Mittwoch, 23. April 2014

Kosmetik-Institut will den Mond und Nächte heller machen


Grafische Vorher-Nacher-Simulation des Stadtbildes von Stockholm. | Copyright/Quelle: foreo.com

Stockholm (Schweden) - Es klingt zunächst wie ein Scherz, doch offensichtliche oder gar versteckte Hinweise etwa auf einen Aprilscherz sucht man auf der Projektseite für "Brighter Moon" der Gedankenwerkstatt des Kosmetik-Instituts "FOREO" vergeblich. Tatsächlich verfolgt das Projekt mit der Vision, den Mond heller zu machen, angeblich aber ein ernsthaftes Ziel.

"Stellen Sie sich eine Welt vor, in der die Tage länger und die Nächte heller sind", erläutert das FOREO-Institut auf der Webseite zu "Brighter Moon". "Durch eine Erhöhung der Reflexionsfähigkeit des Mondes, könnte die Welt hellere Nächte erleben und somit gleichzeitig, in den Stunden nach Sonnenuntergang, weniger Energie verbrauchen. Stellen Sie sich die Auswirkung auf die globale Energie-Krise vor, wenn jedes Straßenlicht ausgeschaltet werden könnte. Stellen Sie sich vor, um wie viele Tonnen täglich die CO2 Emissionen reduziert werden könnten."


Hintergrund des Gedankenspiels ist die Tatsache, dass der Mond einen sehr geringen Albedowert (Sonnenlichtreflexion) von nur 0,12 besitzt. Es werden also nur 12 Prozent des Sonnenlichts reflektiert. Zum Vergleich: Frischer Schnee besitzt einen Albedowert von 0,8 bis 0,9 - reflektiert also bis zu 90 Prozent des Sonnenlichts.


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Diesen Reflexionsgrad wollen die FOREO-Forscher erhöhen und erläutern, dass bereits eine Transformation eines vergleichsweise kleinen Teiles der Mondoberfläche, eine Erhöhung des reflektierten Sonnenlichts in Richtung Erde zur Folge haben könnte. "Wenn dieser Prozess auch nur auf 0,1% der Mondoberfläche - also auf einer Fläche die in etwa dem Staatsgebiet der Schweiz entspricht - durchgeführt würde, könnte damit eine Steigerung um bis zu 80% des gewünschten Effekts erzielt werden."


Der Vorteil hellerer Nächte, so die Visionäre des Instituts, wäre "eine weltweite stark verminderte Abhängigkeit vom nächtlichen Straßenlicht". All jenen, die auch angesichts dieses Arguments zunächst vielleicht schmunzeln, rechnen die Forscher die potentielle Möglichkeit einer drastischen Reduzierung des globalen Energie- und CO2-Verbrauchs nach Sonnenuntergang wie folgt vor:


- Zahlreiche Länder wenden bis zu 40% ihrer Energiekosten für Straßenbeleuchtung auf: In Großbritannien gibt es 7,5 Millionen Straßenlichter, die 840 Millionen US-Dollar kosten. Gesamteuropa gibt pro Jahr 13 Milliarden US Dollar für Straßenbeleuchtung aus. 1 Straßenlicht = 120kg CO2 pro Jahr - in den USA gibt es 30 Millionen Straßenlichter. Die USA produziert 3,6 Millionen Tonnen CO2 Emissionen jährlich durch die Straßenbeleuchtung Europa setzt durch das Betreiben der Straßenlichter über 40 Millionen Tonnen CO² pro Jahr frei (das entspricht der Emission von 20 Millionen Autos).


"Denken Sie daran, wie viel Stromkosten sich der Einzelne, sowie gesamte Nationen sparen könnten und wie groß der positive Einfluss auf die Weltwirtschaft wäre. Denken Sie darüber hinaus daran, wie viel weniger CO2 wir in die Atmosphäre freisetzen würden und was dies für einen Effekt auf unsere Umwelt und die globale Erwärmung hätte - alles nur durch die Einsparungen der Straßenlichter."


Von elektrischem Licht erhellte nächtliche Erde. | Copyright: NASA

Zugleich gestehen die Forscher aber auch ein, dass es einige Punkte gibt, die es vor einer Umsetzung der Vision zu bedenken gäbe - nennen aber zugleich aber auch schon Lösungen für die Probleme:


So solle etwa der Prozess über einen Zeitraum von rund 30 Jahren nach und nach vorangetrieben werden, um Mensch und Umwelt die Möglichkeit zu geben, sich schrittweise an die Veränderung anzupassen.


Die Zusätzlich durch diese Veränderung herbeigeführte Hitze bzw. Erwärmung der gesamten Erdtemperatur halten die Forscher zudem für unerheblich und verweisen auf den Umstand, dass das heutige Mondlicht rund 10.000 Mal schwächer sei als das Licht der Sonne. "Der Einfluss dürfte zu gering sein, um die Erdtemperatur zu erhöhen, aber die Untersuchungen diesbezüglich werden fortgeführt."


Auch gegenüber den sich ob dieser Vision schon die Haare raufenden Astronomen und Sternenfreunden, geben die Projektköpfe eine vermeintliche Entwarnung und erklären, dass obwohl natürlich eine Zunahme der nächtlichen Lichtstärke zu einer größeren sogenannten Lichtverschmutzung führen würde, sich der entsprechende Beobachtungen einschränkende Effekt wohl nur während der Vollmondphasen auswirken würde. Da in anderen Mondphasen das Sonnenlicht schwächer reflektiert werde, sollten also in klaren Nächten auch die Sterne weiterhin "gut sichtbar sein". Weitere Studien seien jedoch notwendig, um "alle erwähnten Risiken und mögliche Konsequenzen (zu) untersuchen."


In nächsten Schritten wollen die Forscher nun die für das Projekt aufgebrachten Mittel für Machbarkeits-Tests und weitere Forschung verwenden. Hierzu habe man "verschiedene, vielversprechende Methoden entwickelt, um die Mondoberfläche zu transformieren, die noch weitergehend untersucht werden müssen. Zahlreiche Machbarkeits-Tests werden durchgeführt, um die genaue Methode des Prozesses zu bestimmen. Außerdem soll ermittelt werden, welche der Lösungen die kosteneffizienteste und am leichtesten durchführbare ist."


Aufgrund des frühen Projektstadiums, von Patentrechtsfragen und anderen Punkten, sei es dem FOREO Institut derzeit "nicht möglich genaue Details des Transformationsprozesses zu veröffentlichen". Gegenüber Medienvertretern erklärte das Unternehmen jedoch, man wolle die bereits auf dem Mond vorhandenen Materialien - also den Mondboden - nutzen.


Ginge alles nach den Plänen der FOREO-Visionäre, so könnte schon 2020 eine erste Mission zum Mond starten. Danach sollen alle drei Jahre ein neuer Rover zum Mond transportiert werden, um die notwendigen Arbeiten durchzuführen und diese bis 2040 abzuschließen. Danach müsse das transformierte Areal weiterhin gewartet werden (s. grafischer Zeitplan).


Angeblich, so behauptet das die Firma, habe man mittels 9544 Projektunterstützern 38.355.775 Euro an Geldern zusammengetragen. Wer diese Unterstützer sind, verrät FOREO indes nicht.



Schaubild zum anvisierten Zeitplan. | Copyright/Quelle: foreo.com

Bis zur Umsetzung der Aufhellung des Mondes ist das Unternehmen um eine möglichst weitreichende Produktplatzierung des ebenfalls vom Institut neuentwickelten Gesichtsreinigungsgeräts bemüht. Der Name des Produkt dürfte vor dem Hintergrund "Brighter Moon"-Projekts indes kein Zufall sein und lässt schnell auch an eine ausgeklügelte Werbekampagne denken: "LUNA"...


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