Sonntag, 27. November 2011

Mexiko: Verwirrung um zweiten archäologischen Beleg für einen Verweis der Maya auf 2012

Archiv: Überblick auf Palenque mit der Pyramide. | Copyright: Jan Harenburg, cc-by.sa 3.0

Mexiko-Stadt/ Mexiko - Während sich das Interesse rund um das Ende des Maya-Kalenders, genauer gesagt dessen "Langer Zählung", im Dezember 2012 und Kontroversen um Sinn und Unsinn zahlreicher Interpretationen dieses Ereignisses zuspitzen, haben mexikanische Archäologen den Fund eines zweiten archäologischen Maya-Artefakts bestätigt, das ebenfalls auf dieses Datum in Verbindung mit gewalttätigen Ereignissen hindeuten könnte. Allerdings ist die Entdeckung in Wirklichkeit nicht neu und gilt in Mexiko schon seit einigen Jahren als archäologischer Hinweis auf 2012.

Unter Berufung auf das mexikanische archäologische Institut "Instituto Nacional de Antropología e Historia" (INAH, inah.gob.mex) berichtete die Nachrichtenagentur "Associated Press" (AP) von der Bestätigung des Fundes eines verzierten Maya-Ziegels aus der Ruinenstätte Comalcalco im südlichen Mexiko, der hier schon vor Jahren gefunden, bislang jedoch unter Verschluss gehalten worden sein soll.

Während die meisten Forscher bislang nur von einem archäologischen Verweis der Maya auf das Ende des ihres Kalenders im Jahre 2012 in Form einer beschrifteten Steintafel sprachen, die einst bei Tortuguero im mexikanischen Bundesstaat Tabasco gefunden wurde, verweist das INAH schon spätestens schon im Sommer 2010 auf diesen zweiten archäologischen Fund mit einer möglichen Verbindung zum Ablauf der Langen Zählung. Auch in der aktuellen Pressemitteilung des INAH wird dieser Fund zwar als zweites 2012-Artefakt beschrieben, allerdings nicht behauptet, dass diese Entdeckung oder Interpretation neu sei.

Somit zeigen sich auch einige Maya-Experten angesichts der gezogenen Verbindung zwischen dem Kalenderstein von Comalcalco und 2012 kritisch und verweisen darauf, dass es sich bei dem Artefakt um einen Rundkalender handelt, einer Kombination aus einem Tages- und Monatskalender, der sich alle 52 Jahre wiederholt.

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Zwar könnte der Kalenderziegel "auch" als Hinweis auf das Ende des 13. Baktun, der im Jahr 3114 v.Chr. begann und um den 21. Dezember 2012 "endet", verstanden werden, allerdings könne mit ihm auch auf ähnliche bereits vergangene Daten hingewiesen werden. "Es gibt keinen Grund, weshalb der Kalender nicht auch auf ein Datum in alten Zeiten hindeuten sollte, etwa auf ein Ereignis von historischer Bedeutung in der klassischen Periode der Maya", kommentiert der Maya-Experte David Stuart von der "University of Texas" in Austin den zitierten Fund gegenüber der AP. "Im Gegensatz zur Tortuguero-Tafel, die sich tatsächlich auf das westliche Jahr 2012 zu beziehen scheint, gibt es hier keinen Hinweis auf eine konkrete zeitliche Zuordnung. Aus diesem Grund glaube ich, dass der Comalcalco-Kalender eher historische als prophetische Bedeutung hat."

Allerdings, so berichten die mexikanischen Archäologen, verbinde der Kalenderziegel das darauf angezeigte Datum mit der Wiederkehr bzw. Herabkunft einer Gottheit. Somit könnte sich hier eine mögliche Verbindung der beiden Artefakte ergeben, da trotz eines Bruches in der Steintafel von Tortuguero (Monument 6), deren Inschrift von vielen als Beschreibung eines Ereignisses gedeutet wird, das sich zum Ende des Maya-Kalenders, im Jahre 2012 nach unserer Zeitrechnung, zutragen soll und ebenfalls mit der Wieder- bzw. Herabkunft der Maya-Gottes Bolon Yokte, der sowohl mit Krieg als auch mit Schöpfungsmythen assoziiert wird, in Verbindung zu stehen scheint. Auch die einstige Position des Comalcalco-Kalenders erscheint mysteriös, lag diese ursprünglich doch mit der Bildseite nach unten, wodurch diese selbst also nicht zu sehen war.

