Mittwoch, 13. Oktober 2010

"Gliese 581 g": Astronomen zweifeln an Existenz von potentiell lebensfreundlichem Planeten

Künstlerische Interpretation des Systems um "Giese 581" | Copyright: NASA/Lynette Cook

Genf/ Schweiz - Ende vergangenen Monats verkündeten kalifornische Astronomen die Entdeckung eines erdartigen Felsplaneten im Planetensystem um den Stern Gliese 581, auf dem wahrscheinlich auch Leben möglich sein könnte (...wir berichteten 1, 2). Jetzt bezweifeln Astronomen des "Observatoire de Genève" die Existenz des Planeten: Intensive Beobachtungen und Untersuchungen des Gliese-Systems würden keine Hinweise auf den Planeten zeigen.

Entdeckt wurde "Gliese 581 g" mit der Radialgeschwindigkeitsmethode. Diese basiert auf der Tatsache, dass sich ein Stern und sein Planet bzw. seine Planeten unter dem Einfluss der Gravitation um ihren gemeinsamen Schwerpunkt drehen. Aufgrund seiner größeren Masse bewegt sich der Stern um wesentlich kleinere Wege als der Planet. Falls man von der Erde aus nicht genau senkrecht auf diese Bahn schaut, hat diese periodische Bewegung des Sterns eine Komponente in Sichtrichtung (Radialgeschwindigkeit), wie sie durch die Beobachtung der abwechselnden Blau- und Rotverschiebung (Doppler-Effekt) mit Hilfe eines Frequenzkammes in sehr genauen Spektren des Sterns nachgewiesen werden kann. Da die Bahnneigung unbekannt ist, kann man mit dieser Methode bei bekannter Sternmasse nicht die Planetenmasse exakt, sondern nur eine Minimalgrenze berechnen. Nach der Erstentdeckung des Planeten mit besagter Methode überprüfte das Team die Helligkeitsschwankungen des Sterns und konnten so die vorigen Beobachtungen bestätigen.

"Der Umstand, dass wir in der Lage waren, diesen Planeten so schnell und in derartiger Nähe zur Erde zu finden belegt, dass solche Planeten wirklich zahlreich sein müssen", so der Entdecker und Teamleiter der "Lick-Carnegie Exoplanet Survey" Steven Vogt.

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Auf dem Jahrestreffen der "Internationalen Astronomischen Union" (IAU) äußerten nun Astronomen des Genfer Observatoriums jedoch Zweifel an der Existenz des Planeten. Gegenüber dem "Astrobiology Magazine" erklärte Francesco Pepe zudem, dass es auch für den von Vogts Team entdeckten zweiten Planeten, "Gliese 581 f", keine Hinweise gäbe.

Die Genfer Untersuchungen wurden von Michel Mayor geleitet, dessen Team mit "Gliese 581 e" 2009 die Entdeckung des bis zu diesem Zeitpunkt kleinsten Exoplaneten verkünden konnte (...wir berichteten).

"Seit damals haben wir rund 60 weitere Beobachtungen des Gliese-Systems mit unseren Instrumenten durchgeführt. Insgesamt liegen uns damit 180 Beobachtungspunkte über einen Zeitraum von 6,5 Jahren vor", so Pepe. "Aus diesen Datensätzen können wir sehr einfach die vier zuvor entdeckten Planeten 'b', 'c', 'd' und 'e' ablesen." Hinweise auf den gefeierten Planeten "g" und seinen Vorgänger "f", wie sie von Vogts Team verkündet wurden, seien im normalen Messungsrauschen nicht zu finden.

"Simulationen anhand der vorliegen Messdaten zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die angewendeten Messungen ein falsches Signal für einen Planeten produzieren, nicht vernachlässigbar ist und in Größenordnungen von mehreren Prozent liegt. Unter diesen Umständen können wir das verkündete Vorhandensein von 'Gliese 581 g' nicht bestätigen", so Pepe. Für "Gliese 581 f" gelte das Gleiche.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / nasa.gov / astrobio.net
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