Montag, 3. Oktober 2011

Tanzende tote Tintenfische: Wissenschaftler erklären Schock-Videos

Standbild aus einem Video (s. unten) | Copyright/Quelle: youtube.com

Charlottesville/ USA - Wahrhafte Schock-Videos sorgen derzeit im Internet für Aufsehen, Ekel und Aufregung, zeigen sie doch, wie bereits abgetrennte Kopfteile von Tintenfischen auf einer Sushi-Schale durch Draufgabe von Sojasoße offenbar wieder zum Leben erweckt werden und versuchen, dem Gedeck zu entkommen. Wissenschaftler haben den Schock-Effekt nun erklärt: Unvorstellbar, aber die Forscher bezweifeln, dass die so zubereiteten Tiere noch leiden.

WARNHINWEIS: Die Videos im folgenden Beitrag sind nichts für schwache Nerven!!!

Während schon die Zubereitung der in Japan erst kürzlich erfundenen und bereits patentieren "Delikatesse" grausam erscheint, topt das, was danach mit der Kreatur angestellt wird, alles Vorstellbare, wenn der abgetrennte Kopf mitsamt den Fangarmen über sonstigen Nahrungsmitteln drapiert, dem Gast zum Verzehr vorgesetzt wird und der Höhepunkt dieses fragwürdigen kulinarischen Trends mit dem Übergießen des Tintenfischs mit Sojasoße erreicht wird, denn nun beginnt das geköpfte Tiere - scheinbar erneut zum Leben erweckt - seine Arme in der typischen Art und Weise zu winden und versucht offenbar dem Teller zu entkommen.


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Zahlreiche weitere Videos sind seither auf Videoplattformen wie Youtube.com veröffentlicht worden, die meist jedoch nur noch die zweifelhafte "Vorstellung" zeigen.


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Erwartungsgemäß sorgen entsprechende Videos für eine Vielzahl unterschiedlicher emotionaler Reaktionen. Während die Einen ebenso geschockt wie fasziniert von dem ungewöhnlichen Anblick sind, zeigen sich Andere lediglich angewidert und/oder verabscheuen den Umgang und die vermeintlichen Qualen der Kreatur.

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Das Team von "DiscoveryNews" (news.discovery.com) hat aufgrund der zahlreichen Reaktionen die Hintergründe der bizarren Schock-Videos recherchiert und hierzu den Chemieprofessor Charles Grisham von der "University of Virginia" befragt.

"Der Großteil des Gewebes eines Körpers, der gerade erst verstorben oder getötet ist, ist in Wirklichkeit noch lebendig (bzw. lebensfähig). Das bedeutet, dass Metabolitten in der Zelle noch intakt und Membranspannung und Leistungsvermögen noch aktiv sind - ebenso wie die Nervenzellen. Selbst wenn also die Hirnfunktionen nicht mehr vorhanden sind, so reagiert das Gewebe weiterhin auf Stimulationen. (...) Wahrscheinlich wird das in der Sojasoße enthaltene Natriumchlorid (Kochsalz) von den Sensoren in den Saugnäpfen, aufgenommen und verändert so umgehend die Spannung in den Zellmembranen, die dann in Kontraktionen und dadurch in Bewegungen der Muskeln umgesetzt werden."

Diese Reaktion sei mit den Bewegungen von Froschschenkeln zu vergleichen, die in einem anderen Online-Video zahlreiche Betrachter gefunden haben. Auch hier sorgt das Kochsalz für eine erstaunlich reale Reaktion der rumpflosen Froschbeine:


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Die sich nicht zuletzt anhand der Tintenfisch-Videos stellende moralische Frage, ob die Tiere nun also tot oder noch auf eine gewisse Form noch lebendig sind – also auch noch Schmerz empfinden können, verneint zumindest der Chemieprofessor: "Ich glaube nicht, dass das Tier ohne sein Hirn noch die entsprechenden sensorischen Signale verarbeiten kann, die einen lebenden Tier vermitteln würden, ob etwas heiß ist oder etwas schmerzt. Ich würde mir darüber also keine Sorgen mehr machen und den Tintenfisch essen."

Dennoch stellt sich angesichts des Verhaltens den zunächst offenbar toten Körpers die Interessante Frage danach, was Leben ausmacht. "Leben", so Grisham, "dreht sich nur darum, wie genügend Energie gewonnen werden kann, mit der die komplexen Strukturen des Körpers erzeugt und aufrecht erhalten werden können. (...) Lebende Ding bestehen aus leblosen Molekülen und das provoziert natürlich die Frage: Was ist überhaupt Leben?"


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Um de derzeitigen Trend der tanzenden Sushi-Tintenfische in Japan und Korea zu verstehen, sollte man die kulturhistorischen Hintergründe der offenkundigen Vorliebe gerade vieler Asiaten für den Verzehr von lebenden Tieren kennen: Schon seit langer Zeit gilt das tatsächliche Verschlingen lebendiger Oktopusse nicht nur als Delikatesse sondern auch als Mutprobe und nicht zuletzt als Quelle von Kraft und Ausdauer, wie dies der folgenden Ausschnitt einer "Nationale Geographic"-Dokumentation zeigt:


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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / youtube.com / news.discovery.com
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