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Mittwoch, 11. August 2010

Studie: Körperliche Nähe fördert Erfolg beim Heilbeten

"Kopf eines Kindes in den Händen der Mutter" Bleistiftzeichnung von Käthe Kollwitz (1900), zu sehen im Dresdner Kupferstichkabinett

Bloomington/ USA - Eine internationale Studie über die Wirkung von Gesund- bzw. Heilgebeten legt die Vermutung nahe, dass körperliche Nähe den Erfolg der spirituellen Heilgebete deutlich erhöht.

Die unter Candy Gunther Brown, Professorin an der Fakultät für religiöse Studien an der "Indiana University" erstellte Studie untersuchte den therapeutischen Effekt von Fürbitten-Gebeten, wie sie unter anderem im ländlichen Mosambik oft zur Behandlung von Hör- und Sehschwierigkeiten eingesetzt werden und wurde aktuell im Fachmagazin "Southern Medical Journal" veröffentlicht.

Zum Erstaunen der Wissenschaftler zeigten die Gebete in den ökonomisch stark benachteiligten Gegenden, in welchen u. a. Brillen und Hörgeräte Mangelware sind, überraschende Ergebnisse.

"Wir haben uns gezielt auf sogenannte Nahegebete konzentriert, da diese Form der Heilgebete weltweit von Pfingstgemeinden und charismatischen Predigern angewendet werden und diese nicht zuletzt aufgrund der berichteten Heilerfolge zu den weltweit am stärksten anwachsenden christlichen Untergruppen gehören", erläutert Brown. Zudem werde gerade unter diesen Gläubigen das Gebet besonders häufig zu Heilung eingesetzt.

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Auch wenn Pfingstgläubige oft auch für ihre eigens Wohl und Heilung beten und dabei auch auf die Fürbitten anderer erbitten, gilt das Nahegebet, bei dem der Fürbitter dem Patienten besonders nahe ist oder mit ihm sogar Körperkontakt, etwa durch Handauflegen, aufnimmt, unter den Gläubigen als besonders wirksam.

Um eine objektiven Nachweis von Heilerfolgen erbringen zu können, bewerteten die Forscher mit Hilfe von Audiometern, zu Überprüfung der Hörfähigkeit und Sichttafeln die Fähigkeiten von 14 Patienten mit Hörproblemen und 11 mit Sehschwächen, vor und nach der Behandlung durch die Prediger. Für ihre aktuelle Studie haben die Forscher um Brown die Handlungen der "Iris Ministries" und der "Global Awakening"-Bewegung in Mosambik und Brasilien untersucht, da deren Heilprediger wiederum im besonderem Ruf stehen, bei der Behandlung von Hör- und Sehschwierigkeiten erfolgreich zu sein.

Die statistische Auswertung nach den Untersuchungen ergab, dass sowohl das Hör-, als auch das Sehvermögen der Patienten nach den "Behandlungen" verbessert wurden. Die Verbesserungsraten lagen dabei deutlich höher als bei ähnlichen Behandlungen mittels suggestiver Hypnose.

In einem Fall erklärte beispielsweise eine Patientin, dass sie nicht in der Lage sei, zwei Finger der erhobenen Hand einer von ihr nur 30 Zentimeter entfernt stehenden Person zu erkennen. Nachdem der Prediger ihr seine Hände auf die Augen gelegt, sie umarmt und kaum eine Minute lang für sie gebetete hatte, war sie wieder in der Lage, die Finger der Hand zu zählen und sogar die 20/225-Reihe auf der Sichttafel zu lesen.

In ihrer Arbeit heben die Wissenschaftler um Brown hervor, dass es der Studie lediglich um die klinischen Effekte des Nahebetens gehe, nicht aber darum, die im Falle eines Heilungserfolgs wirkenden Mechanismen zu untersuchen und zu erklären. Frühere Studien, die eben dies versucht hatten, wurden in schärfster Weise von Skeptikern aufgrund angeblicher Unwissenschaftlichkeit kritisiert und erbrachten zudem immer wieder auch kontroverse Resultate.

Die aktuelle Studie selbst bezieht sich zudem auf eine frühere Untersuchung, die zu dem Schluss kam, dass Beten selbst keinen Effekt auf Erkrankungen habe, dass aber mit Bestimmtheit das bewusste Erhalten von Fürbitten die gesundheitliche Situation eines Patienten verbessern kann.

Zwar räumt Brown selbst ein, dass die Ergebnisse der Studie aufgrund der geringen Patientenzahl und dem Umstand, dass es keine Kontrollgruppe zur Verfügung steht, noch mit Vorsicht zu beurteilen seien, unterstreicht jedoch zugleich nochmals, dass der Heilungseffekt über Hypnose und Placebo hinaus.

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"Wenn empirische Forschung weiterhin Belege dafür erbringt, dass nahes Fürbitten möglicherweise einen therapeutisch Nutzen bringt - ganz gleich, ob wir die Mechanismen dahinter verstehen oder nicht -, so gibt es ethische und unabhängige Gründe, die weitere Forschungen auf diesem Gebiet begründen", so Brown. Es sei ein Hauptprivileg aber auch die Verantwortung medizinischer Wissenschaft, ein besseres Verständnis therapeutischer Eingriffe voranzutreiben, wie sie weltweit die Gesundheit fördern können. Ganz besonders treffe dies unter jenen Umständen zu, unter welchen konventionelle medizinische Behandlungen nur unzureichend oder sogar gar nicht vermittelt werden könnten.

Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden rund 278 Millionen Menschen weltweit an schwerwiegendem Hörverlust auf beiden Ohren, 80 Prozent dieser Menschen leben in sogenannten Entwicklungsländern. 314 Millionen sind Sehbehindert - auch hier beträgt der Anteil der Bürger in Entwicklungsländern 85 Prozent. Nur ein kleiner Teil dieser weltweit Geschädigten erhält derzeit irgendeine Form von Behandlung gegen die elementaren Sinnesbeeinträchtigungen.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / iu.edu
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