Monument 6 aus Tortuguero. | Copyrigt/Quelle: Literatura y Mundo Maya)

Den Umstand, dass die Steintafel von Tortuguero als Beweis für einen mächtigen Endzeitmythos der Maya gedeutet wird, wertet auch André Kramer, der seit Jahren Aspekte der "alternativen Archäologie" erforscht, kritisch und bemerkt in seinem Artikel zum "Maya-Kalender": "Zum einen ist Bolon Yokte einer der unbedeutenden Gottheiten der Maya, zum anderen war auch Tortuguero alles andere als eines der Zentren der Maya."

Theorien rund um ein von den Maya vorhergesagtes Ende der Welt um den 21. Dezember 2011 halten die Archäologen des INAH hingegen für eine Fehlinterpretation und durch westliche Esoterik und New Age-Theorien überzeichnet. "Westliche messianische Vorstellungen wurden und werden hier mit der Kosmologie der antiken Mayazivilisation rund um 2012 verwoben", so die Forscher.

Sie verweisen darauf, dass - nach heutigem Wissensstand - die Maya die Zeit als eine Serie von Zyklen betrachteten, die in regelmäßigen Abständen endeten und umgehend aufs Neue beginnen. Demnach könnte nach dem Ablauf der aktuellen Langen Zählung des Maya-Kalenders schlicht und einfach eine neue Runde beginnen. Tatsächlich findet sich selbst bei den antiken Maya am Beispiel der Inschriften in Palenque eine Vorausschau auf Jahr 4772 des Gregorianischen Kalenders.

Aufgrund des anhaltenden Interesses rund um das vermeintliche Weltuntergangsdatum bzw. den Beginn einer (wie auch immer gearteten) globalen Transformation im Dezember 2012 veranstaltet das INAH in der kommenden Woche eine Expertenpodium, zu dem sich mehr als 60 Maya-Experten in der Maya-Stadt Palenque treffen, um hier, so die Presseerklärung des INAH, "einige der Missverständnisse über das Ende einer und den Beginn einer neuen Ära in der Langen Zählung, dem Kalender der Maya, zu widerlegen."

Hintergrund: Das Zahlensystem und Kalenderwesen der Maya
Ein Auszug aus dem Artikel "Der Maya-Kalender", von André Kramer

Im Gegensatz zu dem Dezimalsystem, das in Europa verwendet wurde (ursprünglich aber aus China und Indien stammt) und wird (also als Zählgrundlage die 10 verwendet), rechneten die Maya mit dem Vigesimalsystem, also der 20 als Basis.

Auch die Zahl Null war ihnen geläufig, vermutlich waren die Maya sogar das erste Volk weltweit, dass mit der Null operierte, wurde sie außerhalb Amerikas doch erst im 7. Jahrhundert als Einheit für “Nichts” in Indien entwickelt. Die Maya verwendeten 2 Kalender, der rituelle Kalender (Tzolkin) war auf 260 Tage angelegt und wurde durch Die Kombination von 20 Tagesnamen und 13 Tageszahlen vollendet (also 13 x 20). Zusätzlich fand ein ziviler Kalender Anwendung, der sich auf 18 langen Monaten von 20 Tagen Dauer und einem kurzen 5 Tage-Monat zusammensetzte (=365 Tage).

Die Maya datierten ihre Zeitrechnung mit den Angaben beider Kalender und diese Kombination ergab einen neuen Zyklus, die so genannte große Kalenderrunde. Durch die unterschiedlichen Längen der beiden Kalender betrug ein solcher Zyklus (die Kalenderrunde) 52 Sonnenjahre.

Dieses komplexe System wurde durch die lange Zählung komplettiert (es existierte auch eine kurze Zählung, die allerdings erst später auftauchte). Mit dieser langen Zählung wurden größere Zeiträume abgesteckt. Sie setzte sich aus 5 Perioden zusammen. Angefangen mit Baktun, Katun, Tun, Uinal und Kin. Doch der für uns eigentlich interessante Teil kommt erst jetzt.

Das Kalenderwesen der Maya beginnt an einem Nullpunkt. Auf unseren, Gregorianischen Kalender übertragen, setzt dieser Nullpunkt am 13. August 3114 v. Chr. an und teilt sich in 400jährige Perioden ein, von denen die 13. am 23.12.2012 endet.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / inah.gob.mx / mysteria3000.de / ap.org
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