Mittwoch, 2. Februar 2011

Rührende Aufnahmen zeigen den Trauerprozess von Schimpansen

Archiv: Schimpansen-Mutter mit 1-Monat-altem Jungen | Copyright: Katherine Cronin, Max-Planck-Institut für Psycholinguistik

Chimfunshi/ Sambia - Videoaufzeichnungen wildlebender Schimpansen im "Chimfunshi Wildlife Orphanage Trust"-Reservat in Sambia betrachten Verhaltensforscher als neusten und eindrucksvollen Beleg dafür, dass auch Menschenaffen Trauer empfinden und zeigen ein Muttertier ebenso berührend wie eindrucksvoll in der Übergangsphase in der die Mutter den Tod ihres Kindes begreifen lernt.

Was bei einer Dauer der intimen Aufzucht der Jungtiere durch die Mutter bis zum zweiten Lebensjahr, der weiteren Pflege und Versorgung mit Muttermilch bis in ein Alter von vier bis sechs Jahren und der nachgewiesenen sozialen und intellektuellen Intelligenz der Tiere eigentlich nicht verwunderlich erscheint, wurde und wird immer noch von einigen Forschern bezweifelt: Die Fähigkeit der Tiere, den Tod, zu verstehen und um verstorbene Familienmitglieder zu trauern.

Die Aufnahmen aus Sambia zeigen nun, wie eine Schimpansenmutter den Tod ihres 16 Monate alten Kindes nach und nach zu verstehen beginnt und schlussendlich darum zu trauern scheint, in dem sie sich noch einmal dem leblosen Körper annimmt.

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Bereits zuvor hatte die Affenmutter ihr lebloses Kind noch einen Tag lang wie gewohnt mit sich am Körper getragen. Danach legte sie es auf einer Lichtung ab, um den toten Körper aus einiger Distanz zu bewachen und immer wieder - teilweise gemeinsam mit anderen Individuen der Gruppe - zu kontrollieren. Immer wieder legte ihre Finger jeweils für mehrere Sekunden auf Gesicht und Hals des toten Jungen.

Fast eine Stunde lang blieb sie in der Nähe des Leichnams, dann trug sie ihn zu einer Gruppe von Artgenossen und beobachtete, wie diese den Körper inspizierten. Erst am darauffolgenden Tag verließ sie ihr Junges.

Hinweis: Dieses Video enthält Szenen mit stark emotionalem Inhalt


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"Der Tod des Jungtieres löst bei Schimpansen offenbar starke Verunsicherung und Verstörung aus", so die Interpretation der Filmaufnahmen durch Forscher des "Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik" im niederländischen Nijmegen nahe. Die Beobachtungen von Katherine Cronin und ihrem Team liefern den Forschern einzigartige Einblicke, wie Schimpansen, wie eine Schimpansen-Mutter auf den Tod ihres Kindes reagiert. Sie zeigt dabei Verhaltensweisen, die für den Umgang mit lebenden Kindern untypisch sind. So berührte sie mit seinen Fingern den Hals des toten Jungen und legte dessen Körper auf den Boden einer Lichtung, um ihn aus einiger Entfernung zu betrachten.

Fast eine Stunde lang blieb sie in der Nähe des Leichnams, dann trug sie ihn zu einer Gruppe von Artgenossen und beobachtete, wie diese den Körper inspizierten. Am darauffolgenden Tag verließ sie ihr Junges.

Darüber, wie Menschenaffen auf den Tod eines nahen Verwandten reagieren, wie sie den Tod erfahren und ob sie trauern, ist bisher fast nichts bekannt. Die Max-Planck-Forscher glauben daher, Zeugen einer einzigartigen Übergangsphase geworden zu sein, in der die Mutter den Tod ihres Kindes begreifen lernt - ein Prozess, der bis dahin noch nie im Detail beschrieben worden war. Die Wissenschaftler vermeiden möglicherweise irreführende Interpretationen und stellen stattdessen ausführliche Videoaufnahmen bereit, die es dem Betrachter ermöglichen, sich selbst ein Bild davon zu machen, wie Schimpansen den Tod erfahren.

"Die Videos sind sehr wertvoll, denn sie zwingen den Zuschauer innezuhalten und darüber nachzudenken, was im Kopf unserer nächsten Verwandten vorgeht", so Cronin. "Ob der Betrachter letztlich zu dem Schluss kommt, dass die Schimpansen-Mutter trauert oder den Leichnam einfach nur neugierig betrachtet, ist nicht annähernd so wichtig wie die Tatsache, dass die Leute sich einen Moment Zeit nehmen, um über die Möglichkeiten nachzudenken."

Frühere Berichte dokumentieren, dass Schimpansen-Mütter ihre Jungen nach deren Tod noch Tage oder Wochen mit sich tragen. Dies zeigt, dass es für Schimpansen ausgesprochen schwierig ist, die Mutter-Kind-Bindung zu lösen (...wir berichteten). Schließlich bleibt diese enge Bindung auch nach der Entwöhnung noch mehrere Jahre lang bestehen und gehört zu den engsten Beziehungen im Leben eines Schimpansen.

Die aktuellen Forschungsberichte ergänzen diese Beobachtungen und werfen ein neues Licht darauf, wie Schimpansen den Tod erleben. "Wir hoffen, dass wir mit genügend Beobachtungsmaterial eines Tages beurteilen können, wie nicht-menschliche Primaten den Tod begreifen und wie sie damit umgehen", sagt Cronin.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / mpg.de / mpi.nl
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