https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de


Samstag, 17. Mai 2008

Kröten warnten vor China-Erdbeben

Plötzliche massenhafte Krötenwanderung in Mianyang | Copyright: Julien Pain/observers.france24.com

Taizhou/China - Schon seit langem gilt das verhalten von Tieren als Indikatoren für bevorstehende Naturkatastrophen. Erst 2004 flüchteten Elefanten auf Sri Lanka kurz vor dem Tsunami von den Küsten ins Landesinnere und nur wenige Menschen taten es ihnen gleich. Auch zwei Tage vor dem starken Erdbeben in Südwestchina zeigten Tausende von Kröten ein auffallendes Fluchtverhalten, dem jedoch kaum jemand Beachtung schenkte.

Die Kröten begannen plötzlich fluchtartig eine Brücke bei Taizhou in der Provinz Jiangsu zu überqueren. Zahlreiche Beobachter zeigten sich besorgt, jedoch reagierten die Behörden in keinster Weise. Auch über das plötzliche Verschwinden eines ganzen Sees nahe Enshi in der Provinz Hubei noch am 26. April, schienen weder Behörden noch Wissenschaftler zu besorgt zu sein.

Das Journalistenteam um Julien Pain vom Nachrichten-Blog-Projekt "Observers.France24.com" erklärt, dass es in früheren Zeiten in China unter Bauern Tradition war, anhand des Verhaltens von Tieren Naturkatastrophen vorherzusagen.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
>>> HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen <<<

Bereits seit der Antike wurde derartiges Verhalten von Tieren immer wieder berichtet und überliefert. So zählte der griechische Naturforscher Plinius der Ältere, das unruhige Verhalten von Vögeln zu den vier Erdbeben-Vorzeichen.

Helmut Tributsch, Professor für physikalische Chemie an der Freien Universität Berlin, beschäftigt sich seit Jahren mit diesem Phänomen und hat seine Erkenntnisse zum Thema im Buch "Wenn Schlangen erwachen" zusammengefasst. Auch der Titel bezieht sich auf die ein Ereignis in der Stadt Haicheng im Februar 1975. Damals erwachten die Schlangen der Gegend vorzeitig aus ihrem Winterschaf und flohen vor einem wenige Tage später einsetzenden Beben. Damals hatten Anwohner und Wissenschaftler das Verhalten der Schlangen richtig gedeutet, entsprechende Untersuchungen durchgeführt und daraufhin die Stadt rechtzeitig Räumen lassen, bevor sie von dem Beben zerstört wurde.

Basierend auf der Auswertung zahlreicher ähnlicher Beobachtungen kommen Forscher wie Tributsch zu dem Schluss, dass besonders Höhlenbewohner wie Schlangen, Nagetiere und Fledermäuse rund 20 Stunden zuvor Beben ab Stärken von über 6,5 ihr Verhalten drastisch ändern.

Bücher zum Thema:

- - -


Was jedoch andere Tiere, wie etwa die südasiatischen Elefanten 2004 zur Flucht trieb, bleibt weiterhin ein Rätsel für die Wissenschaft. Eine von zahlreichen Theorien glaubt, dass durch die sich aufbauende Reibung und der Druck im Gestein elektrische Ströme entstehen, von denen bereits bekannt ist, dass sie das bekannte Wetterleuchten auslösen können. Das in kleinsten Ritzen im Fels sitzende Wasser könne dadurch zersetzt werden und als positiv geladene Aerosole bei den Tieren den Angstbotenstoff Serotonin auslösen. Eine andere Theorie erklärt das Fluchtverhalten der Dickhäuter mit deren Fähigkeit, über ihre Fußsohlen Infraschall wahrnehmen zu können. Auch andere exotische Wahrnehmungsorgane, wie etwa die Infrarotsensoren von Echsen und Insekten, oder der das erkennen des Erdmagnetfeldes bei Zugvögeln und die Fähigkeit der Gaswahrnehmung könnte die frühzeitigen Ahnungen der Tiere erklären helfen und den Wissenschaftlern als nützliches Frühwarnsystem dienen - wenn man nur aufmerksam beobachten und entsprechend reagieren würde.

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / observers.france24.com / spiegel.de / wikipedia.de
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE