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Mittwoch, 23. September 2009

Im Interview: The Departed – Dr. Julie Beischel über ihre Forschungen über überlebendes Bewusstsein und Kommunikation mit Verstorbenen

Auf seiner Seite "DailyGrail.com" hat Greg Taylor ein Interview mit der Parapschologin Dr. Julie Beischel veröffentlicht, welches wir im Folgenden mit freundlicher Genehmigung von Taylor und Beischel exklusiv in deutscher Übersetzung veröffentlichen.

Dr. Julie Beischel ist die Mitbegründerin und Forschungsdirektorin des "The Windbridge Institue". Sie hat mit magna cum laude und Auszeichnungen ihren Bachelor-Titel in Umweltwissenschaften an der Northern Arizona University erreicht und ihren Doktorgrad in Pharmakologie und Toxikologie, sowie weitere Abschlüsse in Mikrobiologie und Immunologie an der University of Arizona erlangt. Sie arbeitete als Co-Direktorin am VERITAS-Programm mit Dr. Gary Schwartz, welches die Fähigkeit spiritueller Medien untersuchte, mit Verstorbenen zu sprechen und führte diese Forschungen ab Januar 2008 am Windbridge Institute fort. Ihre Forschungsinteressen konzentrieren sich auf die Frage nach dem Überleben des menschlichen Bewusstseins und beinhalten beweisorientierte Studien medialer Kommunikation mit Verstorbenen und Körperlosen und prozessorientierte Studien über die Erfahrungen spiritistischer Medien mit dieser Form der Kommunikation.

Greg Taylor (GT): Julie, vielen Dank für Ihr Interview mit "The Daily Grail". Darf ich Sie gleich zu Beginn fragen, wie es kam, dass sie bei einem derart ketzerischen Forschungsgebiet gelandet sind, welches ganz bestimmt nicht für sein karriereförderndes Potential bekannt ist, und können Sie uns auch etwas mehr über das Windbridge Institute erzählen?

Julie Beischel (JC): Ich danke Ihnen für die Einladung zum Interview. Ja es stimmt schon, als ich mich dieses Forschungsgebietes angenommen habe, habe ich einen besonders schweren Fall von beruflichem Selbstmord begangen. Ich habe eigentlich einen Doktortitel in Pharmakologie und Toxikologie und weitere Abschlüsse in Mikrobiologie und Immunologie - meine berufliche Zukunft sah also eigentlich ziemlich gut aus!

Während meines Hochschulstudiums verstarb jedoch meine Mutter und ich begann mich zu fragen, was die Wissenschaft über das Leben nach dem Tot zu sagen hat. Durch einige merkwürdige Zufälle bekam ich nach dem Studium die Stelle als promovierte wissenschaftliche Forschungsmitarbeiterin am "VERITAS Research Program" mit Dr. Gary Schwartz an der University of Arizona. Als dann die Fördermittel für diese Stelle ausliefen und VERITAS beendet wurde, gründeten mein Mann Mark Boccuzzi und ich im Januar 2008 das "Windbridge Institute für Applied Research into Human Potential" um die Forschung über das Überleben des Bewusstseins fortzuführen.

Die Hauptmethoden dieser Forschung beinhalten:
1) Untersuchende Technologien, wie sie für die Verstärkung der Interaktion und Kommunikation mit verstorbenen Individuen nützlich sein können.
2) Die Untersuchung von Berichten über Spuk- und Erscheinungsphänomenen durch die Anwendung fachlicher und labortechnischer Methoden.
3) Das Studium von Medien (Personen die regelmäßig Kommunikation mit Verstorbenen pflegen) und der von diesen Individuen übermittelten Informationen über die Erfahrungen während dieser Kommunikation. Hinzu beobachtet, trainiert und zertifiziert Windbridge die an den Untersuchungen teilnehmenden Medien anhand mehrstufiger mehrmonatiger Abschlussstufen.

GT: Sie sind vergleichsweise schnell und ohne die sonst üblichen Hintergründe zu einer der bekanntesten Forscherinnen auf dem Gebiet der medialen Transkommunikation geworden. In vielerlei Hinsicht dürfte dies wahrscheinlich seine Vorzüge haben - aber dieser Umstand birgt sicherlich auch eine gewisse Last und Erwartungen, wie sie Ihnen von gewissen Kreisen, gerade auch aus Richtung der Naturwissenschaften, aber auch von Kollegen entgegengebracht werden. Haben Sie bereits Widerstand oder Kritik auch von Personen erfahren, die wesentlich länger auf diesem Forschungsgebiet tätig sind?

Dr. Julie Beischel | Copyright: windbridge.org

JB: Im Großen und Ganzen zeigte sich die parapsychologische Forschungsgemeinschaft gegenüber meiner Arbeit sehr empfänglich, interessiert und unterstützend. Als wir beispielsweise Windbridge gegründet haben, gab es eine Vielzahl von großen Namen aus Para- und PSI-Forschung die bereit waren, und als Berater zur Verfügung zu standen. Unter diesen Forschern waren unter anderem Stephen Braude, Etzel Cardena, Bruce Greyson, Erlendur Haraldsson, Emily Kelly, Dean Radin, and Jim Tucker. Diese Kollegen unterstützen uns auch weiterhin als hilfreiche Berater wenn es etwa um die Erarbeitung unserer Forschungsprotokolle geht.

GT: (...) Stimmen Sie darin überein, dass die Erforschung des Lebens nach dem Tot besser finanziell unterstützt werden sollte, als dies bislang geschieht, oder würden Sie sagen, dass die bisherigen Mittel der spekulativen Natur dieses Forschungsfeldes und der bislang erreichten Ergebnisse angemessen sind?

JB: Ich denke unsere Forschung benötigt eindeutig mehr finanzielle Unterstützung und verdient es, ernst genommen zu werden. Wenn man die verschiedenen Gebiete der Erforschung Lebens nach dem Tode - Nahtoderfahrungen, sich an frühere Lebens erinnernde Kinder, mediale Transkommunikation, usw. - und hinzu die Menge der bislang zusammengetragen Daten betrachtet, so ist es wirklich schwierig weiterhin zu behaupten, dass auf diesem Gebiet nichts getan wird.

Im Windbridge haben wir uns auf die angewandte Forschung spezialisiert, wie sie einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft haben kann. So haben wir beispielsweise damit begonnen zu erforschen, ob mediale Beratung bei der Trauerarbeit behilflich sein kann und Kontakte zu zahlreichen Hospizen und Trauerverbänden geknüpft, um in dieser Richtung zusammenzuarbeiten. 
Schlussendlich spielt es hier dann aber keine Rolle wie und warum derartige Anwendungen funktionieren, so lange es den Menschen dabei hilft, sich wieder besser zu fühlen. Gleiches kann schließlich auch über zahlreiche pharmazeutische Therapien gesagt werden.

Tatsächlich ist es doch so, dass Industrien, die den Menschen krank machen und auch krank halten sehr viel besser finanziert werden, als jene, die das Gegenteil bewirken sollen - und zu letzteren gehört eben auch unsere Forschung.

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TG: Gemeinsam mit Dr. Gary Schwartz haben Sie bereits eine gegenüber spiritistischer medialer Arbeit sehr positiv ausfallende Studie mit dem Titel "Anomalous Information Reception by Research Mediums Demonstrated Using a Novel Triple-Blind Protocol" veröffentlicht. (Anm. d. Red.: "HIER können Sie diese Studie im englischen Original als PDF herunterladen.) In dieser Studie haben Sie herausgefunden, dass unter strenger Einhaltung der Bedingungen (...) Beweise dafür erbracht werden konnten, dass Information auf "anomalem Wege" erlangt werden können. (...). Haben sie seither Schwachstellen in der Methodik der Studie gefunden, welche die Ergebnisse signifikant beeinflusst haben könnten?

JB: Ursprünglich, gab es einige Kritik. Als diese Kritiker jedoch die Komplexität unserer angewendeten Protokolle im Detail verstanden hatten, konnte geklärt werden, dass die zuvor kritisierten Punkte schon in unserem Protokollaufbau berücksichtigt worden waren.

