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Mittwoch, 7. Mai 2008

Kardinal will Januarius-Blutwunder untersuchen lassen

Demonstration des Blutwunders 1972 | Copyright: unbek.

Neapel/ Italien - Kein geringerer als Kurienkardinal und Erzbischof von Neapel Crescenzio Sepe will schon bald die Blutreliquie des Heiligen Januarius wissenschaftlich untersuchen lassen. Drei Mal im Jahr warten die gläubigen Neapolitaner darauf, dass sich das eigentlich verfestigte Blut in der Ampulle auf wundersame Weise verflüssigt. tut es das nicht, bedeutet dies Unheil für die Stadt.

Gegenüber der "Katholischen Nachrichten-Agentur" (KNA) bestätigt ein Sprecher des Erzbistums am Wochenende, dass die Kirche darüber nachdenke, eine internationale Expertenkommission mit der Untersuchung zu betrauen, die das alljährliche Phänomen der Verflüssigung analysiere solle.

Laut der Legende soll die im Dom von Neapel aufbewahrte Reliquien-Ampulle das Blut des heiligen Januarius enthalten, der anno 305 als Bischof den Märtyrertod starb. Die verfestigte dunkelbraune Masse verflüssigt sich üblicherweise an drei Terminen im Jahr: am Samstag vor dem ersten Maisonntag, am 19. September und am 16. Dezember. Auch am vergangenen Samstag wurde der Klumpen erneut flüssig.

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Bislang sei die Untersuchung zwar nur "ein Idee", doch habe der Kardinal darüber auch schon mit Papst Benedikt XVI. gesprochen.

Bereits 1989 wurde die Reliquie mittels eines optischen Verfahrens erstmals wissenschaftlich untersucht. Material selbst durften die Wissenschaftler aus Pietätsgründen gegenüber dem Stadtpatron nicht entnehmen und analysieren. Aus diesem Grund hält der Streit zwischen Gläubigen und Skeptikern darüber an, ob die Ampulle tatsächlich das Blut des Heiligen oder aber eine andere Substanz enthält.

Der Kriminalbiologe Mark Benecke konnte 2004 das Wunder aus direkter Näher beobachten und glaubt, dass es sich wahrscheinlich um einen thixothropen Stoff handelt. Diese Materialien sind – etwa wie Ketchup – dafür bekannt, dass sie im Ruhestand fest erscheinen und sich erst durch Bewegung zu einer gallertartigen Masse verflüssigen. Mit einer Mischung aus Eierschalenkalk und Wasser könnte man, so Benecke, sehr einfach einen ähnlichen Effekt als Ergebnis einer FeCI3-Reaktion reproduzieren. Solche Stoffe und ihre Wirkung seien auch bereits im Mittelalter - als die Reliquie 1389 zum ersten Mal bezeugt wurde - bekannt gewesen.

Allerdings handelt es sich auch bei dieser Theorie – in Ermangelung weiterführender Untersuchungen des angeblichen Blutes – bislang um eine von vielen rationellen und übersinnlichen Erklärungsversuchen.

Auch die italienische Skeptiker-Organisation CICAP begrüßt die Neueröffnung der Diskussion. Auch hier ist man überzeugt, dass die Erklärung für das Wunder chemischer Natur ist und hat ein ähnlich wirkendes Gemisch aus klassischen Zutaten bereits hergestellt.

Was die Kritiker jedoch bislang nicht erklären konnten ist, warum sich das Blut trotz vermeintlich gleicher Handhabung an den Feiertagen des Januarius nicht immer oder - wie beispielsweise im vergangenen September (...wir berichteten) - erst merklich verspätet verflüssigt.

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / kna.de

Bücher über religiöse Wunder und Reliquien:


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19.09.2007: Verspätetes „Blutwunder des Januarius“
, 24. September 2008
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