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Samstag, 12. September 2009

Blutwunder von Neapel: Küssen der Blutreliquie wegen Schweinegrippe untersagt

Demonstration des Blutwunders 1972 | Copyright: unbek.

Neapel/ Italien - Drei Mal im Jahr hoffen sich Tausende gläubiger Christen im Dom zu Neapel auf das sogenannte Blutwunder, wenn sich das in einer Ampulle aufbewahrte angebliche Blut des Heiligen Januarius verflüssigt oder - als Unheilzeichen gedeutet, verfestigt bleibt. Höhepunkt dieser Festlichkeiten ist der Feiertag des Heiligen am 19. September, wenn es auch Brauch ist, dass die Ampulle von den Gläubigen reihum geküsst wird. In diesem Jahr ist dieser Brauch jedoch aus Angst vor der Schweinegrippe erstmals verboten.


Auf Anordnung des Erzbischofs von Neapel, so berichten die "Oberösterreichischen Nachrichten", wurde das Küssen der Ampulle mit der Blutreliquie in diesem Jahr vorerst untersagt. Allerdings sei es weiterhin erlaubt, die Reliquie mit der Stirn zu berühren.

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Laut der Legende soll die im Dom von Neapel aufbewahrte Reliquien-Ampulle das Blut des heiligen Januarius (San Gennaro) enthalten, der im Jahre 305 als Bischof von Benevent den Märtyrertod starb. Die verfestigte dunkelbraune Masse verflüssigt sich üblicherweise an drei Terminen im Jahr: Am Samstag vor dem ersten Maisonntag, am 19. September und am 16. Dezember, dem Gedächtnistag der Warnung vor dem Vesuvausbruch im Jahr 1631.

Erst im vergangenen Mai verkündete der Kurienkardinal und Erzbischof von Neapel Crescenzio Sepe seine Pläne, die Blutreliquie wissenschaftlich untersuchen zu lassen (...wir berichteten). Immer wieder sorgt die Reliquie und das damit verbundene angebliche Blutwunder für hitzige Diskussionen zwischen Gläubigen und Skeptikern. Letztere, wie beispielsweise der bekannte Kriminalbiologe Mark Benecke, der das Wunder 2004 selbst aus direkter Näher beobachten konnte, glauben, dass es sich wahrscheinlich um eine thixothropen Substanz handelt. Derartige Substanzen sind - etwa wie Ketchup - dafür bekannt, dass sie im Ruhestand fest erscheinen und sich erst durch Bewegung zu einer gallertartigen Masse verflüssigen. Mit einer Mischung aus Eierschalenkalk und Wasser könnte man, so Benecke, sehr einfach einen ähnlichen Effekt als Ergebnis einer FeCI3-Reaktion reproduzieren. Solche Stoffe und ihre Wirkung seien auch bereits im Mittelalter - als die Reliquie 1389 zum ersten Mal bezeugt wurde - bekannt gewesen.

Allerdings handelt es sich auch bei dieser Theorie - in Ermangelung weiterführender Untersuchungen des angeblichen Blutes - bislang auch nur um eine von vielen rationellen und übersinnlichen Erklärungsversuchen, denn die einzige bisherige Untersuchung im Jahr 1989
wurde lediglich mittels eines optischen Verfahrens durchgeführt. Materialproben selbst durften die Wissenschaftler damals aus Pietätsgründen gegenüber dem Stadtpatron nicht entnehmen und analysieren. Ob und wann es nun zu einer Probenanalyse kommen wird, ist bislang noch nicht bekannt.

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Quellen. grenzwissenschaft-aktuell.de / nachrichten.at
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