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Sonntag, 22. Februar 2009

Zahi Hawass fordert Rückgabe der Nofretete

Die Büste der Nofretete im Berliner Ägyptischen Museum | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de

Kairo/ Ägypten - Schon seit längerer Zeit vermutet der Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung Zahi Hawass, dass die Büste der Nofretete, wie sie heute im Ägyptischen Museum zu Berlin zu sehen ist, 1913 unter Vorgabe falscher Tatsachen und somit unrechtmäßig nach Berlin gelangte. Ein jetzt veröffentlichtes historisches Dokument scheint diese Vermutung zu stützen. Berlin sieht das erwartungsgemäß ganz anders.

Neue Nahrung fanden Hawass' Vermutungen durch ein von der Deutschen Orient-Gesellschaft (DOG) bislang verheimlichtes Schriftstück, das vom "Spiegel" veröffentlicht wurde, und über heikle Details berichtet, wie die altägyptische Büste der Nofretete einst nach Berlin gelangte.

"Verfasst wurde das Dokument 1924 vom damaligen DOG-Sekretär, der beim Feilschen im Wüstensand dabei war. 'Am 20. Januar 1913', so der Augenzeuge, trafen sich der Grabungschef Ludwig Borchardt und der Antikeninspektor Mittelägyptens, Gustave Lefébvre, im deutschen Expeditionshaus in Amarna, um alle frisch entdeckten Artefakte vertragsgerecht 'à moitié exacte' (nach genau gleichen Hälften) aufzusplitten. Borchardt, so der Beobachter, 'wollte die Büste für uns retten'. Deshalb habe er dem Kontrolleur 'nicht die vorteilhafteste Fotografie' der Nofretete vorgelegt. Das Original lag bereits verpackt in einer Kiste mit offenem Deckel, vor die der Prüfer sodann 'nicht gerade in bester Beleuchtung' trat. Ob der Vertreter Ägyptens sich die Mühe machte, das Stück herauszuheben, ist unklar. Um den Inspektor weiter zu täuschen, behauptete Borchardt im Protokoll, die Figur sei aus 'Gips' - in Wahrheit hat sie einen Kalksteinkern mit Stucküberzug. Das Urteil des Zeugen: 'eine Vermogelung des Materials'", so die Spiegel-Meldung.

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Auf Anfrage hin bestätigte die DOG die Existenz des alten Übergabeberichts, hält aber daran fest, dass die Fundteilung in Amarna einst unter "fairen Umständen" ablief. "Die Nofretete stand an erster Stelle auf der Tauschliste. Der Inspektor hätte sich damals alles genau ansehen können", betont ein Sprecher der Gesellschaft. "Jetzt an dem damaligen Geschäft herumzunörgeln ist nicht statthaft."

Gerade auf derartige Beweise im Fall Nofretete hatte Zahi Hawass jahrelang gewartet und erklärt, diesmal es ernst zu meinen. Sollten die entsprechenden Dokumente echt sein, werde er "Nofretete heim holen".

Bereits zuvor hatte die deutsche Bundesregierung frühere Rückgabeforderungen immer wieder abgelehnt, zuletzt vor zwei Jahren, als Kairo die Büste als Leihgabe anforderte, Berlin dies jedoch unter Berufung auf die aufgrund ihres hohen Alters transportunfähige Büste, ablehnte. Hinter vorgehaltener Hand wurde vermutet, dass Berlin befürchtet haben soll, die Nofretete nicht mehr zurück zu bekommen.

Auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), dem die Plastik gehört, wies den aktuellen "Spiegel"-Bericht zurück: "Die Behauptung, die Fundteilung im Jahr 1913 sei nicht ordnungsgemäß vonstatten gegangen, 'ist falsch', erklärte die SPK. Der Archäologe habe keineswegs versucht, Gustave Lefebvre zu täuschen, der damals als Inspekteur der ägyptischen Altertümerbehörde im Grabungshaus in Amarna erschienen sei. Die archäologischen Fundstücke seien, wie damals üblich, anhand von Fotos und 'genauen Stichproben an den Originalobjekten' 50:50 aufgeteilt worden. Mit anderen Worten: Da Lefebvre übersah, wie bedeutend die Büste ist, steht sie heute in Berlin im Museum und nicht in Kairo", so der "Spiegel" in einem Folgebericht.

Derzeit bemüht sich Hawass das Schreiben von 1924 selbst prüfen und in Augenschein nehmen zu können: "Diese Enthüllung ist, wenn sie denn stimmt, eine großartige Nachricht, die unserer Sache dienen wird."

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Quellen: spiegel.de / grenzwissenschaft-aktuell.de
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