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Mittwoch, 15. Juli 2009

Neue Temperaturkarte legt einstige Ozeane und Vulkane auf der Venus nahe


Animierte künstlerische Interpretation von Vulkanismus auf der frühen Venus | Copyright: ESA - AOES Medialab

Münster/ Deutschland - Mit der europäischen Sonde "Venus Express" haben Wissenschaftler der ESA die erste Infrarot-Karte der südlichen Venushemisphäre erstellt. Diese legt nahe, dass die "höllische Schwester der Erde", auf der heute Oberflächentemperaturen von bis zu 497 Grad Celsius herrschen, einst sehr viel erdenähnlicher war, aktiven Vulkanismus und Wasserozeane hatte.

Da der Planet von einer dichten Wolkendecke eingehüllt ist, ist es nicht möglich, die Oberfläche mit normalen Kameras direkt aus dem All zu fotografieren. Mit dem speziellen Infrarotinstrument VIRTIS (Visible and Infrared Thermal Imaging Spectrometer) kann "Venus Express" diese Wolken jedoch durchdringen und so Infrarotbilder von der Venusoberfläche liefern, anhand derer auch Rückschlüsse auf die chemische Zusammensetzung des Oberflächengesteins gezogen werden können.

Die Ergebnisse einer Auswertung der von 2006 bis 2007 gesammelten Daten bestätigen bisherige Vermutungen, dass es sich bei den heutigen Venus-Hochländern um einstige Kontinente handelt, die vor langer Zeit auch von Wasserozeanen umflossen wurden und Vulkane hervorbrachten.

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"Hierbei handelt es sich zwar nicht um eindeutige Beweise, aber die Ergebnisse bestätigen bisherige Vermutungen. Was wir bislang zweifelsfrei wissen ist, dass das Gestein der Hochplateaus anders ist, als im Umland", erklärt Nils Müller von der "Joint Planetary Interior Physics Research Group" der Universität Münster und des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) in Berlin.

Infrarot-Temperaturkarte der südlichen Venus-Hemisphäre | ESA/VIRTIS/INAF-IASF/Obs. de Paris-LESIA

Das Gestein der Hochebenen Phoebe und Alpha Regio erscheinet im Infrarotlicht der Sonde deutlich heller als weite Teil des restlichen Planeten. Auf der Erde sind es besonders Granite, die sich derart hell abzeichnen. Granite, bilden sich wiederum, wenn wasserhaltiges Gestein der ozeanischen Kruste durch Plattentektonik in das Planeteninnere transportiert wird. Durch die Hitze schmilzt das Gestein und aufliegendes Sediment und der hohe Wassergehalt der Schmelze lässt saures Magma entstehen, das in der Erdkruste beim Erstarren Granit bildet. "Sollte es also auf der Venus Granit geben, dann muss es auch einen Ozean, Plattentektonik und Vulkanismus in der Vergangenheit gegeben haben", so Müller weiter.

Der einzige Weg, um genau herauszufinden, ob es sich bei den Plateaus tatsächlich um einstige Kontinente handelt, wäre, mit einer Landeeinheit die Oberfläche zu erkunden und zu beproben. "Nach all den Jahren hat die Venus ihr einstiges Wasser wahrscheinlich zwar ins All verloren, aber es könnte immer noch vulkanische Aktivität geben."

Allerdings zeigen die Infrarotmessungen lediglich Temperaturunterschiede von 3 bis 20 Grad Celsius, und nicht jene Extreme, die etwa auf aktive Lavaflüsse hinweisen. Doch auch wenn "Venus Express" bislang also noch keine Hinweise auf aktiven Vulkanismus finden konnte, wollen die Forscher des DLR diesen derzeit noch nicht ausschließen: "Die Venus ist ein großer Planet, der von radioaktiven Elementen in seinem innern aufgeheizt wird. Eigentlich sollte sie ebenso viel Vulkanismus aufzeigen, wie die Erde", so Müller. Tatsächlich zeigen einige Aufnahmen Gestein, welches aus dunklerem Material zu bestehen scheint und somit auf jüngere vulkanische Aktivität verweist.

Trotz der vielen noch offenen und neuen Fragen liefert die neue Infrarotkarte den Venus-Forschern ein neues Werkzeug, um den rätselhaften Schwesterplaneten der Erde besser zu verstehen, warum sich die Venus trotz ihrer großen Ähnlichkeit und Größe zur Erde derart anders entwickelt hat als der Blaue Planet.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / esa.int
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