Freitag, 12. Dezember 2008

Google Earth: Moderne Geoglyphe auf Lanzarote entdeckt

Satellitenbild des pfeilartigen Bodenbildes am Fuße der Los Ajaches im Südosten Lanzarotes | Copyright: Google Earth

Arrecife/ Spanien - Auf neusten Aufnahmen von Google Earth ist im Südosten der Kanareninsel Lanzarote, in der Nähe des Barranco de la Higuerre am Fuße des Gebirgszuges Los Ajaches ein rund 100 Meter langes, künstlich erschaffenes Bodenbild zu erkennen. Woher diese Geoglyphe stammt, ist bislang noch unbekannt.

Kontrastverstärkte Detailansicht | Copyright: Google Earth

Zu Beginn der Entdeckung wurde auf unterschiedlichen Internetseiten darüber spekuliert, ob es sich um eine bislang unbekannte Scharrzeichnung der Guanchen handeln könnte. Diesen Spekulationen widerspricht der Kanaren-Experte Prof. Harald Braem (Auf den Spuren der Ureinwohner - Ein archäologischer Reiseführer für die Kanaren) gegenüber "grenzwissenschaft-aktuell.de" und erklärte, dass "auf den Kanaren keinerlei große Zeichen bekannt (sind), wie sie z. B. in Südamerika (Bsp.: Nazca, Peru) vorkommen." Wie auch anderen kontaktierten Kennern der Insel und ihrer Kultur, darunter auch Carlos Müller (Die kanarischen Inseln - Reisen durch die Zeit), war auch Braem das Bodenmuster bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt.

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Weitere Recherchen der Redaktion ergaben, dass das Muster nicht nur auf den "Google Earth"-Aufnahmen (die hier auf 2008 datiert werden), zu sehen ist, sondern mindestens seit 2006 von verschiedenen Lanzarote-Touristen gesehen und fotografisch dokumentiert wurde.

Auch das Magazin "Esencia21" (esencia21.wordpress.com) hatte sich der Sache bereits im vergangenen Oktober angenommen und von Google Earth unabhängige Satellitenbilder der Insel überprüft. Dabei zeigte sich, dass das Bodenbild der Los Ajaches auf Satellitenaufnahmen der Online-Karten des Sistema de Información Geográfica de parcelas agrícolas (SIGPAC) des spanischen Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Meer (MAPA), die - anhand abgebildeter baulicher Maßnahmen an anderen Orten der Insel ersichtlich - maximal fünf Jahre alt sein können, noch nicht vorhanden war.

SIGPAC-Kartenausschnitt (vgl. obiges Satelitenbild v. Google Earth) | sigpac.mapa.es

Es ist also ausgeschlossen, dass es sich um ein altes und somit archäologisch und kulturhistorisch bedeutendes Scharrbild, sondern um eine moderne Geoglyphe handelt, die erst in den vergangenen Jahren entstanden sein muss und entdeckt wurde.

Das pfeilartige Muster aus der Bodenperspektive | Copyright: Uwe Schwitzgäbel/grenzwissenschaft-aktuell.de

Kontrastverstärkte Detailansicht der Bodenperspektive | Copyright: Uwe Schwitzgäbel/grenzwissenschaft-aktuell.de

Geometrisch handelt es sich um ein nahezu exakt 100 Meter langes Pfeilgebilde (Position mittig: 28°53'59.65'' N - 13°44'51.65'' W), dessen Spitze - virtuell verlängert - nach rund 9,4 Kilometern die Uferstrasse Las Playas von Puerto del Carmen kreuzt, danach im Atlantik verschwindet und später auf die Küste Markos trifft. Bislang sind keine weiteren besonderen landschaftlichen oder kulturhistorischen Merkmale bekannt, die auf dieser Linie liegen, bzw. auf die der Pfeil ausgerichtet sein könnte Auch weist er nicht exakt gen Osten. Ein möglicher lokal geografischer Bezugspunkt (etwa Sonnenaufgang zu einem bestimmten Datum), müsste anhand der Gegebenheiten vor Ort untersucht werden. Nahaufnahmen aus der Bodenperspektive zeigen, dass sich das Muster von der sonstigen Umgebung dadurch abhebt, dass es, wie Scharrbilder, leicht in den Boden gegraben scheint und die Flächen von dem üblichen Gestein und Boden wahrscheinlich bis aus wenige Zentimeter Tiefe geräumt wurden.

Auch bei den lokalen Einwohnern ist die Existenz des Bodenmusters nur wenig bekannt. Einige vermuten, dass es das Werk von "esoterischen Deutschen" stammen könnte - eine Zuordnung, die jedoch bislang nicht anhand konkreter Fakten belegt werden konnte. Viele Beobachter sehen ein derartige Einschätzung jedoch auch durch die Form des Musters bestätigt, die von vielen als "sehr neuzeitlich" oder als "modernes Ethno-Tribal" empfunden wird. Andere sehen wiederum zumindest formelle Ähnlichkeiten mit Kornkreisen aber auch mit archetypischen, piktogrammartigen Mustern frühgeschichtlicher Fels- und Höhlenmalereien. Auch Professor Braem glaubt am ehesten, dass es sich im weitesten Sinne um eine Form moderner Landschaftskunst handelt.

Wie auch immer die moderne Geoglyphe entstanden ist - ihre Herkunft und Bedeutung sind bis heute immer noch unbekannt.

Aufruf an unsere Leser: Sollten Sie faktischen und sachdienliche Informationen und Hinweise über die Geoglyphe von Lanzarote, ihre Herkunft, Entstehung und Sinn haben, würden wir uns freuen, von Ihnen zu hören. E-Mails bitte an die Redaktion: redaktion@grenzwissenschaft-aktuell.de



Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / infolanzarote.de / haraldbraem.de / carlos-mueller.de / Google Earth / esencia21.wordpress.com
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
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