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Freitag, 11. Juni 2010

Leben auf Jupitermond Io?

Archiv: Jupitermond Io | Copyright: NASA

Pullman/ USA - Bei der Suche nach außerirdischem Leben im Sonnensystem gelten der Saturnmond Enceladus und die Jupitermonde Europa und Ganymed aufgrund ihrer unter frostigen Eispanzern verborgenen Seen und Ozeanen aus Wasser als die vielversprechendsten Kandidaten. Doch auch auf der Vulkanwelt des Jupitermondes Io könnte es lebensfreundliche Orte geben.

Der innerste der großen Trabanten des Jupiters selbst ist kaum größer als der Erdenmond und ist der wahrscheinlich vulkanisch aktivste Himmelskörper unseres Sonnensystems, dessen Feuerberge Material bis zu 300 Kilometer in seine dünne Atmosphäre und ins All hinaus schleudern. Grund für die Aktivität sind die starken Gezeitenkräfte des Gasriesen Jupiter.

Während es in den direkten Umgebungen der Vulkane bis zu 1650 Grad Celsius sein kann, liegen die durchschnittlichen Temperaturen auf der Oberfläche des Mondes bei rund -130 Grad Celsius, weshalb hier auch ausgedehnte Schneefelder aus Schwefeldioxid zu finden sind. Io ist also buchstäblich eine Welt aus Feuer und Eis.

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Auch wenn die meisten Wissenschaftler die Chancen für Leben auf Io aufgrund der starken Strahlung des Jupiter eher als gering betrachten, bislang auch tatsächlich noch keine organischen Moleküle auf seiner Oberfläche nachgewiesen werden konnten und die sehr dünne Atmosphäre des Jupitermond keine nachweisbaren Wasserdampfanteil aufweist, glauben einige Forscher dennoch, dass es auch hier verborgene Ökosysteme geben könnte. "Nahezu jedermann tendiert dazu, die Möglichkeit für Leben auf Io kategorisch auszuschließen", so der Astrobiologe Dirk Schulze-Makuch von der "Washington State University". Doch könnte es Umstände geben, die den Mond in der Vergangenheit lebensfreundlich werden ließen. "Sollte es also früher einmal Leben auf Io gegeben haben, so besteht durchaus die Chance, dass dieses bis heute überlebt haben könnte."

In seiner in der Fachzeitschrift "Journal of Cosmology" veröffentlichten Studie erläutert der Wissenschaftler weiter, dass Leben auf der Oberfläche von Io zwar kaum mehr vorstellbar sei, dieses jedoch in größeren Tiefen überdauert haben könnte: "Wir sollten Io nicht grundsätzlich als lebensfeindlich kategorisieren, nur weil er derart extrem ist."

Anhand von Computermodellen glauben Wissenschaftler, dass sich der Mond in einer Region um den Jupiter geformt hatte, innerhalb derer es zu genüge Wassereis gegeben habe. Gemeinsam mit der Hitze auf Io, könnte dieses möglicherweise zu flüssigem Wasser geschmolzen sein, in dem dann auch Leben entstanden sein könnte: "Verglichen mit den Wassermengen auf den Jupitermonden Europa und Ganymed, muss es auf Io kurz nach seiner Entstehung tatsächlich eine ganze Menge an Wasser gegeben haben", führt Schulze-Makuch weiter aus.

Dieses einstige Wasser an der Oberfläche des Mondes sei wahrscheinlich aufgrund der Strahlung des Jupiters innerhalb von 10 Millionen verflogen. Zu diesem Zeitpunkt könnte bereits primitives Leben entstanden sein und sich in den Untergrund zurückgezogen haben, wo es vor der Strahlung geschützt gewesen wäre. Hier könnte es auch heute noch Wasser in flüssiger Form geben und geothermale Aktivitäten gemeinsam mit Schwefelverbindungen könnten als Nahrungsquelle für Mikroben dienen.

Die Tatsache, dass bislang noch keine organischen Moleküle auf der Oberfläche des Mondes nachgewiesen werden konnten, bedeute nicht, dass dieses nicht auch im Untergrund existieren könnte: "Jegliche Form von organischen Verbindungen, wie sie einst auf der Oberfläche existiert haben könnte oder auch heute noch aus dem Untergrund an die Oberfläche gelangt, wird umgehend von der starken Strahlung des Jupiters zerstört", so Schulze-Makuch.

Gerade Lavaröhren wie sie auf Io in großer Zahl entdeckt wurden, könnten ideale unterirdische Ökonischen darstellen, da Organismen hier vor der schädlichen Strahlung geschützt wären. Zugleich könnte aufgrund der isolierenden Eigenschaften dieser einst durch Lavaflüsse im Fels hinterlassene hohlen Röhren (...wir berichteten) Feuchtigkeit gebunden werden und dadurch weitere Nährstoffe, wie etwa gelöste schwefelhaltige Verbindungen zur Verfügung stellen. Auch auf der Erde gibt es Mikroben im Innern von Lavaröhren, in Eis-, Vulkan. Und Wüstenzonen. Auch auf dem Mars, so vermuten einige Wissenschaftler, könnte sich einstiges Leben im Innern dieser Röhren bis heute erhalten haben (...wir berichteten).

Neben Wasser als Grundlage des Lebens auf Io, könnten die drastischen Umweltveränderungen auf dem Mond auch die Anpassung an andere Flüssigkeiten mit sich gebracht haben. Ein möglicher Kandidat hierfür wären Schwefelwasserstoffe, wie sie in großen Mengen auf der Oberfläche de Mondes vorkommen und zwischen -86 und –60 Grad Celsius verflüssigt bleiben. Andere Möglichkeiten organische Moleküle zu lösen, bringen die ebenfalls vorhandenen Schwefeldioxide und Schwefelsäuren mit sich. Derzeit untersucht das Team um Schulze-Makuch, in wie weit sich die Schwefelverbindungen als Grundlage des Lebens eignen könnten.

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Leben auf Io, so vermuten die Forscher weiter, könnte über lange Zeiten ruhen, um nur dann jeweils aktiv zu werden, wenn auch genügend Nährstoffe zur Verfügung stehen. Auch wenn die Chancen, innerhalb des Jupitersystems auf den Mondes Ganymed und Europa Leben zu finden, sehr viel höher erscheint, fordert Schulze-Makuch, Io nicht zu vernachlässigen: "Als Teil einer umfassenden Forschungsmission zu den Galileischen Monden könnte eine vor der Strahlung geschützte Robotersonde auf Io den derzeitigen Zustand der Oberfläche und des Untergrundes erforschen und dabei wichtige Erkenntnisse ermöglichen."

Sollte eine solche Mission auch auf Io Spuren von Leben finden, würde dies die Wahrscheinlichkeit, dass Leben auch auf anderen Welten im Universum entstanden ist noch steigern.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / astriobio.net / nasa.gov / wsu.edu
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