Samstag, 30. Juli 2011

Meinungsbildung von Mehrheiten benötigt gläubige Minderheit von 10 Prozent

Visualisierung des Schwellenwerts, wenn die Meinung einer vorigen Minderheit (rot) wächst und ab dem überschreiten der Grenze von 10 Prozent schnell zur Mehrheitsmeinung wird (grün). | Copyright: SCNARC/Rensselaer Polytechnic Institute, rpi.edu

Troy/ USA - US-Forscher haben mittels einer Computersimulation herausgefunden, dass es mindestens 10 Prozent einer Population benötigt, die an eine Meinung glauben, damit sich entsprechende Ideen und Vorstellungen auch bei der restlichen Mehrheit durchsetzen.

Mit Computersimulationen verschiedener sozialer Netzwerke gelang es den Wissenschaftlern um Sameet Sreenivasan und Boleslaw Szymanski vom "Social Cognitive Networks Academic Research Center" (SCNARC) am "Rensselaer Polytechnic Institute" (rpi.edu), jenen Schwellenwert zu ermitteln, den es benötigt, damit die Meinung einer Minderheit zur Mehrheitsmeinung wird. Die Erkenntnis der Forscher hat Auswirkungen auf die Erforschung sozialer Interaktionen, angefangen von der Verbreitung neuer Ideen, Produkte und Innovationen bis his zu politischen Fragestellungen.

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"Bleibt die Anzahl der an eine Idee glaubenden Personen innerhalb einer Gruppe bzw. Population unterhalb von 10 Prozent, so zeigt sich kaum ein Fortschritt in der weiteren Verbreitung dieser Ideen", erläutert Szymanski. "Überschreitet diese Anzahl jedoch zehn Prozent, so verbreitet sich die Idee von nun an wie ein Lauffeuer." Ihre Forschungsergebnisse haben die Wissenschaftler aktuell im Fachmagazin "Physical Review E" veröffentlicht.

Als Beispiel nennen die Forscher unter anderem die aktuellen politischen Ereignisse und Entwicklungen in zahlreichen arabischen Ländern, angefangen in Tunesien und Ägypten, wo ähnliche Prozesse zu beobachten gewesen seien, wenn Diktatoren, die Jahrzehnte lang an der Macht waren, ganz plötzlich und innerhalb von nur wenigen Wochen überwältigt und abgesetzt wurden.

Insgesamt simulierten die Forscher drei Gruppen sozialer Netzwerke: In einem der Netzwerke war jede Person nur mit einer anderen verbunden, während in einem anderen Modell alle sehr engmaschig miteinander vernetzt waren. In einem dritten Modell waren es nur einige besonders gut vernetzte Meinungsführer inmitten einer größeren Masse.

In jedes der Modelle wurden dann nach und nach "Andersgläubige" eingeführt, die jeweils die ihnen am nächsten stehenden Personen zu "werben" versuchten. Als Maßstab für eine erfolgreiche "Bekehrung" galten mindestens zwei Kontakte einer Person mit den Abweichlern. "Für gewöhnlich vertreten Menschen nur ungern eine unpopuläre Meinung und bemühen sich deshalb, lokal mit anderen zu einem Konsens zu kommen. Genau diese Dynamik haben wir in unsere Modelle übernommen", erläutert Sreenivasan.

Neben der Erkenntnis des 10-Prozent-Schwellenwerts war für die Forscher besonders interessant zu beobachten, dass das beschriebene Verhalten gänzlich unabhängig davon war, wo und wie eine neue Idee entstand und verbreitet wurde.

In einem nächsten Schritt soll nun überprüft werden, wie sich die Situation verhält und entwickelt, wenn sich zwei entgegengesetzte Meinungen in einer polarisierten Gesellschaft gegenüberstehen.

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / rpi.edu
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