Dienstag, 10. Juni 2014

Künstliche Intelligenz: Computer besteht erstmals den Turing-Test


Symbolbild: Ein Roboter (o.) reicht einem Astronauten die Hand. | Copyright: NASA

London (England) - Mit dem sogenannten "Turing Test" hatte sich der Vater der modernen Information, der britische Informatiker Alan Turing, 1950 einen Test ausgedacht, um festzustellen, ob eine Maschine ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen hat. Jetzt berichten britische Wissenschaftler, dass der Supercomputer "Eugene Goostman" mittels eines Chatbot-Computerprogramms, das einen 13-jährigen Jungen simuliert, 33 Prozent der menschlichen Juroren davon überzeugen konnte, dass es sich um einen wirklichen Menschen handelt. Damit gilt der Test als vom Computer bestanden.

UPDATE 11. Juni 2014

Aufgrund der bereits in unserer Meldung vorhergesagten und absehbaren Kontroverse um das aktuelle Test-Ergebnis und zahlreicher Leserzuschriften haben wir diese Meldung mit einem kritischen Update aktualisiert. Dieses finden Sie am Ende der folgenden Meldung.

Der "historische Meilenstein auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz" gelang den Informatikern beim diesjährigen Turing-Test an der altehrwürdigen Royal Society in London am vergangenen Samstag. Insgesamt beteiligten sich fünf Teams mit ihren Computern an den Versuchen um den unter Informatikern legendären Nachweis künstlicher Intelligenz.


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Beim Turing-Test führen menschliche Fragesteller bzw. Juroren mit zwei ihnen unbekannten Gesprächspartnern eine Unterhaltung, die alleinig über eine Computertastatur und Bildschirm, jedoch ohne Sicht- und Hörkontakt geführt wird. Während es sich bei einem der Gesprächspartner um einen Computer handelt, versuchen jedoch beide, ihr menschliches Gegenüber davon zu überzeugen, dass sie ein Mensch sind. Gelingt es der Maschine bzw. dem Computer, die Juroren davon zu überzeugen, dass er der Mensch ist, bzw. die Juroren dazu zu bringen, nicht mehr mit Bestimmtheit zwischen Mensch und Computer unterscheiden zu können, hat die Maschine den Turing-Test bestanden, und es wird dem Computer - ein dem Menschen ebenbürtiges Denkvermögen unterstellt.


Das Eugene-Programm selbst wurde im russischen St. Petersburg von einem Team um den ukrainisch-amerikanischen Informatiker Vladimir Veselow geschrieben.
Im aktuellen Test galt dieser als vom Computer bestanden, sobald er mindestens ein Drittel der 30 Juroren von seiner vermeintlichen Menschlichkeit überzeugen konnte.


"Obwohl nun wahrscheinlich einige Kommentatoren behaupten werden, dass der Turing-Test doch schon zuvor von einigen Computer bestanden wurde, so handelt es sich hierbei jedoch eindeutig um den bislang nochwertigsten und eindeutigsten Fall, in dem ein Computer diesen Test bestand", kommentiert der Beobachter der Universität Reading, Professor Kevin Warwick, Ablauf und Ergebnis des Tests und erläutert weiter: "In einem echten Turing-Test werden beispielsweise die Gesprächsthemen nicht schon vorher festgelegt. Aus diesem Grund sind wir sehr stolz erklären zu können, dass ein wirklicher Turing-Test erst am vergangen Sonntag bestanden wurde."


Das Ergebnis habe auch Auswirkungen auf die heutige Gesellschaft, so der Forscher. "Der Umstand, dass es nun einen Computer gibt, der einen Menschen davon überzeugen kann, dass er (der Computer) ein anderer Mensch ist, vielleicht sogar eine Person der wir vertrauen, ist neben anderem ein wahrer Weckruf in Sachen Cyberkriminalität", so Warwick.


UPDATE 11. Juni 2014

Wie dies zu erwarten war, sorgt die Meldung über den bestandenen Turing-Test des Chatbot-Programms "Eugene" seit ihrer Veröffentlichung für heftige Kontroversen. Kritiker der Behauptung des bestandenen Tests verweisen vornehmlich auf folgende Punkte:
- Alan Turing hat keine präzise Testumgebung beschrieben, jedoch ist davon auszugehen dass er eine eingehende Konversation gemeint hat. Im Vorliegenden Fall jedoch gibt es mehrere Einschränkungen.

So  musste der Computer keine präzise Grammatik beherrschen, da er angeblich ein 13-jähriger Junge aus der Ukraine war. Dadurch, so die Kritik, wurden sprachliche Fehler von den Juroren sehr viel eher verziehen als wenn sie von einem Muttersprachler ausgegangen wären.

Schließlich kommuniziere auch ein 13-jähriger Junge auf eine sehr verschiedene Art als ein Erwachsener. tatsächlich geht aus dem folgenden Time-Artikel hervor, dass "Eugene" oft an Fragen vorbei geantwortet hat und auch Fragen komplett ausgewichen ist, indem er das Thema gewechselt hat: http://time.com/2847900/eugene-goostman-turing-test/

Während man einem 13jährigen derartiges sicherlich gerne nachsieht, schwebte Alan Turing bei der Konzeption seines Tests wahrscheinlich nicht ein Computer vor, der ein Kind imitiert, sondern ein erwachsener Gesprächspartner, der kritisch Antwortet. Durch die Akklamation ein 13jähriger zu sein, hätten die Schöpfer von Eugene einen nützlichen psychologischen Trick angewandt um ein weniger scharfes Nachfragen der Tester zu erreichen, so die Kritiker weiter.

Zu all dem komme noch hinzu, dass die Juroren für die gesamte Konversation, also mit Mensch und Computer insgesamt nur fünf Minuten Zeit hatten. Es blieben also nur 2,5 Minuten für die Unterhaltung mit Eugene. Eine solche kurze Zeitspanne, so die Kritiker abschließend, lasse sich durch ausweichende Antworten sehr viel leichter überbrücken als etwa eine halbe Stunde.

Übereinstimmend kommen Kritiker zu dem Schluss: "Zweifellos wäre es aufgefallen, wenn Eugene eine halbe Stunde lang stets den Fragen ausgewichen wäre."


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