Donnerstag, 23. Mai 2013

Rossis E-Cat Reaktor: Unabhängige Expertenbegutachtung von Kalter-Kernfusion veröffentlicht


Der Kalte-Fusionsreaktor im unabhängigen Leistungstest. | Copyright/Quelle: G. Levi, E. Foschi et al., / arxiv.org

Bologna (Italien) - Bereits seit einigen Jahren sorgt Andrea Rossi mit seiner Behauptung, er habe einen funktionsfähigen Reaktor für sogenannte Kalte Fusion konzipiert, der erfolgreich erstaunliche Wärmeenergie durch eine nukleare Fusionsreaktion schon bei Zimmertemperatur erzeugen könne, für hitzige Kontroversen und Wissenschaftlern und Laien. Nach zunächst selbstpublizierten Studien und Demonstrationen (...wir berichteten), die in der wissenschaftlichen Gemeinde jedoch nur selten auf Gehör geschweige denn Interesse stießen, haben italienische und schwedische Wissenschaftler nun die Ergebnisse ihrer unabhängigen Studie von Rossis Reaktor veröffentlicht - und bestätigen die von Rossi geweckten Hoffnungen.

Schon seit den 1940er Jahren gelten Theorien und Visionen rund um die "Kalte Fusion", bei der sozusagen das Gegenteil der Kernspaltung, die sog. Kernfusion nicht wie gewöhnlich (etwa in der Sonne) bei Extremtemperaturen von mehreren tausend Grad sondern sozusagen bei Raumtemperaturen stattfindet, als Hoffnungsträger für eine kostengünstige und saubere Energiequelle, wie sie bislang jedoch noch nie in reproduzierbaren Experimenten erzeugt werden konnte.


2011 demonstrierten die Rossi und sein Kollege Sergio Focardi auf einer Pressekonferenz, wie sie mittels des von ihnen konzipierten Nickel-Wasserstoff-Fusionsreaktors "E-Cat" mit einer Eingabe von nur 400 Watt eine Wärmeleistung von 12.400 Watt erzeugten. Hinzu erklärten Rossi und Focardi sogar, ihr Reaktor habe die Forschungsphase bereits überschritten und erste bestellte Einheiten seien schon Ende des Jahres versandfertig.


In ihrer Anlage, so die Forscher, sollen Kerne von Nickelatomen mit jenen von Wasserstoff verschmolzen werden - ein Vorgang bei dem sowohl Kupfer als auch große Mengen von Energie entstehen und für den die Anlage weniger als 1 Gramm Wasserstoff verbrauche. Hierbei werden zunächst 1.000 Watt an Elektrizität benötigt, die nach wenigen Minuten auf 400 Watt reduziert werden. Jede Minute, so berichtet unter anderem auch "PhysOrg.com", kann die beschriebene Reaktion 292 Gramm von 20 Grad Celsius warmes Wasser in Trockendampf von 101 Grad umwandeln. Da dieser Prozess 12.400 Watt an Energie benötigt, entspricht der Energiegewinn also dem Faktor 12.400/400=31. Die Forscher schätzen derzeit, dass dieser Vorgang weniger als ein Cent/kWh kostet. Wesentlich weniger also, als wenn das gleiche Ergebnis mit Kohle- oder Gaskraftwerken erzeugt werden würde - und noch dazu ohne, dass dabei Kohlendioxid oder gar radioaktive Abfälle entstehen.


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Nachdem eine unabhängige Expertenbegutachtung von Rossis Reaktor mehr als ein Jahr lang immer wieder verschoben wurde und Kritiker sich gerade dadurch in ihren Zweifeln schon bestätigt sahen, haben nun schwedische und italienische Wissenschaftler genau diese Studie nun vor wenigen Tagen vorab auf "arxiv.org" veröffentlicht. Schon der Titel des Papers "Indication of anomalous heat energy production in a reactor device" (Hinweise auf eine anormale Wärmekraft-Produktion in einer Reaktoreinheit) lässt kaum Fragen am Ergebnis dieser Untersuchung.

In ihrem Artikel beschreiben Giuseppe Levi von der Università di Bologna, Evelyn Foschi, sowie Torbjörn Hartman, Bo Höistad, Roland Pettersson und Lars Tegnér von der schwedischen Uppsala Universitet, Uppsala, Sweden und Hanno Essén von der Königlich Technische Hochschule (Kungliga Tekniska högskolan) zu Stockholm, dass der während der vergangenen zwei Jahre noch verbesserter Reaktor (E-Cat HT2) zunächst (vom 13.-17.12.2012) für 96 Stunden und dann (vom 18.-23. März 2013) für 116 Stunden in Anwesenheit der Autoren betrieben wurde.


Zwar gestehen die Wissenschaftler ein, dass sie nicht alle Aspekte des Prozesses kontrollieren konnten, doch seien diese Faktoren nicht ausschlaggebend genug, um die erlangten Ergebnisse in Frage zu stellen.



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In ihrer Schlussfolgerung erklären die Wissenschaftler dann abschließend: "Wenn wir vom Volumen des Reaktorkerns und selbst von den konservativsten Werten der Energieproduktion (durch den Reaktor) ausgehen, so erreichen wir immer noch einen Wert von 7,93 ± 0.8 / 10^2 MJ/Liter und damit eine Größenordnung, die immer noch deutlich über der jeder anderen konventionellen Energiequelle liegt."

Während einige Kommentatoren schon jetzt die Messungen der Forscher kritisieren und mögliche Fehlerquellen aufzeigen, sei die Energieproduktion derart signifikant, dass selbst dramatische Beschneidungen der Werte einen Prozess darzustellen scheinen, der einen "wahnsinnig wertvollen Energieertrag" aufzeige, kommentiert auch der Mark Gibbs auf "Forbes.com" die unabhängige Untersuchung.


Die Autoren selbst verweisen abschließend auf dem Umstand, dass beide Tests gezielt nach 96 bzw. 116 Stunden abgebrochen wurden - es sich also nicht um einen Ausfall des Systems handelte. In einem nächsten Schritt soll nun - wohl schon im kommenden Sommer (2013) - der Reaktor im Langzeitbetrieb etwa sechs Monate betrieben und getestet werden: "Dieser Test wird dann ausschlaggebend für weitere Versuche sein, den Ursprung des bislang beobachteten Hitzephänomens zu ergründen."


- Den vollständigen Artikel zu den Ergebnissen der unabhängigen Analysen finden Sie HIER


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Italienische Forscher präsentieren Reaktor für Kalte Fusion 24. Januar 2011

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