Mittwoch, 19. November 2014

Synästhesie: Buchstaben-als-Farben-Sehen kann erlernt werden - und Intelligenz erhöhen?


Führt farbiges Buchtsbabenspielzeug zu Synästhesie? | Copyright/Quelle: sussex.ac.uk

Brighton (England) - Etwa einer von 23 Menschen ist in der Lage, einige seiner Sinne sozusagen miteinander derart zu koppeln, dass er beispielsweise bestimmte Zahlen oder Buchstaben automatisch als Farben wahrnimmt, bestimmte Wörter schmecken kann oder Töne wiederum mit unterschiedlichen Farben assoziiert. Man spricht dann von Synästhesie. In einer aktuellen Studie haben britische Wissenschaftler nun gezeigt, dass diese Fähigkeit auch noch von Erwachsenen erlernt werden kann. Wie sich zeigt, könnte dieser Prozess sogar den jeweiligen Intelligenzquotienten erhöhen.

Wie die Forscher um Dr. Daniel Bor und Dr. Nicolas Rothen von der University of Sussex aktuell im Fachjournal "Scientific Reports" (DOI: 10.1038/srep07089) berichten, handelt es sich bei der Synästhesie um einen immer noch weitgehend unverstandenen neurologischen Zustand. Schon seit vielen Jahren diskutieren Neurologen darüber, ob dieser "Zustand" bereits in unseren jeweiligen Genen verankert ist oder ob er von bestimmten Umwelteinflüssen hervorgerufen und ausgelöst wird - beispielsweise Kleinkindspielzeug mit unterschiedlich gefärbten Zahlen und Buchstaben.


Für ihre Studie haben die Wissenschaftler nun ein neunwöchiges Lernprogramm für Synästhesie erstellt, um so zu überprüfen, ob dieser Zustand bzw. diese Fähigkeit auch von erwachsenen Personen ohne Synästhesie erlernt werden kann.


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Von 14 Probanden hatten nach dem Training alle Teilnehmer eine starke Buchstaben-Farben-Assoziation entwickelt, die alle Standardtests für Synästhesie erfüllte. Zudem berichteten viele Teilnehmer eine Zuordnung von Eigenschaften zu bestimmten Buchstaben. So wurde nach der Schulung beispielsweise ein X als "langweilig" oder ein W als "ruhig" beschrieben.

Ein weiteres erstaunliches Ergebnis der Studie war die Beobachtung, dass nach dem Training der IQ der Probanden um 12 Punkte im Vergleich zu vorher und zu den Teilnehmern einer Kontrollgruppe, die das Synästhesietraining nicht durchlaufen hatten, angestiegen war.


"Die wichtigsten Schlussfolgerung unserer Studie ist die, dass sie radikal neue Wege der Wahrnehmung unserer Umwelt aufzeigt und das diese schon durch einfachen, wenn auch ausführliches, Training erreicht werden kann", so Bor. "Der erzielte kognitive Schub könnte zur Entwicklung klinischer Trainingsmethoden für die Behandlung von ADHS-Kindern oder demenzkranken Erwachsenen führen."


"Man sollte zudem hervorheben, dass wir nicht behaupten, dass wir aus Nicht-Synästheten wirkliche Synästheten gemacht haben", erläutert Rothen abschließend. Als wir unsere Teilnehmer drei Monate nach der Schulung wieder untersuchten, war ihre zuvor erlernte Fähigkeit, Buchstaben assoziiert mit Farben wahrzunehmen, größtenteils wieder verschwunden. Allerdings zeigt unsere Studie, dass Synästhesie wahrscheinlich eine wichtige Entwicklungskomponente beinhaltet, die bei den meisten Synästheten schon in früher Kindheit beginnt."


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