Freitag, 25. Januar 2008

Forscher erschaffen erstmals komplette künstliche DNA

Das künstlich hergestellte Genom des Bakterium Mycoplasma genitalium | Copyright: jcvi.org

Rockville/ USA - Wissenschaftlern des J Craig Venter Institute im US-Bundesstaat Maryland ist es erstmals gelungen, das vollständige Erbgut eines Bakteriums künstlich zu erschaffen. Experten weltweit feiern den Durchbruch als großen Schritt zur Schaffung künstlicher Lebewesen - Kritiker warnen vor den möglichen Auswirkungen.

Im Wissenschaftsmagazin Science hat das Team um den Nobelpreisträger Hamilton Smith seine Forschungsergebnisse jetzt veröffentlicht. Mit der Erschaffung des Genoms des Bakteriums Mycoplasma genitalium sei "die vorletzte Etappe" auf dem Weg zur Schaffung künstlichen Lebens erreicht - ein Ziel, dass der Institutsleiter Venter bereits seit Jahren verfolgt.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
>>> HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen <<<

Schon im vergangenen Jahr ist es Venters Forschern gelungen, das Genom eines Bakteriums in ein anderes einzusezten. Gelänge es den Wissenschaftlern beide Schritte jetzt noch miteinander zu kombinieren könnte tatsächlich das erste künstlich erschaffene Lebewesen in Form eines Bakteriums entstehen. Solche Bakterien, so Venter, könnten dann dazu genutzt werden "Menschheitsprobleme" zu lösen. So könnten maßgeschneiderte Mikroben beispielsweise den Klimakiller CO2 vertilgen.

Der Spiegel zitiert Venter, der auf einem Kongress in München erklärte, der Klimawandel sei eine viel größere Bedrohung für die Menschheit als die Gentechnik: "Wir können die Umwelt durch gezielte Gestaltung verändern." Das Leben, so Venter weiter, sei nichts anderes als eine "Maschinerie. Indem wir lernen, diese zu beeinflussen, werde sie zu Technologie". Künstliche Mikroorganismen könnten etwa auch Medikamente produzieren oder günstigen Biotreibstoff herstellen, so der Spiegel.

Bücher zum Thema:

- - -


Die Kritiker von Venter fordern jedoch schon jetzt scharfe Kontrollen für den Fall, dass Venters Visionen Realität werden sollten. Von der künstlichen Herstellung komplexer Tierarten oder gar von Menschen, wären die Forscher jedoch immer noch weit entfernt. Das jetzt kopierte Bakterium besitzt schließlich das kleinste bekannte Genom aller Zellen, die sich unabhängig reproduzieren und im Labor kultiviert werden können. Es umfasst 580.076 Basenpaare; Das menschliche Genom besteht hingegen aus über drei Milliarden Basenpaaren.

HIER finden Sie die original Pressemeldung des J. Craig Venter Institute

Der Umstand, dass die Forscher nicht auch schon den nächsten Schritt, die Einpflanzung des Genoms in eine reproduktionsfähige Zelle, durchgeführt haben, läßt Kritiker spekulieren, dass das kopierte Genom nicht lebensfähig sei. Tatsächlich räumen die Autoren der Studie diese möglichkeit in ihrer Science-Publikation selbst ein. Hellen Wallace von der kritischen Organisation GeneWatch kommentiert: "Venter ist nicht Gott. Er ist weit davon entfernt, leben zu erschaffen.

Quellen: jcvi.org / science.com / spiegel.de / grenzwissenschaft-aktuell.de

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA:

Bio-Patente: Die Globale Bedrohung
, 5. Dezember 2007
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE