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Dienstag, 26. Juni 2007

ARCHÄOLOGEN HINTERFRAGEN ZWECK DER „HIMMELSSCHEIBE“

Grafische Darstellung der Himmelsscheibe von Nebra | Copyright: Rainer Zenz

Zürich/ Schweiz– Nachdem erst kürzlich am 21. Juni in Wangen mit der „Arche Nebra“ der „Himmelsscheibe von Nebra“ ein eigenes Museum gewidmet wurde (wir berichteten), sorgt der Fund jetzt erneut für Schlagzeilen. Zwei Archäologen aus Ungarn und Schweden bezweifeln nun, dass es sich bei der Scheibe um einen astronomisch nutzbaren Kalender handelt.

Im Fachmagazin „Antiquity“ bezweifeln Sie die Darlegungen von Professor Wolfhard Schlosser, von Universität Bochum, wonach der 82.5° Winkel, der auf der Scheibe anhand der Bögen dargestellt wird, mit dem auf dem Breitengrad von Nebra der Weg der Sonne zwischen ihrem höchsten Stand zu Mitsommer und ihrem Tiefststand im Winter abgelesen werden konnte und die rund 3600 Jahre alte Scheibe somit zu den ersten astronomischen Kalendern überhaupt zählen würde.

In der aktuellen Studie, so berichtet die BBC, zweifeln Emilia Pasztor vom Matrica Museum im Ungarn und Curt Roslund von der Universität Göteborg genau diese Verwendung an: „Hierfür sehen wir keinerlei beweise vorliegen“, so Roslund gegenüber der BBC. Vielmehr glauben die Archäologen anhand der exakten Darstellung himmlischer Merkmale an eine symbolhafte Bedeutung und eine rein rituell-schamanische Nutzung der Scheibe.

Dem widersprechen jedoch nicht nur Schlossers Kollegen wie beispielsweise Ernst Pernicka von der Universität Tübingen der auf der Scheibe die vier wichtigen Jahreseckpunkte markiert und ablesbar.

Unsere Lesetips zur Himmelsscheibe:

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Kritiker einer astronomischen Deutung verweisen auf Ungereimtheiten, die bislang nicht ausreichend erklärt werden können. So hätte ein Goldschmied mit derartigen Fertigkeiten wohl kaum die am Himmel nur vergleichsweise schwer auszumachenden Plejaden dargestellt, stattdessen aber die markanten Sternbilder des Orion oder Pegasus gänzlich übersehen und ausgelassen.

Der Astronom Ralph Hansen von der Universität in Hamburg glaubt hingegen, die Scheibe sei zur Berechnung des Ausgleichs zwischen Sonnen- und Mondkalender genutzt worden. In alten Babylonischen Texten fand er eine Gleichung, wonach ein 13. Monat immer dann dem Mondkalender hinzugezählt werden solle, wenn der Mond in jener Konstellation zu sehen sei, wie sie eben auf der Himmelsscheibe zu sehen sei.

Hansen sieht seine Theorie auch durch die auf der Scheibe dargestellten Zahlen bestätigt: Zu sehen sind 32 „Sterne“ die zusammen mit dem Mond 33 Objekte ergeben und 33 Mondjahre entsprechen wiederum 32 Sonnenjahren.

All die auf der Scheibe dargestellten astronomischen Angaben könnten also für die Bauern der Bronzezeit wichtige Informationen für Aussaht und Ernte geliefert haben.

Kritik ganz anderer Art kommt auch aus anderen Reihen: Weiterhin hält etwa Professor Peter Schauer von der Universität Regensburg die schiebe schlichtweg für eine Fälschung. Hinweise auf die Patina als Altersnachweis des auf spektakuläre Weise sichergestellten Fund angeblicher Raubgräber, lässt er nicht gelten. Man müsse eine entsprechend angefertigte Bronzescheibe nur etwa mit Urin behandeln, diese für einige Wochen im Boden vergraben und erhalte die gleiche Patina. Zudem finde sich auf den unterschiedlichen Teilen der Scheibe auch unterschiedliche Patina.

Eine „Informationssammlung rund um die Himmelsscheibe“ finden Sie HIER.

Quellen: bbc.co.uk / antiquity.ac.uk / himmelsscheibe-von-nebra.com

Weitere Meldungen zum Thema:
EIN MUSEUM FÜR DIE HIMMELSSCHEIBE - "Arche Nebra" öffnet morgen ihre Tore, 20. Juni 2007

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