Donnerstag, 12. Mai 2011

Archivfund wirft neues Licht auf Wernher von Braun

Wernher von Braun (1912-1977), während seiner Zeit im dienste der NASA | Copyright: NASA

Cottbus/ Deutschland - Der Fund von bislang unbekanntem Archivmaterial im Zusammenhang mit der Erforschung der Heeresversuchsanstalt in Peenemünde rückt die Rolle von Wernher von Braun bei der Entwicklung der V2-Raketenwaffe des Dritten Reichs in ein neues Licht und erweckt erneute Kritik an dessen Führungsrolle in der Raketenentwicklung. Bislang gilt v. Braun als einer der Väter modernen Raketentechnik und somit auch des modernen Weltraumprogramms.

Uta Mense, akademische Mitarbeiterin am Lehrstuhl Denkmalpflege der "Brandenburgischen Technischen Universität" (BTU, tu-cottbus.de) in Cottbus ist im Kontext der Erarbeitung eines Denkmalpflege-Managementplans für das Gelände der ehem. Heeresversuchsanstalt in Peenemünde ein beachtlicher Archivfund gelungen.

Bei den Dokumenten handelt sich dabei um den bislang noch nicht zur Kenntnis genommenen Nachlass des Raketenwissenschaftlers Paul Schröder, der in den Anfangsjahren der Heeresversuchsanstalt neben Wernher von Braun als einer von vier Abteilungsleitern maßgeblich an der Entwicklung der V2-Raketenwaffe beteiligt war und der in den 1950er Jahren in den USA als vehementer Kritiker von Wernher von Braun auf sich aufmerksam zu machen versuchte. "Damit ist Dr. Paul Schröder bis heute eine der wenigen Personen, die frühzeitig Kritik an der Führungsrolle von Brauns in der Raketenentwicklung übten, obwohl er selbst Mitarbeiter der Heeresversuchsanstalt war", erläutert die Pressemitteilung der Universität.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Das Besondere an diesem Nachlass, so die Forscherin, sei, dass er neue Einblicke in die Anfänge der Raketenentwicklung in Peenemünde ermögliche. Denn anders als die jungen Gefolgsmänner von Wernher von Braun habe Schröder seine Darstellung der Waffenentwicklung nicht für die breite Öffentlichkeit und zum Zwecke der nachträglichen Rechtfertigung und Verklärung des eigenen Handels geschrieben.

"Dr. Paul Schröder wollte vielmehr die US-Behörden auf diverse Inkompetenzen des ehemaligen Technischen Direktors Wernher von Braun aus Peenemünde aufmerksam machen, weil seiner Ansicht nach die Weiterentwicklung der Raketentechnologie in den USA behindert wurde."

Beide, Wernher von Braun als auch Paul Schröder, arbeiteten nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA: Wernher von Braun schon ab 1945, erst im Rahmen der "Operation Paperclip" in Fort Bliss als "Kriegsgefangener", ab 1950 dann für die US Army im "Marshall Space Flight Center" in Huntsville, wo er zum Direktor ernannt wurde. Paul Schröder kam erst 1952 in die USA und arbeitete dort einige Jahre für die US Air Force; danach wechselte er in die Industrie und kehrte 1958 nach Deutschland zurück.

"Im Widerspruch zu der bisherigen Darstellung in der Literatur, wonach Wernher von Braun die V2-Rakete entwickelt habe, weist der Autor dieser neuen Dokumente - ohne die genauere Erforschung vorschnell vorweg nehmen zu wollen - darauf hin, dass Wernher von Braun nach eigenen Misserfolgen bis zur Fertigstellung der Rakete A4 – die als V2 bekannt wurde – von jeglicher Planung ausgeschlossen war."

Des Weiteren beinhalte der Nachlass die Korrespondenzen der Witwe Paul Schröders mit verschiedenen ehemaligen Beteiligten der Heeresversuchsanstalt. Hieraus gehe deutlich hervor, dass es in seiner Zeit durchaus mehr Mitarbeiter mit einer kritischen Einstellung gegenüber ihrem ehemaligen Vorgesetzten aus Peenemünde, Wernher von Braun, gegeben hat.

Die eingehende Analyse und Einordnung der Person Paul Schröder sowie seines entdeckten Nachlasses wird längere Zeit in Anspruch nehmen. Eine Kurzvorstellung ist jedoch anlässlich der Veranstaltung "20 Jahre Museumsstandort Peenemünde – Bilanz und Ausblick" für den 27. Mai 2011 an der Universität Greifswald vorgesehen.

Die Forschungen von Uta Mense sind Teil eines interdisziplinären Projektes, in dem der Lehrstuhl der BTU die nach dem Krieg weitgehend zerstörten Anlagen der ehem. Heeresversuchsanstalt dokumentiert, erforscht und bewertet sowie neue Vermittlungskonzepte der für das Historisch-Technische Museum Peenemünde entwickelt.

Bücher zum Thema:

- - -

Quelle: tu-cottbus.de / grenzwissenschaft-aktuell.de
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE