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Mittwoch, 11. August 2010

Perseiden 2010 lassen Sternschnuppen regnen

Aufnahme des SPOSH-Kamera vom Perseidenschauer 2009 | Copyright: DLR

Berlin/ Deutschland - In der Nacht vom 12. auf den 13. August erreicht auch dieses Jahr der Meteor-Schauer der Perseiden seinen Höhepunkt, wenn tausende Sternschnuppen beobachtet werden können. Noch bis Ende August wird der Meteorstrom sich zunehmend abschwächend zu sehen sein.

Seinen Namen hat der Meteorstrom vom Sternbild Perseus, in dem - für den Betrachter auf der Erde - die Sternschnuppen ihren Ursprung zu haben scheinen. Im Volksmund sind die Perseiden auch als Laurentiustränen bekannt, da sie mehr oder weniger mit dem Namenstag des Märtyrers am 10. August zusammenfallen.

"Wer eine Minute Geduld hat, sieht auf jeden Fall eine Sternschnuppe - und das ganz ohne Fernglas", erklärt Wilfried Tost vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin-Adlershof.

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Die Sternschnuppen bestehen aus Teilen des sich auflösenden Kometen "109 / Swift-Tuttle", dessen Bahn den Erdorbit jedes Jahr zu dieser Zeit kreuzt und der alle 133 Jahre ins innere Sonnensystem zurückkehrt, zuletzt geschah dies im Jahr 1992 als bis zu 110 Meteore pro Stunde zu beobachten waren.

Auf seiner Kometenbahn lässt Swift-Tuttle eine Staubspur mit winzigen Kometenpartikeln zurück, nicht größer als Sandkörner. Wenn die Erde ab Mittwoch, 11. August 2010, die alte Kometenbahn kreuzt, rast sie mit knapp 30 Kilometern pro Sekunde auf die kleinen Kometenstaubkörner, Meteoroiden genannt, zu. Diese kollidieren mit der Atmosphäre und treten mit einer Geschwindigkeit von etwa 60 Kilometern pro Sekunde in die oberen Luftschichten ein. "Was wir als Meteor am Himmel sehen, sind aber nicht etwa die Kometenstaubkörner selbst", erklärt Tost. "Es ist die vor den Staubteilchen liegende Luft, die so stark zusammengepresst wird, dass sie über 3000 Grad heiß wird und dadurch zu leuchten beginnt." Ähnlich wie in einer Neonröhre, in der Gasteilchen ionisiert werden und somit leuchten, beginnen in der Atmosphäre die Luftteilchen vor dem rasenden Staubkorn Licht auszustrahlen. Das Ergebnis: eine Sternschnuppe.

Obwohl sich das Ganze in einer Höhe von 80 bis 100 Kilometern abspielt, können wir den Meteorschauer auch mit bloßem Auge von der Erde aus beobachten. Nach nur einer Sekunde in der Erdatmosphäre sind die Meteoroiden verglüht. Dennoch reichen die winzigen Staubteilchen aus, um eine gut sichtbare Sternschnuppe zu erzeugen. Etwa 100 Meteoroiden kann ein Beobachter an seinem Standpunkt pro Stunde erwarten. Die Chance, einen Meteor zu sehen, ist entsprechend hoch. "Außerdem haben wir in diesem Jahr Neumond", erläutert Wilfried Tost. "Die Perseiden lassen sich also ganz ohne störendes Mondlicht beobachten." Die meisten Sternschnuppen kann man in der Nacht vom 12. auf den 13. August sehen. Dann kommt die Erde der Staubspur von Swift-Tuttle am nächsten, der Perseiden-Schauer erreicht sein Maximum.

DLR-Wissenschaftler beobachten Perseiden mit SPOSH-(Smart Panoramic Optical Sensor Head)-Weitwinkel-Kameras zur Beobachtung kurzlebiger Himmelserscheinungen.

Gemeinsam mit Studenten der Technischen Universität Berlin werden Wilfried Tost und Professor Jürgen Oberst vom Berliner DLR-Institut für Planetenforschung von vier Beobachtungsstandorten in Österreich und Griechenland aus den Meteor-Schauer untersuchen. Mit speziellen Superweitwinkel-Kameras wollen sie jeden einzelnen Meteor erfassen. Die dabei eingesetzten SPOSH-Kameras ("Smart Panoramic Optical Sensor Head") bilden ein Sichtfeld von 120 Grad mal 170 Grad ab. Nach jeweils zwei Sekunden Belichtungszeit, speichern die Kameras ohne Unterbrechung Bilder des Sternenhimmels ab. "Über die Anzahl der Meteore können wir den Perseidenstrom genau klassifizieren und abschätzen, wie viel Kometenstaub da draußen überhaupt herumfliegt", erklärt Tost. Zehntausende Aufnahmen sollen in drei Nächten vom Nachthimmel angefertigt werden, abhängig von Wetter- und Sichtverhältnissen. Anhand dieser Aufnahmen wollen die Wissenschaftler die Flugbahn der Meteore in der Erdatmosphäre bestimmen und somit Rückschlüsse auf die Kometenbahn von Swift-Tuttle erhalten. Dazu benötigen sie Aufnahmen von verschiedenen Beobachtungspunkten, um - wie ein Mensch mit zwei Augen - dreidimensional sehen zu können.

"Der Perseidenstrom ist eine der wenigen Möglichkeiten, überhaupt Aussagen über den Kometen zu treffen", erläutert Tost. Schließlich kehrt Swift-Tuttle nur in großen Zeitabständen ins innere Sonnensystem zurück. Die Staubspur, die er dabei hinterlässt, kann aber Einiges über ihn verraten: "In Zukunft wollen wir uns die einzelnen Meteore noch genauer anschauen, auch solche, deren Ursprungskörper wir derzeit noch gar nicht kennen." Dazu werden Helligkeitswerte und Temperatur der Meteore bestimmt. Aus diesen Werten können die Wissenschaftler dann Daten über die Größe der Staubpartikel und möglicherweise auch ihre Zusammensetzung ableiten. Über die Staubpartikel lässt sich so auf die Zusammensetzung des Kometen schließen.


Quellen: dlr.de / grenzwissenschaft-aktuell.de
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