Mittwoch, 30. November 2011

Forschern gelingt erstmals direkte und echte Kommunikation mit Delfinen

Archiv: Delfin | Copyright: NASA

Miami/ USA - US-amerikanischen und britischen Wissenschaftlern ist nach eigenen Angaben ein wichtiger Durchbruch in der Erforschung der Delfinsprache und in der Kommunikation mit den Tümmlern gelungen. Nach intensiven Studien konnten die Forscher acht Objekte den akustischen Mustern der intelligenten Meeressäuger zuzuordnen und so in deren eigener Sprache mit den Tieren zu kommunizieren.

Wie das Team um Jack Kassewitz und John Stuart Reid von "SpeakDolphin.com" berichtet, verstanden Delphine zweier voneinander unabhängiger Delfingruppen der Studie die reproduzierte Bildsprache, woraus die Forscher schlussfolgern, dass Delfine eine universelle "sono-bildhafte"(sono pictorial)-Sprache verwenden.

Den Forschern gelang die Kommunikation mit den Delphinen mittels einfacher und komplexer Sätze, die Substantive und Verben beinhalteten und konnten damit aufzeigen, dass die Tiere sowohl Elemente der menschlichen Sprache verstehen, als auch über eine eigene komplexe visuelle Sprache verfügen, wenn sie etwa angesichts der acht Objekte individuelle Töne zur Echolotortung der Objekte anwendeten und so mit den jeweiligen Substantiven (Hauptwörtern) ein individuelles Geräusch verbanden.

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In ihren Untersuchungen konnten die Forscher auf das von Reid entwickelte "CymaScope" zurückgreifen, mit welchem anhand von stehenden Wellen, vergleichbar mit cymatischen Klangbildern, die Laute der Delfine visuell abgebildet, analysiert und katalogisiert werden können (...wir berichteten).

In ihren neuen Experimenten zeichneten die Forscher zunächst die Echolokationslaute der Tiere auf, wie sie von unterschiedlichen Objekten, die die Forscher im Wasser versenkt hatten, reflektiert wurden. Zu diesen Objekten zählten u.a. ein Plastikwürfel, eine Badeente und ein Blumentopf. Kassewitz erkannte dann, dass auch diese Laute Lautbilder beinhalteten. Wurden diese Töne den Delfinen einer Gruppe dann in einem Spiel vorgespielt, so erkannten sie das jeweilige Objekt mit einer Trefferquote von 86 Prozent wieder. In einem nächsten Schritt wurde das Experiment dann an einer zweiten Gruppe von Delfinen Ergebnissen durchgeführt – mit vergleichbarem Ergebnis.

Der Schall des Delfingesangs als "Cymaglyphe" | Copyright: sonic-age.com/cymascope.com

Zuvor schon hatten verschiedene Forscher die Vermutung geäußert, dass Delfine mit Hilfe eines sono-visuellen Sinnes sozusagen Ton-Fotografien etwa von angreifenden Raubtieren erzeugen, die sie ihren Artgenossen als Warnsignal im Falle eines Angriffs übermitteln können. Mit Hilfe des "CymaScopes" konnte diese Theorie nun erstmals bestätigt werden.

"Scant ein Delfin ein Objekt mit seiner hochfrequenten Schallstrahl ab, wie er in Form der charakteristischen Klicklaute auch hörbar gemacht werden kann, so lässt jeder dieser Klicks ein Standbild des Objekts entstehen – ganz ähnlich also einem Foto", erläutert Reid. "Jeder Delfinklick wird also von der Form des Objekts modelliert und zurückgeworfen. Mit anderen Worten: Die reflektierten Pulse beinhalten eine halb-holografische Abbildung des angepeilten Objekts. Ein Teil der reflektierten Töne nimmt der Delfin mit seinem Unterkiefer auf, von wo aus der Schall auf das anliegende Mittel- und Innenohr übertragen wird, wo das Bild erzeugt wird."

Wie genau die Delfine dieses Schallbild jedoch "lesen" ist allerdings immer noch unklar. In ihrer Hypothese vermuten die Forscher, dass jeder Klick-Puls das Bild kurzfristig auf der Tektorialmembran des Innenohrs entstehen lässt, wo es von Flimmerhärchen in ein elektrisches Signal, das der Form des jeweiligen Objekts entspricht, umgewandelt wird. Über die Innenohrnerven könnte dieses Signal dann ins Hirn geleitet werden, das das Signal wiederum als Bild interpretiert.

Infografik: Laut Kassewitz und Reid senden, empfangen und 'sehen' Delfine ihre eigene Sprache und Kommunikation in Bildern. (Klicken Sie auf die Abbildung, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.) | Copyright/Quelle: J. Kassewitz, J.S. Reid, speakdolphin.com, cymascope.com

Das Team postuliert zudem, dass Delfine in der Lage sind, mit Hilfe dieses Klangbildsinnes Objekte sogar in Stereo bzw. 3D wahrzunehmen. Da Delfine oft auch lange Reihen von Klick-Pulsen von sich geben, vermuten die Wissenschaftler zudem, dass es sich dabei um eine Art Video-Playback handeln könnte, in dem die einzelnen Standbilder sogar als bewegter Film abgespielt, bzw. wiedergegeben werden können.

Mit dem "CymaScope" können die Forscher den Vorgang der Wahrnehmung entsprechend übertragender Bilder durch den Delfin sozusagen geometrisch sichtbar machen. "Möglicherweise 'sieht' der Delfin die von den Objekten zurückgeworfenen oder ihm von anderen Delfinen übermittelten in ganz ähnlicher Weise."

Als Ergebnis ihrer Experimente mit dem "CymaScope" haben Reid und Kassewitz gemeinsam mit Forschern um Christopher Brown von der "University of Central Florida" damit begonnen, ein neues Modell der Delfinsprache zu entwickeln, das sie "Sono-Pictorial Exo-holographic Language" (SPEL) nennen. "Der 'Exo-holografische' Teil dieses Akronyms, ergibt sich aus dem Umstand, dass die bildhafte Delfinsprache sich um den Delfin herum ausbreitet, sobald einer oder mehrere Delfine entsprechende Bilder senden oder empfangen." Reid konnte zeigen, dass jeder kleine Teil des Echolokationsstrahls der Delfine alle Daten beinhaltet, die notwendig sind, um das jeweilige Bild auf cymatische Weise im Labor rekonstruieren zu können. Ähnlich, so postuliert der Wissenschaftler, ist dies wahrscheinlich auch dem Delfinhirn möglich.

"Unser neues Modell der Delfinsprache ist eines, mit dem Delfine nicht nur Bilder von Objekten empfangen und senden können, sondern durch das auch völlig neue Bilder erstellt werden können, in dem sich die Tiere die Inhalte dessen, was sie kommunizieren wollen, einfach vorstellen", so die Forscher.

"Möglicherweise ist dieses Szenario für viele Menschen eine Herausforderung, angesichts derer es gilt, uns von unseren symbolischen Denkprozessen zu befreien, um so die Welt der Delfine besser zu verstehen und zu lernen, diese zu respektieren. Wir glauben, dass diese Welt von Bildern und nicht (wie bislang gedacht) symbolisch geprägt ist. Unsere persönliche Befangenheit, unsere Vorstellungen, unser Glaube und unsere Erinnerungen beeinflussen jeder Form unsere Kommunikation und somit auch unsere Beschreibung und unser Verständnis von etwas, das - wie SPEL - gänzlich frei von Symbolen ist. Delfine hingegen, so scheint es, haben die symbolische Sprache der Menschen überwunden und stattdessen eine eigene Form von Kommunikation, jenseits des evolutionären Weges des Menschen, entwickelt."

Ihre Entdeckung vergleichen die Wissenschaftler um Reid und Kassewitz als eine Art "Rosetta-Stein", mit der es nun möglich sein soll, "in die Welt der Delfine auf eine Weise einzutauchen, wie wir sie uns noch vor wenigen Jahren gar nicht vorzustellen wagten. Das alte Sprichwort: 'Ein Bild sagt mehr als tausend Worte', bekommt ganz plötzlich eine völlig neue Bedeutung."

Da viele Wissenschaftler davon ausgehen, dass die Fähigkeit des Menschen zur komplexen sprachliche Kommunikation mit dem vergrößerten Hirnvolumen in Verbindung steht, könnten die Forschungsergebnisse somit auch erklären, warum auch Delfine ein proportional vergleichbar großes Gehirn aufweisen.

"Unsere Forschung liefert auch eine Antwort auf eine der Urfragen der Menschheit", so Kassewitz abschließend. "'Sind wir alleine?' Jetzt können wir diese Frage eindeutig mit einem 'Nein' beantworten. SETI, die Suche nach nichtmenschlicher Intelligenz, wurde nicht im All, sondern direkt hier auf der Erde in der anmutigen Form der Delfine beantwortet."


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