Dienstag, 10. September 2013

Miniatur-Kunstwerke im Regenwald stellen Biologen vor ein Rätsel


Rätselhaftes Gewebe im peruanischen Regenwald. | Copyright: Tambopata Research Center, Troy S. Alexander

Tambopata (Peru) - Im Regenwald des südöstlichen Perus haben Forscher Kleinststrukturen offenbar aus natürlicher Insektenseide entdeckt, für die sie auch drei Monate später noch immer keine eindeutige Erklärung gefunden haben.

UPDATE 27.12 2013

Nach einer erneuten Expedition in den peruanischen Regenwald, ist es Biologen um Phil Torres nun gelungen, den Hersteller der filligranen Kunstwerke zu identifizieren. Weitere Informationen und ein Video dazu finden Sie (markiert) am Ende dieser Meldung...


Fotos der Struktur zeigen eine Art verzwirbelten Turm, der von einem regelrechten Palisadenzaun umgeben ist. Entdeckt wurde das nur zwei Zentimeter durchmessende Kunstwerk schon am 7. Juni in der Nähe des Tambopata Research Center von dem US-Amerikanischen Studenten Troy S. Alexander von der Georgia Tech. Kurze Zeit später entdeckten die Forscher drei weitere ähnliche Strukturen auf Baumstümpfen in der direkten Umgebung.


Trotz der Bemühungen der Forscher, die Struktur bzw. ihren Hersteller auch mit Hilfe von Kollegen und der Verbreitung der Bilder im Internet zu identifizieren, konnte bislang nicht bestimmt werden, welches Tier diese Miniatur-Kunstwerke und zu welchem Zweck genau herstellt.



Weitere Aufnahmen der rätselhaften Strukturen. | Copyright: Tambopata Research Center, Troy S. Alexander

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Tatsächlich ist der peruanische Regenwald rund um das Forschungszentrum für seine bizarren tierischen Kunstwerke bekannt. Erst kürzlich berichteten wir über die Entdeckung einer Spinnenart, die übergroße Spinnen-Puppen herstellt und diese in ihren Netzen platziert.

Hier entdeckten Forscher vor einiger Zeit auch eine Mottenart, deren Puppe um sich herum eine netzartige Kokon-Struktur webt – und das aus gutem Grund: Während die Puppen einiger anderer Falter dichte Kokons um sich herum wirken, benötigt der hiesige Vertreter der Urodidae-Falter einen Kokon, aus dem im feuchten Regenwald Wasser auch herauslaufen kann, damit die atmende Puppe nicht in ihrem eigenen Kokon ertrinkt.



Natürliche 3D-Drucker: Der Kokon eines Urodidae-Falters. | Copyright: Jeff Cremer, Rainforest Expeditions - blog.perunature.com


Am ehesten gleicht das aktuell diskutierte seidene Kunstwerk jedoch den Kokon-Nestern sogenannter Zwergwickler-Falter (Bucculatricidae)



Das "umzäunte" Kokon-Nest eines Zwergwicklers. | Copyright: MJ Hatfield, bugguide.net – Creative Commons License

UPDATE 27.12.2013

Nachdem Biologen um Phil Torres auf einer kleinen Insel rund 45 weitere der kleinen Kunstwerke entdeckt und diese intensiv untersucht und beobachtet hatten, zeigte sich, dass aus der Mitte der Strukturen kleine Spinnen schlüpften. Für Spinnen eigentlich ungewöhnlich, wurden die Eier in dem sonderbaren Nest offenbar unbeschützt zurück und sich selbst überlassen. Noch ungewöhnlicher erscheint der Um stand, dass es sich bei dieser noch genauer zu bestimmenden Spinne offenbar um die bislang einzige bekannte Spinnenart handelt, die lediglich ein einzelnes Ei legt.

Frisch im Innern der zaunartigen Strukture geschlüpftes Spinnenkind. | Copyright/Quelle: Jef Cremer / perunature.com

Der Umstand, dass sich im Innern der zaunartigen Strukturen Milben fanden, die offenbar darin gefangen waren, lässt die Forscher vermuten, dass die Strukturen genau zu diesem Zweck, dem Schlüpfen der jungen Spinnen und für deren erstes Mahl, konstruiert werden.

Eingepfärchte Milben (m.). | Copyright/Quelle: Jeff Cremer / perunature.com

Den Vorgang der Konstruktion dieser Miniatur-Kunstwerke selbst konnten die Forscher indes noch nicht beobachten oder gar dokumentieren. Ein klein wenig rätselhaft bleibt das Nest der - in Anlehnung an den berühmten Steinkreis - als "Silkhenge-Spinne" benannten Spinnen also auch weiterhin...



Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten


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