Donnerstag, 17. November 2011

NASA-Sonde findet erstmals konkrete Hinweise auf flüssiges Wasser auf Jupitermond Europa

Künstlerische Darstellung des von den Wissenschaftlern vorhergesagten "Großen Sees" auf dem Jupitermond Europa (Illu., Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen) | Copyright: Britney Schmidt/Dead Pixel VFX/Univ. of Texas at Austin

Washington/ USA - Anhand von Daten der NASA-Sonde Galileo haben US-Wissenschaftler erstmals konkrete Hinweise, wen nicht sogar Beweise, für einen innerhalb der kilometerdicken Eiskruste des Jupitermonds Europa eingeschlossenen gewaltigen flüssigen Wassersee mit einem Volumen, das dem der Großen Seen Nordamerikas entspricht, entdeckt. Des Weiteren deuten die Daten auf einen signifikanten Austausch zwischen dem Eispanzer und einem darunter verborgenen globalen Ozean hin, in dem dann möglicherweise auch Leben entstanden sein könnte.

Wie das Team um Britney Schmidt von der "University of Texas" in Austin und der Direktorin des "Astrobiology Program" der NASA, Mary Voytek, aktuell im Wissenschaftsjournal "Nature" berichten, zeigen die nun ausgewerteten Daten "faszinierende Möglichkeiten" auf. Zuvor wollen die Forscher ihre Daten jedoch noch mit der weltweiten Wissenschaftsgemeinde teilen, "bevor wir die Auswirkungen und Konsequenzen der Ergebnisse auch voll und ganz würdigen können."

Die Galileo-Sonde wurde 1989 vom Space Shuttle "Atlantis" aus in Richtung des Jupiter-Systems gestartet. Zu den wichtigsten Entdeckungen der Sonde gehörten erste Hinweise auf einen möglicherweise unterhalb der Eiskruste verborgenen Ozean aus Salzwasser. Dieser könnte tief genug sein, um die ganze eigentliche feste Oberfläche des Mondes global bedecken und die Gesamtmenge allen Wassers auf der Erde übersteigen könnte. Aufgrund der großen Entfernung zur Sonne, ist die Oberfläche dieses vermuteten Ozeans vollständig und kilometerdick zugefroren.

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Bislang vermuteten einige Wissenschaftler dass die Eiskruste derart dick sein könnte, sodass die Oberfläche nicht in Wechselwirkung mit dem darunter liegenden Ozean treten kann und somit kaum die Möglichkeit bestünde, dass darunter biologische Prozesse in Gang gebracht bzw. aufrechterhalten werden könnten.

"Unsere Daten erbringen nun jedoch Beweise dafür, dass es sich zwar um eine dicke Eiskruste handelt, dass sich deren Material jedoch im ständigen und energischen Austausch befindet. Zudem gibt es neue Beweise für gigantische seichte Seen (in dem Eispanzer)", so Schmidt.

In dieser Falschfarbendarstellung der Region Thera Macula markieren Pink- und Rot-Töne die höchstgelegenen Erhebungen einer chaotisch strukturierten Geländeform innerhalb der sonst relativ flachen Ebene. Darunter vermuten die Forscher einen gewaltigen See flüssigen Wassers. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen. | Copyright: Paul Schenk/NASA

Künstlerische Interpretation der Chaos-Region auf Euopa. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.) | Copyright/Quelle: NASA

Die neuen Hin- und Beweise fanden Schmidt und ihre Kollegen beim Studium von Aufnahmen, die die Galileo-Sonde von zwei chaotisch strukturierten, hügeligen, annähernd runden Oberflächenstrukturen auf Europa mit dem Namen Chaos Terrains in der Region Thera Macula (s. Abb.). Nach dem Vorbild ähnlicher Prozesse auf der Erde - wie sie beispielsweise anhand von Eisschelfs und unter Vulkane überlagernden Gletschern zu finden sind - haben die Forscher ein Vier-Phasen-Modell entwickelt, um zu erklären, wie sich diese Geländerform bilden kann.

Das Vier-Phasen-Modell der Entstehung der chaotischen Geländestruktur, des damit einhergehenden Materialaustauschs und des verborgenen Sees im Eispanzer von Europa. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen. Das Originaldiagramm in englischer Sprache finden Sie HIER) | Copyright/Quelle: NASA (dt. Übersetzung: grenzwissenschaft-aktuell.de)

Abschließend kamen die Forscher zu dem Schluss, dass die beiden runden Strukturen in dieser Chaoszone das Ergebnis eines umfassenden Materialaustauschs zwischen der Eiskruste selbst einem darin eingebetteten See sind. Auf diese Weise lässt sich dann auch ein Modell ableiten, welches erklärt, wie auch Nährstoffe und Energie von der Oberfläche der Eiskruste in einem darunter liegenden globalen Ozean gelangen und hier die Wahrscheinlichkeit für Leben erhöhen könnten.

Animation der Entstehung des chaotischen Terrains über dem seichten "Großen See" auf Europa

Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten


Obwohl sich die Wissenschaftler angesichts ihres Modells ziemlich sicher sind, kann aufgrund der tiefen Lage des wahrscheinlich vorhandenen Sees 8in mehren Kilometern Tiefe) nur eine zukünftige Sondenmission, innerhalb derer eine Bohrkopfsonde die Eiskruste durchdringen könnte, eindeutige Antworten liefern. Tatsächlich liegt eine solche Mission derzeit auf den Planungstischen der NASA (...wir berichteten, s. Links).

"Ohne die Grundlage von rund 20 Jahren Forschung und Beobachtung von Eisdecken und treibendem Eisschelf auf der Erde, wer dieses neue Verständnis der Prozesse auf Europa wäre nicht möglich gewesen", fügt einer der Koautoren, Don Blankenship, die Studienergebnisse kommentierend hinzu.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / nasa.gov / utexas.edu
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