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Dienstag, 24. Februar 2009

Astro-Sensation: Erdteleskop liefert schärfstes Farbbild einer fernen sterbenden Sonne

Das bislang genaueste Bild eines entfernten Sterns: "T Leporis" | Copyright: eso.org

Cerro Paranal/ Chile - Mit dem Interferometer des Very Large Telescope (VLTI) der Europäischen Südsternwarte in Chile (ESO) ist französischen Astronomen das schärfste und größte direkte Farbfoto eines fernen Sterns gelungen. Die neue Teleskoptechnik übertrumpft damit sogar Groß- und Weltraumteleskope wie Hubble um ein Vielfaches.

Das neue Aufnahmeverfahren erlaubt es den ESO-Forschern Sterne abzubilden, die 15 mal kleiner sind als jene, die das Weltraumteleskop Hubble darstellen kann.

Am Himmel erscheint der Stern "T Leporis" zwar klein und unscheinbar, doch mit dem Interferometer der Südsternwarte in der chilenischen Atacama-Wüste, das mittels zusammen geschalteter kleinerer Teleskope die Leistungsfähigkeit eines 100 Meter durchmessenden Teleskops erreicht, erweist er sich als alternde Mega-Sonne, die zudem von einer schalenförmigen Wolke aus Molekülen und Staub umgeben ist.

Konzept des VLTI an der Europäischen Südsternwarte | Copyright: eso.org

Das Team um Jean-Baptiste Le Bouquin zeigt sich anhand der Aufnahme fasziniert von der neuen Technik. Die Größe des mittels der optischen Interferometrie erzeugbaren virtuellen Teleskops, das das von den Einzelteleskopen eingefangene Licht zu einem Bild bündelt, hängt lediglich von dem Abstand der Komponenten zueinander ab. An der europäischen Südsternwarte beträgt der somit erzielte Durchmesser rund 100 Meter.

"T Leporis" (u.) im Größenvergleich zu unsere Sonne (o.) mit markierter Umlaufbahn der Erde | Copyright: eso.org

Das dabei entstandene Bild von "T Leporis" ist bislang einzigartig. Bislang konnte das Aussehen des alternden Sterns anhand von theoretischen Modelle nur geschätzt werden. Obwohl die Aufnahme nur 15 x 15 Pixel groß ist, konnte eine extreme Großaufnahme des 500 Lichtjahre entfernten Sterns im südlichen Sternbild Lepus (Hase) rekonstruiert werden. "T Leporis" ist etwa 100 mal größer als unsere Sonne und hat somit einen Durchmesser, der nahezu dem Abstand zwischen Sonne und Erde, also einer Astronomischen Einheit (AE), entspricht. Umgeben ist der Stern von einer Atmosphäre aus molekularem Gas, die wiederum etwa drei mal so groß ist.

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"T Leporis" zählt zur Familie der Mira-Veränderlichen Sterne. Diese variablen Riesensterne haben bereits die Mehrheit ihres Brennstoffes aufgezehrt, verlieren zusehends an Masse, befinden sich somit am Ende ihres Sternenlebens und stehen somit "kurz" davor ihre Hülle abzustoßen und zu einem Weißen Zwerg zu werden. Auch unsere Sonne wird in ferner Zukunft von mehreren Milliarden Jahren in ähnlicher Form vergehen. Mira-Sterne gehören zu den größten Erzeugern von Molekülen und kosmischem Staub im ganzen Universum. Auch "T Leporis" pulsiert mit einer Periode von 380 Tagen und verliert dabei jährlich die Masse unsere Erde - einen Prozess, der anhand der Molekül-Blase, die den Stern umgibt, sichtbar wird.

Ein erstes Meisterwerk der ESO-Interferomter-Fotografie gelang dem ESO-Team um Stefan Kraus und Gerd Weigelt vom Max-Planck Institut in Bonn. Es zeigt Theta1 Orionis C im Trapez des Orionnebels. Anhand der Aufnahmen erkannten die Forscher zum ersten Mal, dass es sich hier tatsächlich um einen Doppelstern handelt. Die gelieferten Daten waren hinzu derart genau, dass sogar die Umlaufbahn, Masse und Distanz des Sternpaares berechnet werden konnte: Beide von der Erde etwa 1350 Lichtjahre entfernte Sterne besitzen demnach rund 47 Sonnenmassen.

"Theta1 Orionis C" im neuen Licht der Interferometrie. (Zur Ansicht der Originalgröße, klicken Sie bitte auf das Bild) | Copyright: eso.org

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / eso.org

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