Private Daten | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.deLondon/ Großbritannien - Geht es nach dem Willen der britischen Regierung, so sollen zukünftig sämtliche Telefonate, SMS-Nachrichten, E-Mails und die Nutzung des Internets zentral überwacht werden. Zur technischen und personellen Umsetzung dieses Vorhabens werden mehr als 12 Milliarden Pfund benötigt.
Neben der totalen Überwachung der Kommunikationsmedien, sollen die Daten auch in einer gigantischen Datenzentrale auf bislang unbestimmte Zeit gespeichert werden. Vertreter des umstrittenes Plans loben das Vorhaben als umfangreichstes Werkzeug im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Kritiker sehen darin düsterste Zukunftsszenarien wahr werden und warnen vor der totalen Überwachung der Bürger.
Laut der englischen Tageszeitung "Daily Telegraph" habe das britische Innenministerium erklärt, dass noch keine endgültige Entscheidung gefallen sei, dass die Live-Überwachung jedoch ein notwendiges Mittel zur Vereitelung terroristischer Pläne sei.
Alleine im Vereinigten Königreich, so erwarten es laut dem "Telegraph" die Experten, werde sich das jährliche Telekommunikationsaufkommen von bislang über 230 Milliarden bis 2016 auf 450 Milliarden Einheiten erhöhen. Im vergangenen Jahr schrieben die Briten rund 57 Milliarden SMS - was 1.800 Kurznachrichten pro Sekunde entspricht. Im Vergleich dazu waren es 1999 gerade einmal eine Milliarde pro Jahr. Auch die Breitbandverbindungen ins Internet sind von 330.000 im Jahr 2001 auf 18 Millionen im vergangenen Jahr gestiegen. Mittlerweile versenden britische Internetnutzer drei Milliarden E-Mails pro Tag - also 18 Millionen in jeder Sekunde.
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Mit ein Grund für einen zentralen Datenbunker sehen die Fürsprecher des geplanten Projekts in der bisherigen Speicherung der Daten in hunderten unterschiedlicher Datenspeicher der unterschiedlichen Netzanbieter und Kommunikationsunternehmen. Diese sind bislang dazu verpflichtet, gewünschte Daten an Polizei und Behörden weiterzuleiten. Alleine im vergangenen Jahr gab es eine halbe Million derartige Datenabfragen von Seiten der Behörden und Geheimdienste.
In der europäischen Union versucht die "Richtlinie über die Vorratsdatenspeicherung", die unterschiedlichen nationalen Vorschriften der EU-Mitgliedsstaaten zur Speicherung von Telekommunikationsdaten auf Vorrat zu vereinheitlichen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Daten für einen bestimmten Zeitraum zum Zweck der Ermittlung und Verfolgung von schweren Straftaten aufbewahrt werden.
Bücher zum Thema:
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In Deutschland wurde sie Ende 2007 umgesetzt und als "Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen sowie zur Umsetzung der Richtlinie 2006/24/EG" von der Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD am 9. November 2007 gegen die Stimmen von FDP, Grüne und Linke beschlossen. Sechs Monate lang müssen demnach sämtliche Telekommunikationsdaten, zu Telefongesprächen, E-Mails und Internetnutzung gespeichert werden. Bei Handy-Telefonaten und SMS wird zudem auch der jeweilige Standort des Benutzers festgehalten. Unter diese Regelung fallen auch Anbieter von Anonymisierungsdiensten, da auch sie als Telekommunikationsunternehmen gelten.
Kritiker, wie der "Arbeitskreis gegen Vorratsdatenspeicherung" ermahnen, dass mit Hilfe der über die gesamte Bevölkerung gespeicherten Daten Bewegungsprofile erstellt, geschäftliche Kontakte rekonstruiert und Freundschaftsbeziehungen identifiziert werden können. Auch Rückschlüsse auf den Inhalt der Kommunikation, auf persönliche Interessen und die Lebenssituation der Kommunizierenden würden somit ermöglicht. Zugriff auf die Daten erhalten Polizei, Staatsanwaltschaft und ausländische Staaten, die sich davon eine verbesserte Strafverfolgung versprechen.
Weitere Information zur europäischen "Richtlinie über die Vorratsdatenspeicherung" finden Sie HIER
>>>WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA<<<
England: Tägliche Überwachung total, 18. August 2008
EU-Untersuchung: Unsichtbare Marker durch Marken-Laserdrucker, 20. Februar 2008
England: Tägliche Überwachung total, 18. August 2008
EU-Untersuchung: Unsichtbare Marker durch Marken-Laserdrucker, 20. Februar 2008
Quellen: telegraph.co.uk / grenzwissenschaft-aktuell.de
