitze hinterlassen Nester in wiesen und Feldern, aber keine Kornkreise."

In diesem Jahr bekam die neuzeitliche Meldung der deutschen Waidmänner dann auch ihren ersten, nicht weniger absurden Ableger, der erneut durch Pressemeldungen internationaler Nachrichtenagenturen tausendfach und in zahlreichen Sprachen rund um den Globus erschien. Auch in Deutschland war nun zu lesen, dass mit Mohnblüten zugedröhnte Buschkängurus für "Kornkreise" in den legalen Mohnplantagen verantwortlich sind...

Was kommt wohl als nächstes? Humorvolles Kommentar zur Kornkreiserklärung... :)

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / kornkreise-forschung.de
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