Mittwoch, 21. August 2013

Nibiru? Kosmisches Navigationssystem soll Raumschiffe nach Alpha Centauri lotsen und auch Frage nach noch unbekannten Planeten im Sonnensystem klären

 
Künstlerische Darstellung eines Pulsars (Illu.). | Copyright: NASA


Clayton South (Australien) - Ein Team australischer und chinesischer Wissenschaftler hat eine Art kosmisches Navigationssystem erdacht, das es mit Hilfe von sogenannten Pulsaren - also extrem schnell rotierender und dabei Radio- und manchmal Röntgenimpulse abstrahlender dichter Sterne - einem Raumschiff erlaubt, sich auch im interstellaren Raum, etwa auf einer Reise von der Erde zum nächstgelegenen Sternsystem Alpha Centauri, seine jeweilige Position präzise zu ermitteln. Die Technologie könnte auch die Frage klären helfen, ob in unserem Sonnensystem noch unbekannte Planeten - wie etwa der vieldiskutierten Nibiru - existieren.

- Lesen Sie hierzu auch unser Interview mit dem an der Entwicklung des kosmischen Navigationssystems beteiligte Astronom Dr. George Hobbs darüber, die wie Astronomen weltweit nach unbekannten Objekten im Sonnensystem wie dem berühmt-berüchtigten Planeten Nibiru suchen. Das Interview finden Sie HIER


Wie die Forscher um den Doktoranden Deng Xinping vom National Space Science Center in Peking und Dr. George Hobbs von der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) vorab auf "ArXiv.org" und in einer zukünftigen Ausgabe des Fachjournals "Advances in Space Research" berichten, strahlen die auch als "kosmische Leuchttürme" bezeichneten Pulsare in äußerst präzisen Abständen Radioblitze und manchmal Röntgenstrahlen ab. Leichte Abweichungen von den zu erwartenden Ankunftszeiten dieser Impulse können Informationen über das Verhalten des Pulsars selbst, aber auch darüber preisgeben, ob der Pulsar selbst beispielsweise einen anderen Stern umkreist.


"Wir können aber auch in die andere Richtung arbeiten", erläutert Dr. Hobbs und führt weiter aus: "Wir können Informationen von Pulsaren nutzen um die Position des verwendeten Teleskops genau zu bestimmen. Befindet sich ein Teleskop also an Bord eines Raumschiffs, so können wir auch dessen Position aus den Pulsar-Informationen ablesen.


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Hierzu seien die Beobachtungen von mindestens vier bereist ausführlich beobachteten und vermessenen Pulsaren alle sieben Tage notwendig. "Jeder Pulsar müsste etwa eine Stunde lang beobachtet werden", so Hobbs.


Während Raumschiffe innerhalb unseres Sonnensystems für gewöhnlich von der Erde aus geortet und gesteuert werden, verliert sich jedoch die Genauigkeit, mit der die jeweilige Position gemessen werden kann, mit zunehmender Entfernung.


Raumschiffe und Sonden, die unser Sonnensystem verlassen, benötigen also ein eingebautes und autonomes Navigationssystem. "Die Navigation mit Hilfe von Pulsaren umgeht jene Probleme, die sich durch Systeme die auf Kreisel-Schwungräder und Beschleunigungsmesser zurückgreifen, wenn auch diese Instrumente mit der Zeit ungenauer und schadenanfälliger werden", erläutert Xinping.


Schon 1974 haben Wissenschaftler zum ersten Mal ein Navigationssystem mit Hilfe von Pulsaren angedacht. Durch die Entwicklung von sehr kleinen und leichtgewichtigen Röntgen-Detektoren, die jene Röntgenimpulse messen können, die von Pulsaren abgegeben werden, rücke diese Vision zusehends in den Bereich des technisch Machbaren, so die Forscher. Auch die US-Raumfahrtbehörde NASA erkundet derzeit diese Technologie.


Anhand einer ersten Simulation eines mit der entsprechenden Technologie und der von den Forschern erdachten Software "Tempo2" ausgerüsteten Raumschiffs, gelang es den Wissenschaftlern bereits eine simulierte Sonde autonom zum Mars zu navigieren.


Im Gegensatz zu früheren und anderen Versuchen haben die chinesischen und australischen Wissenschaftler in ihre Methode auch natürliche Ungenauigkeiten der Pulsare selbst mit einbezogen. "Dadurch kann unser Raumschiff seine Position im Raum bis auf 20 Kilometer genau und seine Geschwindigkeit bis auf 10 Zentimeter pro Sekunde bestimmen. Nach unserer Kenntnis ist das das beste Ergebnis, das jemals mit entsprechenden Technologien erzielt wurde."



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Zugleich könne die Pulsar-Software aber auch zur Bestimmung der Masse von Objekten im Sonnensystem verwendet werden. Schon 2010 nutzen Hobbs und Kollegen eine Vorgängerversion, um die Massen der Planeten bis hinaus zum Saturn bis auf sechs Dezimalstellen genau zu ermitteln.


Dreht sich die Erde um die Sonne, so beeinflusst diese Bewegung die Genauigkeit, mit der die Impulse der Pulsare auf der Erde eintreffen. Um diesen Effekt zu entfernen, berechnen Astronomen, wann die Pulsar-Signale auf der Sonne und damit der Zentralmasse unseres Sonnensystems eintreffen würden, um die schließlich alle Planeten kreisen. "Wenn es so aussieht, als kämen die Signale zur falschen Zeit an, dann wissen wir, dass die Massen der Planeten, die wir in unseren Gleichungen verwenden falsch sind und dann können wir das korrigieren", erklärt Hobbs.


"Die neue Software-Version ermöglicht es uns, bislang unentdeckte Massen, darunter auch bislang unbekannte Planeten wie der berühmt-berüchtigte Nibiru, auszuschließen", so Hobbs. "Selbst wenn ein Planet also nur schwer visuell zu sehen wäre, so gibt es keinen Weg seine Gravitationsanziehung zu verschleiern. Wenn wir diese Gravitationsanziehung nicht entdecken, dann gibt es auch keinen solchen Planeten."


- Den vollständigen Originalartikel von Xinping und Hobbs finden Sie HIER


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Tote Sterne: Forscher entwickeln Navigationssystem für interstellare Reisen 3. April 2013

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Quelle: csiro.au
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