Samstag, 28. August 2010

Mythos Ötzi: Wurde der Mann aus dem Eis zeremoniell beigesetzt?

Die Gletschermumie Ötzi | Copyright: Südtiroler Archäologiemuseum, iceman.it

Rom/ Italien - Italienische Archäologen glauben, dass der Gletschermann "Ötzi" nach seinem durch einen Pfeilschuss verursachten Tod zeremoniell beigesetzt worden war und es sich bei dem Fundort der Eismumie nicht um den Tatort handelt.

In ihrer aktuell im Fachjournal "Antiguity" veröffentlichten Studie untersuchten die Wissenschaftler um Alessandro Vanzetti von der "Università di Roma" die Positionen. der neben der rund 5000 Jahre alten Gletschermumie gefundenen Artefakte im Verhältnis zur Position des Körpers.

Aufgrund von Vermutungen und Berechnungen des Transportweges der Artefakte und Leiche durch die Eigenbewegung des Gletschers gehen die Forscher davon aus, dass der Leichnam einst auf einer Felsplattform in der Nähe des Fundortes bestattet worden war. Somit gehen die Archäologen auch nicht davon aus, dass es sich bei dieser Position nicht um den einstigen Tatort, sondern um einen zeremoniellen Bestattungsplatz gehandelt hatte, zu welchem der Tote erst nach der Schneeschmelze im Tal gebracht worden war.

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Auch wenn die Theorie selbst nicht neu ist, und bereits 2004 von Hans-Georg Licht formuliert wurde (...siehe Buchtip), könnte sie doch zumindest einige bislang ungeklärte Aspekte rund um den "Mann vom Hauslabjoch" erklären. So zeigten frühere Analysen von Pollen und Pflanzenteilen in seinem Magen, dass Ötzi im Frühjahr zu Tode gekommen sein muss. Die Pollen in dem den Leichnam direkt umgebenden Eis stammen jedoch von Spätsommerpflanzen. Dieser Umstand würde laut Bondioli dann Sinn ergeben, wenn der Leichnam erst einige Monate nach seinem Tod zu seiner letzten Ruhestätte verbracht worden wäre - was wiederum eine zeremonielle Beisetzung nahe lege.

"Da sein Körper so weit oben auf einem Bergpass (weitab also von den nächsten Siedlungen) beigesetzt wurde, deute darauf hin, dass Ötzi eine sehr wichtige Persönlichkeit gewesen sein muss. Vielleicht war er eine Art Stammesführer", zitiert die BBC Luca Bondioli vom italienischen Nationalmuseum für Vorgeschichte und Ethnologie.

An den aktuellen Deutungen der Funde äußern andere Experten hingegen erste Zweifel. So verweist Frank Rühli von der "Universität Zürich", der als externer Forscher an der radiologischen Untersuchung des Eismannes beteiligt war, gegenüber der BBC auf die absonderliche Position des linken Arms der Gletschermumie (s. Abb.), in welche der Arm bereits während oder kurz nach Ötzis Tod gekommen sein muss. "Wenn Ötzi ein Stammesführer war, so muss man sich fragen, warum sein Arm dann nicht für seine Beisetzung in eine natürlichere Position gebracht wurde, wie dies bei einer wichtigen Person zu erwarten wäre."

Die Mumie des "Eismannes" ist im Südtiroler Archäologiemuseum (www.iceman.it) in Bozen zu sehen, wo ab dem 1. März 2011 bis zum 15. Januar 2012 die Sonderausstellung "Ötzi 20 - 20 Jahre Wissenschaft, Medien und Kurioses rund um Ötzi" zu sehen ist. Weitere Informationen bietet auch die Ötzi-Facebook-Seite.

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Quellen: bbc.co.uk / grenzwissenschaft-aktuell.de
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