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Freitag, 5. März 2010

Studie zum Dinosauriersterben: Der Tod kam aus dem All

Die mehr als zehn Meter mächtigen Sandsteinschichten an der Kreide-Tertiär-Grenze in der Gegend nördlich von Monterrey in Nordmexiko. Die auffällige hell-dunkle Bänderung zwischen den beiden Pfeilen resultiert wahrscheinlich von hin und her gehenden Strömungen der Tsunamis im Golf von Mexiko, die durch den Meteoriteneinschlag verursacht wurden. | Copyright: Peter Schulte

Erlangen-Nürnberg/ Deutschland - Eine Gruppe internationaler Wissenschaftler hat neueste Daten analysiert und relevante Studien ausgewertet, um der Frage auf den Grund zu gehen, was vor rund 65 Millionen Jahren Auslöser für das größte Massensterben in der Erdgeschichte verantwortlich war. "Der Tod kam aus dem All", so sie Experten und widersprechen damit der Theorie massiver Vulkanausbrüche als Ursache.

Wie die Forscher um den Geologen Dr. Peter Schulte von der "Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg" aktuell im Fachmagazin "Science" darlegen, fanden vor 30 Jahren Forscher die ersten stichhaltigen Belege für einen Meteoriten. Seit 20 Jahren kennt die Wissenschaft auch dessen Einschlagstelle: Ein 200 Kilometer großer Krater bei Chicxulub in Südmexiko. "Der Meteorit, der dort einschlug, maß vermutlich rund zehn Kilometer im Durchmesser und raste mit einer Geschwindigkeit von bis zu 20 Kilometern pro Sekunde auf die Erde zu, der mehr als zwanzigfachen Geschwindigkeit einer Gewehrkugel. Der aufgewirbelte Staub und die freigesetzten schwefelhaltigen Gase verdunkelten den Himmel über dem gesamten Planeten und verursachten unter anderem eine jahrelang anhaltende Kälteperiode, der viele Arten zum Opfer fielen", so die Pressemitteilung der Universität.

Doch die Meteoriteneinschlagstheorie hat nicht nur Befürworter: "Der größte Widerspruch kam vor einigen Jahren von der Universität Princeton. Die US-amerikanischen Forscher machen extrem starken Vulkanismus in Indien für das Ende der Dinosaurier und der anderen Arten verantwortlich und sagen, dass das Aussterben erst 300.000 Jahre nach dem Einschlag bei Chicxulub einsetzte."

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Die aktuellen Untersuchungen der mehr als 40 Wissenschaftler aus Europa, den USA, Mexiko, Kanada und Japan widerlegen nun allerdings diese Behauptungen: "Die Vulkanausbrüche in Indien begannen schon 500.000 Jahre bevor das weltweite Massensterben einsetzte - ohne dass sich gravierende Auswirkungen auf die globale Artenvielfalt zeigten." Die Forscher konnten unter anderem nachweisen, dass erst am Übergang von der Kreidezeit zum Tertiär zahlreiche Pflanzen- und Tierarten schlagartig ausstarben und zwar genau zeitgleich mit dem Meteoriteneinschlag.


Eine zeitliche Lücke von 300.000 Jahren zwischen dem Einschlag des Meteoriten und dem Massensterben habe es nicht gegeben, so die Forscher um Schulte: "Die Gegner der Meteoriten-Theorie stützen sich bei ihren Behauptungen hauptsächlich auf wenige Gesteinsablagerungen rund um den Krater, die angeblich diese Lücke zeigen. (...) Bei einem Meteoriteneinschlag dieser Größe wird eine Energie freigesetzt, die millionenfach höher ist als die der größten jemals getesteten Atombombe. Der Einschlag löste gewaltige Erdbeben, riesige Rutschungen und Tsunamis aus, die vor allem im heutigen Golf von Mexiko zu chaotischen Gesteinsabfolgen führten. Somit sind die Gesteinsschichten direkt im Bereich von Chicxulub sicherlich am wenigsten geeignet, um die genaue Reihenfolge der Ereignisse vor 65 Millionen Jahren aufzuklären."

Noch rund 4.500 Kilometer vom Krater entfernt finden sich Spuren des Meteoriteneinschlags, wie diese Aufnahme aus einem Bohrkern beweist. Die roten und grünen Partikel sind Kalkstein- und Dolomitbruchstücke, die durch den Meteoriteneinschlag herausgeschleudert wurden und nach 15 bis 30 Minuten über dem Atlantik niederregneten. Sie zeigen eine Art Fingerabdruck der Gesteine im Chicxulub-Krater auf der Yucatan-Halbinsel in Südmexiko. | Copyright: T.Salge, Bruker Nano GmbH; Peter Schulte

Weitaus besser eignen sich Gesteinsabfolgen in größerer Entfernung vom Krater. In ihrer Studie zeigen die Forscher, dass der Meteorit sogar in mehreren tausend Kilometern Entfernung eine Art Fingerabdruck in Form von winzigen Bruchstücken typischer Gesteine der Einschlagstelle in Südmexiko hinterlassen hat.

Darüber hinaus passe auch der Ablauf des Artensterbens genau zu den globalen ökologischen Folgen des Meteoriteneinschlags, erklärt Peter Schulte. "Plötzlich einsetzende jahrelange Dunkelheit und Kälte wirkten sich gleichermaßen auf Land- und Meeresbewohner aus. Dies war katastrophal für die Pflanzen und Tiere, die ohne Licht nicht überleben können und somit besonders verheerend für Organismen mit einem hohen Nahrungsbedarf."

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Quellen: uni-erlangen.de / grenzwissenschaft-aktuell.de
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