Unser Studienaufbau konnte erfolgreich Betrug und Täuschung ausschließen (...) und schlussendlich den Beweis dafür erbringen, dass die erbrachten Informationen auf anomalem Wege erlangt wurden (anomalous information reception, AIR). Auch wurde das Phänomen bewiesen, bei welchem ein (spiritistisches) Medium spezifische Informationen über den angesprochenen Verstorbenen ohne jegliche Rücksprache während der Sitzung, ohne die Anwendung von Täuschung und Schwindel und ohne Vorabwissen über den Verstorbenen oder den Beisitzer (jene Person also, die innerhalb der Sitzung die entsprechenden Informationen erwünscht) korrekt erlangt und an den fragenden Beisitzer weitergibt.

Die größte Einschränkung der Studie war jedoch, dass sie PSI-Phänomene wie Telepathie, Hellsichtigkeit und/oder Vorahnung nicht als Erklärung für die positiven Ergebnisse ("Super-PSI"-Hypothese) ausschließen konnte. Die Daten können also nicht zwischen der Theorie über das Überleben des Bewusstseins eines (verstorbenen) Menschen und jenen Theorien unterscheiden, wonach Medien bestimmte Formen von PSI-Fähigkeiten nutzen, um an ihre Informationen über die Verstorbene zu gelangen.

Um nun jedoch durch weitere Tests die AIR-Theorie zu überprüfen, die erlangten Ergebnisse zu reproduzieren und die aktuelle Dreifach-Blindstudie noch auszuweiten, sammeln wir derzeit Daten für eine diese Studie fortführende Fünffach-Blindstudie, die von der "Bial Foundation" unterstützt wird. Hierzu werden wir die Kontrollbedingung einmal mehr verschärfen und haben dabei auch zahlreiche vorgebrachte Kritikpunkte berücksichtigt, wenn beispielsweise die Nennung eines Vornamens des Verstorbenen durch das Medium und dessen Bestätigung durch den Beisitzer eventuell Rückschlüsse auf die ethnische Herkunft , Kultur und Religion des Verstorbenen zulassen - obwohl ein solcher Fall in unserer Studie selbst gar nicht vorgekommen ist.

Allen, die daran interessiert sind, stellen wir gerne eine detaillierte Beschreibung unserer derzeitigen Methoden sowie einen kürzlich im "Journal of Parapsychology" erschienen Aufsatz mit dem Titel "Contemporary methods used in laboratory-based mediumship research" (wie sie auch unter http://www.windbridge.org/publications.htm zu finden ist) zur Verfügung. Dieser Aufsatz diskutiert auch die "idealen" Studienbedingungen für den AIR-Nachweis.

Das Interview im englischen Original finden Sie hier:

GT: Im vergangenen Jahrhundert wurde immer wieder darüber diskutiert, ob "echte" positive Ergebnisse medialer Informationen das Ergebnis von "Geister-Aussagen" sind, oder auf die "Super-PSI"-Fähigkeiten der Medien zurückgeführt werden können. Sie selbst haben diese Diskussion ja bereits zuvor angesprochen (...). Auch wenn Sie sich selbst derzeit zunächst auf den grundsätzlichen Beweis für den anomalen Informationsempfang (AIR) konzentrieren, würde es mich interessieren, ob sie sich ein wissenschaftliches Protokoll vorstellen können, welches die Diskussion aus dieser Sackgasse herausführen kann?


JB: Da die wie obig beschriebene beweisorientierte Forschung nicht zwischen den beiden Hypothesen unterscheiden kann, ist dies eine Herausforderung an die prozessorientierte Forschung, mit der wir die Erfahrungen der spiritistischen Medien während der Sitzungen mit denen aus hellsichtigen Sitzungen für Lebende (Telepathie, Hellseherei und/oder Vorahnungen) vergleichen.

