Mittwoch, 6. Juli 2011

Klimawandel verkehrt: Chinas Schwefelemissionen bremsten Klimawandel

Luftverschmutzung durch ein Kohlekraftwerk | Copyright: Public Domain

Boston/ USA - Für eine bislang rätselhafte Auszeit in der Erwärmung des Erdklimas in den Jahren zwischen 1998 und 2008, während der die Durchschnittstemperaturen fast gleich blieben, obwohl der Ausstoß von Treibhausgasen im gleichen Zeitraum weiterhin anstieg, haben Klimawissenschaftler nun eine ungewöhnliche Erklärung gefunden: Gerade die gewaltigen durch Kohleverbrennung abgegebenen Schwefelemissionen Chinas haben, im Zwischenspiel mit weiteren Faktoren, das Klima in diesem Zeitraum abgekühlt.

Was zunächst scheinbar als gewaltiger Widerspruch klingt, erklärt sich laut der Studie von Michael Mann und Robert Kaufmann von der "Boston University", die aktuell in der Online-Ausgabe des Fachmagazins "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) veröffentlicht wurde, durch drei Faktoren: Während es zu einer überproportionalen Steigerung der chinesischen Schwefelgas-Emissionen kam, erlebte zum einen die Sonnenaktivität und mit ihr einhergehend deren Strahleneinwirkung auf die Erde, ein Minimum. Zugleich sorgte das Klimaphänomen La Nina für eine Abkühlung der Temperaturen im Pazifikraum.

"Menschliche Aktivitäten, die den Planeten erwärmen und abkühlen, heben sich nach 1998 gegenseitig auf. Das erlaubte es natürlichen Variablen, eine signifikantere Rolle zu spielen“, so die Forscher. Allerdings: Seit 2009 steigen die globalen Temperaturen wieder an.

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In vier Jahren, zwischen 2003 und 2007, so die Analyse der Forscher, habe das Schwellenland China seinen Kohlenverbrauch nahezu verdoppelt, während der gleiche Vorgang vormals noch 22 Jahre (1980 bis 2002) dauerte.

Die Erklärung für den ausgleichenden Effekt sehen die Wissenschaftler in dem Umstand, dass bei der Verbrennung von Kohle nicht nur Treibhausgase wie Kohlendioxid freigesetzt werden, sondern unter anderem auch Schwefelgase entstehen, die in der Atmosphäre eine abkühlende Wirkung haben können.

Dennoch, so streichen die Forscher hervor, bestätige selbst dieser auf den ersten Blick verwirrende Umstand, die gängigen Klimamodelle, über die vom Menschen erzeugten Ursachen des weiterhin fortschreitenden Klimawandels. Die nachgewiesene "Pause" der Klimaerwärmung sei kein Grund zur Entwarnung. Der Erde könnte hingegen dann sogar eine Phase besonders rascher Erwärmung bevorstehen, wenn die Sonnenaktivität wieder zunehme und Schwellenländer wie China zugleich im Rahmen von Umweltschutzmaßnahmen ihre Emissionen von Luftschadstoffen wie Schwefel reduzieren. "Der scheinbare Widerspruch zwischen zunehmendem Ausstoß von Treibhausgasen einer Pause der Klimaerwärmung könnte ein Grund sein, warum die Öffentlichkeit dem anthropogenen Klimawandel zunehmend skeptisch gegenüber steht."

Ein Anstieg der Sonnenaktivität könnte hingegen das geringste Problem für das Weltklima sein: Erst vor kurzem vermuteten Sonnenforscher der NASA, dass wir derzeit möglicherweise am Beginn eines vielleicht sogar Jahrzehnte andauernden Minimums an Sonnenaktivität stehen (...wir berichteten).

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / pnas.org / bu.edu/cees
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