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Montag, 5. Juli 2010

Studie über Erdbeben-Lichter vor dem Aquila-Beben 2009

Dieser leuchtende Körper wurde am 20. Juni 2009 in der Felsschlucht von Celano gesichtet und fotografiert | Copyright/Quelle: Giuseppe Marrone / nat-hazards-earth-syst-sci.net

Perugia/ Italien - Sieben Monate lang haben italienische Wissenschaftler Augenzeugenberichte von merkwürdigen Lichtphänomenen, wie sie bis zu neun Monate vor und fünf Monate nach dem verheerenden Erdbeben von Aquila am 6. April 2009 in der direkten Umgeben um das Epizentrum gesichtet wurden, gesammelt und ausgewertet.

Die Studie von Wissenschaftlern um Cristiano Fidanie an der "Universitá di Perugia" wurde im Online-Fachmagazin "Natural Hazards Earth System Sciences" der "Europäischen Geowissenschaftlichen Union" (European Geoscience Union, EGU) veröffentlicht. In der Untersuchung ging es den Wissenschaftlern um Beobachtungen sogenannter nicht-seismischer Lichtphänomene, die von den Anwohnern der Region vor und nach dem Beben zu jeglichen Tag- und Nachtzeiten gesichtet worden waren.

Zu den beschriebenen Lichtphänomenen gehörten kurzlebige Blitze, Aufleuchten, Flammen und Feuerkugeln aber auch ungewöhnliche Verfärbungen des Himmels, wie sie unter einigen Geowissenschaftlern als mögliche Kandidaten für Erdbebenlichter diskutiert werden. Erdbebenlichter wurden schon in der Antike beschrieben und auch wenn ihre Formen offenbar vielfältig sein können, gelten sie vor allem im Volksglauben schon lange als Ankündigung von Erdbeben. Auch wissenschaftlich sind diese Phänomene schon lange Inhalt von kontrovers geführten Diskussionen.

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Neben den Lichtphänomenen dokumentierten die Forscher auch potential verwandte Phänomene, wie etwa spontane thermische Phänomene, ungewöhnliche vermeintlich meteorologische Phänomene, merkwürdige Geräusche, Störungen von Radio- und Telekommunikationsverbindungen aber auch ungewöhnliches Verhalten von Mensch und Tier.

Nächtliche Leuchtkugel, fotografiert am 22. Februar 2009 nahe Preturo | Copyright/Quelle: Bruno Chiarelli / nat-hazards-earth-syst-sci.net

Insgesamt konnten die Forscher rund 1000 Berichte zusammentragen. 241 dieser Berichte beschrieben Lichtphänomene, von welchen einige auch durch Fotos dokumentiert und illustriert werden konnten (s. Abb.). Mindestens 99 dieser Sichtungen ereigneten sich noch vor dem Hauptbeben. Besonders die flammenförmigen Lichterscheinungen wurden vor allem nach dem Hauptbeben beobachtet.

In einem dramatischen Fall wurden die Erdbebenlichter von einem mit der Materie bestens vertrauten Zeugen gesichtet, der daraufhin Sicherheitsmaßnahmen für sich und seine Familie einleitete und so persönliche Schäden durch das Beben abwenden konnte. Aus diesem und anderen Fällen und der Auswertung ihres Katalogs schlussfolgern die Forscher, dass eine Aufklärung von Bevölkerungen in Erdbeben-Risikogebieten über Aussehen und Qualitäten von Erdbebenlichtern viele Leben retten könnte.

Erste Abgleiche der Sichtungsorte legen eine Verbindung zwischen elektrischen Entladungen und Geländeunebenheiten nahe, während flammenartige Erscheinungen meist entlang des Aterno Tals gesichtet wurden, durch das sich das Beben fortsetzten.

Als weitere Vorsichts- und Vorhersagemaßnahme schlagen die Forscher die Einrichtung von Videoüberwachungsnetzwerken vor, wie sie entsprechende Phänomene - nach dem Vorbild automatisierter und computergesteuerter astronomischer Beobachtungs- und Erkennungssysteme - in gefährdeten Regionen, wie etwa in den 2009 betroffenen Apenninen, erkennen könnten.

- Die vollständige Studie – im engl. Original – finden Sie HIER

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / egu.eu / nat-hazards-earth-syst-sci.net
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