Die von uns am Windbridge Institut zertifizierten Medien (WCRMs) führen meist sowohl übersinnlich-hellsichtige als auch spiritistische Beratungen/Sitzungen durch und berichten zumindest davon, in der Lage zu sein, zwischen den beiden Wahrnehmungen deutlich unterscheiden zu können. Mein diesbezügliches Lieblingszitat eines unserer Medien ist folgendes: "Eine hellsichtige Beratung gleicht dem Lesen eines Buches. Eine spiritistische Sitzung gleich dem betrachten eines Theaterstücks."

Dr. Adam Rock und ich haben hierzu sowohl qualitative und quantitative Studien veröffentlicht und sind derzeit dabei, Unterstützung für den nächsten Schritt in dieser Frage zu finden. Dieser soll in einer quantitativen Blindstudie über die Erfahrungen von Medien während beider Arten von Sitzungen liegen.

GT: Wenn es um die mediale Begabung von Medien geht, habe ich mich immer gefragt, ob reine Statistiken wirklich eine Aussage über das qualitative Ergebnis einer Sitzung ermöglichen, besonders wenn es um sogenannte "Dazzle Shots" geht.
(Erl. d. Red.: Als "Dazzle Shot" wird eine nach zahlreichen falschen Aussagen/Informationen von einem spiritistischen Medium erbrachte Information bezeichnet, die trotz der vorigen Fehlaussagen plötzlich derart präzise und spezifisch ist, dass dies den Rahmen möglicher Zufallsaussagen deutlich sprengt und den in der Sitzung Verstorbenen eindeutig charakterisiert.



Ein Beispiel
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Eine der üblichen, nur wenig aussagenden Pauschalinformationen könnte in etwa lauten: "Sie haben zwei Brüder, einen jüngeren und einen älteren."
Im Gegensatz dazu könnte ein "Dazzle Shot" lauten: "Als sie fünf Jahre alt waren, hat ihnen ihr Großvater, kurz bevor er starb, eine kleine Elfenbeinkiste geschenkt, in welcher er seine Kriegsauszeichnungen aufbewahrt hatte.")
Gibt es also einen wissenschaftlich gültigen Weg die spezifischen Informationen auszuwerten? Dabei denke ich an eine Situation in der ein Medium beispielsweise 9 von 10 Informationen falsch oder nur sehr vage angibt, dann jedoch mit der zehnten Aussage einen "Dazzle Shot" liefert.

JB: Ich denke, der Unterschied liegt hier zwischen statistischen Beweisen und Beweisen, wie sie für den Beisitzer selbst von Bedeutung sind. Ein erlangter P-Wert (eine Kennzahl zur Auswertung von statistischen Tests) wird einen Beisitzer ebenso wenig von treffender Kommunikation überzeugen, wie ein "Dazzle Shot" als objektiver Beweis statistisch ausgewertet werden kann.

Derzeit sind wir auf statistische Beweise angewiesen, da die Realität von AIR noch nicht eindeutig begründet wurde (...). Zusätzlich zu den Betrachtungen der Einzelaussagen durch das Medium während der Sitzung und der Bewertung des Gesamtergebnisses gibt es jedoch eine Vielzahl von Faktoren, mit welchen wir versuchen "Dazzle Shots" zu erkennen und zu bewerten.

GT: Welche Link- und Literaturempfehlungen können Sie dem interessierten Leser geben, der mehr über die moderne Erforschung spiritistischer Medien erfahren möchte?

JB: Auf der Seite unsere Instituts finden sie alle unsere bisherigen und aktuellen Publikationen: www.windbridge.org, hier finden Sie auch einen Newsletter-Service.


Auf unserer Seite finden Sie auch eine von uns empfohlenen Bücherliste zu zahlreichen Themen. Als spzielle Literatur zur modernen Forschung über spiritistsiche Meidne und kommunikation mit Verstorbenen empfehle ich "Immortal Remains" von Stephen Braude, "Is There an Afterlife?" von David Fontana, und "Irreducible Mind" von Ed und Emily Kelly. Hinzu - auch wenn es darin nicht um die modernen Studien und Forschung geht - möchte ich ein sehr unterhaltsames Buch über historische spiritistische Medien empfehlen: "Ghost Hunters" von Deborah Blum:


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Quellen: dailygrail.com / grenzwissenschaft-aktuell.de
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