Freitag, 15. Januar 2010

Kristallberge auf dem Mond belegen einstigen Magma-Ozean

Das Mare Orientale an der Grenze zur Rückseite des Mondes | Copyright: NASA

San Francisco/ USA - Die indische Mondsonde "Chandrayaan-1" hat auf dem Mond gewaltige Aufschlüsse mit Kristallen entdeckt. Der kristalline Inhalt dieser offenen Gesteinsschichten beweist, dass der Erdtrabant einst von einem Ozean aus Magma bedeckt war und scheint zugleich alternative Entstehungsmodelle des Erdtrabanten widerlegen.

Laut der derzeit gängigen Theorie zur Entstehung des Mondes, entstand dieser vor rund vier Milliarden Jahren, als ein etwa marsgroßer Himmelskörper mit der noch jungen Erde zusammenstieß. Hierbei wurde das den heutigen Mond ausmachende Material abgesprengt und auf der Mondumlaufbahn eingefangen. Die bei diesem Prozess entstandene Hitze und die auf den jungen Mond wirkenden Kompressionskräfte erzeugten einen Magma-Ozean, der die Oberfläche des Trabanten für einige hundert Millionen Jahre überzog. Schwere, eisenhaltige Mineralien sollten bei diesem Prozess durch die Magma-Schicht abgesunken sein und so den Mantel des Mondes gebildet haben, während leichtere, eisenarme Mineralien, sogenannte Plagioklase, auf der Oberfläche treibend auskristallisierten.

Dies Modell, war bislang jedoch nur schwer anhand direkter Beweise zu beweisen, da es nur ansatzweise Belege für die kristalline Mondkruste gab. Forscher vermuteten, dass diese entweder von eingeschlagenen Meteoriten und andern Himmelskörpern zerstört oder von späteren Lavaströmen überdeckt wurde. Die bislang einzigen direkten Hinweise stellten einige Bodenproben mit Kristallen dar, wie sie an Landestellen der Apollo-Missionen gesammelt worden waren.

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Im vergangenen Jahr, entdeckte die japanische Sonde "Kaguya" dann jedoch die lange gesuchten Kristalle im Innern einer Anzahl von Mondkratern. Anhand der Daten der indischen Mondsonde "Chandrayaan-1", die im Dezember von Carle Pieters von der "Brown University" auf dem Jahrestreffen der American Geophysical Union (AGU) präsentiert wurden, scheint nun jedoch auch an anderer Stelle eine Hauptader der lunaren Kristallvorkommen entdeckt worden zu sein.

Entlang einer Gebirgskette in der rund 930 Kilometer breiten Tiefebene "Mare Orientale" im äußersten Westen des Mondes, an der Grenze von Vorder- und Rückseite des Erdtrabanten, wurden die Forscher fündig.

Nachdem Messungen der NASA-Sonde "Clemetine" 1994 im Orientale-Becken nahezu keine eisenhaltigen Mineralien fand, wie sie auf die Anwesenheit von Plagioklasen hindeuten, konnte die indische Sonde nun jedoch Licht einfangen, das von Kristallen selbst absorbiert wurde.

Die Messdaten belegen, dass das kristalline Gestein sich mindestens 40 Kilometer weit durch die Ebene zieht und die Kristalle lediglich zu fünf Prozent aus eisenhaltigen Mineralien bestehen. Damit sind sie deutlich reiner als die bekannten Apollo-Proben, die bislang als Hauptinformationsquelle über die Kruste des Mondes dienten.

Gegenüber "NewScientist.com" gesteht der Mondforscher Paul Warren von der "University of California" in Los Angeles ein, dass diese Werte "die bisherigen Spielregeln der Mond-Wissenschaft gänzlich auf den Kopf stellen." Fragen, wie jene danach, wie die Mondkruste einst über den Magma-Ozean trieb und wie sehr die Kruste von großen Einschlägen durcheinander gebracht wurde, müssten nun völlig neu überdacht werden.

Der Umstand, dass die Plagioklasen nun mittlerweile schon in unterschiedlichen Mondregionen gefunden wurden, deutet auf global wirkende Entstehungsprozesse hin und lässt eine Alternativtheorie zum Magma-Ozean, nach der die Mondoberfläche deutlich schneller abkühlte und die Plagioklasen durch regionale Vulkanereignisse an die Oberfläche gebracht wurden, weniger wahrscheinlich erscheinen.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / brown.edu / newscientist.com
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