Mittwoch, 16. April 2014

Meta-Analyse bestätigt: Der Mensch hat die Fähigkeit zur Vorahnung


Symbolbild: PSI (Illu.). | Copyright: grewi.de

Ithaca (USA) - Im Herbst 2010 schockierte der bis dahin selbst im wissenschaftlichen Mainstream angesehene Psychologe Prof. Daryl Bem die naturwissenschaftliche Gemeinde mit einer in der nicht weniger respektierten Fachzeitschrift "Journal of Personality and Social Psychology" veröffentlichten Studie. In dieser erklärte er, den Beweis für die Fähigkeit des Menschen zur Vorherahnung zukünftiger Ereignisse gefunden zu haben. Obwohl seither der Expertenstreit um die Interpretation der Ergebnisse unvermindert andauert, konzentrierten sich die meisten Medienberichte primär auf jene überprüfenden Experimente unabhängiger Forscher, die angesichts der von Bem ausführlich zur Replikation beschriebenen Experimente und Methoden zu negativen Ergebnissen gekommen waren. Tatsächlich gab es aber auch eine Vielzahl von Beispielen mit positivem, also Bems Ergebnisse bestätigendem Ausgang (...wir berichteten). Jetzt hat Bem gemeinsam mit Kollegen sämtliche Replikations-Experimente einer Meta-Analyse unterzogen. Das Ergebnis belegt Bems erste Ergebnisse und beweist damit, dass uns Menschen die Fähigkeit zur Vorahnung gegeben ist.

Insgesamt haben die Forscher 90 Experimente in ihre Meta-Analyse der Studien einbezogen, die in 33 unterschiedlichen und voneinander unabhängigen Labors, in 14 Ländern und unter der Teilnahme von 12.406 Probanden durchgeführt wurden. 51 der auf diese Weise untersuchten Studien wurden zudem in Fachzeitschriften (Peer-Review) oder auch Expertenkonferenzen veröffentlicht.


Das Ergebnis: Zusammengenommen belegen die Experimente Bems Schlussfolgerung über die Fähigkeit der anomalen Vorahnung zufälliger zukünftiger Ereignisse. Dieses Ergebnis liege deutlich über jeder Zufallsquote und erfülle sämtliche statistischen Anforderungen eines eindeutigen Beweises im Sinne der experimentellen Hypothese, schreiben Bem, Patrizio E. Tressoldi von der Università di Padova, Thomas Rabeyron von der Université de Nantes und der unabhängige Forscher Michael Duggan in ihrem auf der Seite des "Social Science Research Networks" (SSRN) veröffentlichten Artikel.


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +
 
In ihrer Analyse beachteten die Forscher natürlich auch das sogenannte "Schubladenproblem" (Publikationsbias), welches das Risiko beschreibt, wonach bevorzugt Experimente mit positivem Ergebnis veröffentlicht wurden, da diese erwartungsgemäß sehr viel interessanter sind als negative Ergebnisse. In ihrer Publikation belegen die Autoren aber auch hier anhand ausführlicher Statistiken, dass dieser Effekt als unwahrscheinlich betrachtet werden kann.


Zugleich gestehen die Autoren zwar ein, dass die Meta-Analyse zwar statistisch hochgradig signifikante Ergebnisse aufzeige, dass aber die statistische Größe des belegten "vorhersehenden" Effekts (Effektgröße/Effektstärke) aber sehr klein sei. Hierzu kommentieren sie, dass aber "selbst sehr kleine Effekte sowohl theoretische Bedeutung als auch praktischen Nutzwert haben können." Als vergleichendes Beispiel hierfür zitieren die Forscher etwa eine medizinische Studie, mit der untersucht werden sollte, ob die tägliche Gabe von Aspirin Herzschlägen vorbeugen könne. Diese Studie wurde nach sechs Jahren eingestellt, da anhand der bis dahin gewonnenen Daten gezeigt werden konnte, dass die Aspirinbehandlung wirkte und entschieden wurde, dass es ethisch nicht vertretbar sei, der Kontrollgruppe weiterhin Placebos zu verabreichen. Obwohl also die Studie selbst als großer medizinischer Durchbruch gefeiert wurde, war der bis dahin nachgewiesene Aspirin-Effekt mit (d ≈.07) sehr klein und entsprach damit nur einem Drittel der Effektgröße des in Bems ursprünglichen Experimenten nachgewiesenen Vorahnungseffekts.


Interessanterweise geht aus der Meta-Analyse auch hervor, dass erotische Stimuli (beispielsweise erotische Fotografien) zu einer größeren Effektstärke führten als andere...

Hintergrund:
Prof. Daryl Bems Experimente und Ergebnisse
In seinen Experimenten nutzte Bem bereits bekannte psychologische Phänomene - kehrte deren Chronologie jedoch um. So beruht eines der Experimente beispielsweise auf dem bekannten Phänomen, dass es leichter fällt, sich zukünftig Wörter zu merken, wenn diese zuvor eingeübt wurden.

Hierzu wurden 100 CU-Studenten eine Liste mit bekannten Wörtern vorgelegt. Für jedes Wort hatten die Studenten drei Sekunden lang Zeit, um es sich zu merken und zu visualisieren. Danach sollten sich die Teilnehmer an so viele Wörter der Liste wie möglich erinnern und diese aufschreiben. Danach wählte ein Computer die Hälfte der Wörter aus der Liste nach dem Zufallsprinzip aus. Diese Wörter sollten die Studenten erneut mehrmals als Erinnerungsübung abschreiben.


Das erstaunliche Ergebnis des Experiments zeigte, dass die Studenten mit höherer Wahrscheinlichkeit sich im vorigen Erinnerungstest an genau jene Wörter besser erinnerten, die sie erst später erneut aufgrund der zufallsgenerierten Computervorgabe abschreiben sollten.


In einem weiteren Experiment drehte Bem die Chronologie des psychologischen sogenannten Priming-Tests um, in dem normalerweise die Versuchspersonen innerhalb kürzester Zeit die Darstellung eines Bildes oder Fotos positiv oder negativ bewerten sollen. Frühere Studien hatten gezeigt, dass mit dem Bild extrem kurzzeitig eingeblendete Wörter (sublimal priming) die Reaktionsgeschwindigkeit und die Richtigkeit der Zuordnung bei derartigen Tests deutlich erhöhen können. Der Grund hierfür liegt in dem Umstand, dass unser Hirn diese Wörter unterbewusst wahrnimmt, obwohl sie viel zu kurz eingeblendet werden, um bewusst wahrgenommen zu werden.


Die Übereinstimmung des beschreibenden Wortes mit dem Bildinhalt beeinflusst nachweislich die Schnelligkeit unserer Reaktion auf das Bild. Wird beispielsweise das Wort "schön" zu dem Foto eines Kätzchens eingeblitzt, so erhöht sich die richtige Bewertung des Bildes deutlich im Vergleich zu jenen Versuchen, in denen gemeinsam mit der jungen Katze das Wort "hässlich" eingeblendet wird. Psychologen gehen davon aus, dass das unterbewusste Wahrnehmen des Wortes "schön" uns unterbewusst darauf einstellt, auch ein schönes Bild zu sehen. Stimmen Wort- und Bildeigenschaft nicht überein, wird die entsprechende Reaktion verzögert.


In Bems Versuch wurde das sublimal eingeblendete und beschreibende Wort nun jedoch nicht "vor" oder zeitgleich mit dem Bild, sondern erst eingeblendet, "nachdem" die Testperson ihre Wahl bereits getroffen hatte.


Die Versuchsergebnisse zeigten auch hier, dass die Probanden das Bild schneller richtig einschätzen konnten, wenn das Bild von einem passenden Wort gefolgt wurde. Es hatte also den Anschein, als wisse das Gehirn noch während das Bild gezeigt wurde, welches Wort eingeblendet werden wird.
WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Neue Meta-Analyse bestätigt: Wir können bis zu 10 Sekunden unbewusst in die Zukunft sehen 6. März 2014
Präkognition: Überprüfende Studien bestätigen Daryl Bems Studie zur Vorahnung 21. Januar 2014  Neue Meta-Analyse: Haben wir die physiologische Fähigkeit des Vorfühlens? 26. Oktober 2012
Kontroverse um Präkognitions-Studie: Meta-Analyse findet ebenfalls keine Hinweise für übersinnliche Vorahnung 10. September 2012
Überprüfende Studie findet keine Bestätigung für übersinnliche Vorahnung 17. März 2012
Studie zu übersinnlicher Vorahnung sorgt für Empörung unter Wissenschaftlern
10. Januar 2011
Präkognition: Haben Psychologen Beweise für übersinnliche Vorahnung gefunden? 22. Oktober 2010


grenzwissenschaft-aktuell.de
Quellen: ssrn.com, dailygrail.com
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE