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Montag, 12. November 2007

Medienspiegel: „National Geographic TV“, Kornkreise und Kornkreisfälscher

Nächtliche Filmarbeiten der Kornkreisfälscher durch „National Geographic“ im Sommer 2004 | Copyright: Frank Laumen

Seit das Kornkreisphänomen in den frühen 1990er Jahren auch von den internationalen Medien entdeckt wurde, widmete auch der „National Geographic (NG)“ einige Beiträge dem Thema. Schon der erste Beitrag erklärte das Phänomen zu einem großangelegten Schwindel und versuchte, die damaligen Forscher als naive Wundergläubige darzustellen. Mit dieser frühen „Rundum-Antwort“, so möchte man meinen, hätte sich das Thema für NG erledigt. Doch in den Folgejahren gab es immer wieder neue Beiträge, für die NG immer wieder auch Kornkreise fälschen ließ – nur der Grundtenor blieb gleich. Eine Artikelreihe von Kornkreisforschern gibt nun Einblick in die Hintergründe dieser Aktivitäten.

In den Artikeln, die jetzt exklusiv auf „Kornkreise-Forschung.de“ veröffentlicht wurden, berichten Kornkreis-Pionier Colin Andrews, die englischen Kornkreisfotografin Lucy Pringle, die amerikanische Forscherin Nancy Talbott (BLT) und der deutsche Kornkreisforscher und Sachbuchautor Andreas Müller über ihre Erfahrungen mit den Machern der „National Geographic“ Sendungen.

In seinem Artikel berichtet Kornkreisforscher Colin Andrews, dass „National Geographic“ schon lange vor der Veröffentlichung der Zeitungsgeschichte um die beiden Fälscher-Rentner Doug Bower und Dave Chorley (die 1991 behauptet hatten, alle Kornkreise gefälscht zu haben - später diese Aussage jedoch aufgrund zu vieler Kornkreise, die zudem aus allen Teilen der Welt dokumentiert worden waren, auf einige wenige Exemplare korrigierten) von dem großangelegten Zeitungs-Coup informiert war: „Mitarbeiter von ‚National Geographic’ haben meinen Kontakten in der damaligen englischen Regierung erzählt, dass der französische Geheimdienst NG über die in Vorbereitung stehende Geschichte um Doug & Dave informiert hatte. (...) Noch bevor der Journalist der englischen Zeitung ‚Today’, Graham Brough, mit Doug & Dave den Vertrag über die Exklusivrechte der Story unterzeichnen konnte, kam ein Team des NG nach England, um den ersten Beitrag für das TV-Format von NG zu produzieren. Interviewt wurden die damaligen Feldforscher Pat Delgado, Dr. Terence Meaden und ich. (...) Das Produkt dieser Dreharbeiten war ein Beitrag,der offenkundig darauf ausgelegt war, uns als Clowns darstehen zu lassen und das Thema lächerlich zu machen.“

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Auch ein NG-Beitrag, der im Sommer 2004 in England gedreht wurde, beinhalte wissentliche Falschaussagen, Andrews: „Zu einer darin zu sehenden Filmsequenz der Porduktionsfirma ‚Circlevision’, in der Doug & Dave beim Anlegen eines Kornkreises gefilmt wurden, wird in der Sendung behauptet, sie sei heimlich und ohne Wissen der Fälscher entstanden. Tatsächlich liegen mir 100-prozentige Beweise dafür vor, dass Doug & Dave für das Anlegen dieser Kornkreisformation bezahlt wurden und von ‚Circlevision’ selbst zum Feld gefahren wurden. Dabei handelte es sich um das selbe Team, dass dann die Fälscherarbeit filmte und das Bildmaterial kurz darauf an NG zu verkaufen, die genau wussten, wie es zustande gekommen ist.“

Im Sommer 2004 filmte NG erneut in den Feldern rund um Avebury in der englischen Grafschaft Wiltshire, beauftragten bekannte Kornkreisfälscher Kornkreisformationen anzulegen - und wurden dabei von einem Team internationaler Kornkreisforschern beobachtet. Offiziell hatte NG zuvor Kornkreisforschern gegenüber versichert, dass ein ausgewogner Beitrag zum Thema Kornkreise geplant sei.

Gemeinsam mit den Forschern Frank Laumen und Dirk Möller und Bert Janssen war auch Kornkreisforscher Andreas Müller vor Ort, um sowohl die nächtlichen Aufnahmen, als auch die Demonstrationsanlegung am helllichten Tag zu beobachten. Dabei hatten die Forscher auch Gelegenheit, mit einigen Mitgliedern des NG-Kamerateams zu sprechen. Auf die kritische Frage, wie ausgewogen ein TV-Beitrag angesichts eines derart hohen Fälscher-Aufwandes sein könne, bekamen die erstaunten Forscher dabei sehr konkrete Antworten: „Die Sendung wird möglicherweise nicht ganz so ausgewogene, wie das offiziell behauptet wird!“ Auf den Hinweis, dass ein Programm wie „National Geographic“ aufgrund des guten Rufes doch eine gewisse Verantwortung zur objektiven Berichterstattung habe, hieß es wortwörtlich: „Hey, that’s just fucking televison and National Geographic is just a fucking brand! (Hey, das hier ist lediglich verdammtes Fernsehen und „National Geographic“ ist nur eine verdammte Produktmarke!)“

Das Ergebnis einer täglichen Demonstrationsanlegung für „National Geographic“ im Sommer 2004 | Copyright: Frank Laumen

Gegenüber der amerikanischen Kornkreisforscherin Nancy Talbott gestand der verantwortliche NG-Redakteur, dass er für den entstehenden Beitrag nur ein sehr begrenztes Budget zur Verfügung habe und aus diesem Grund nicht die Zeit und das Geld habe, das Thema intensiv zu recherchieren. Aus diesem Grund habe er sich entschlossen, in England hauptsächlich Kornkreisfälscher bei der Arbeit zu filmen. Erneut auf die journalistische Verantwortung eines Formats wie NG angesprochen erklärte der Redakteur lediglich, dass er eine Familie zu versorgen habe und das Geld dringend brauche.

Entgegen der vorigen Behauptung, dass kaum Geld für die Produktion zur Verfügung stehe, war in England plötzlich Geld vorhanden, um das bekanntermaßen teuerste Team on Kornkreisfälschern zu engagieren, ganze Felder und Anfahrtswege anzumieten und mit einen gigantischen Medienzirkus und Aufwand an technischen Geräten die Fälscher beim Kornkreistrampeln zu filmen.

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Eine ausführliche Diskussion der im NG-Beitrag meist fehlerhaft dargestellten wissenschaftlichen Beweise für ein „echtes“ (also nicht von Menschen getrampeltes) Phänomen durch Nancy Talbott finden Sie HIER

Kornkreisfälschung im Auftrag von „National Geographic“ im Sommer 2007 | Copyright: Lucy Pringle

Auch im vergangenen Sommer (2007) kam National Geographic zurück nach England. Als eine der ersten Forscher wurde die englische Kornkreisforscherin und –fotografin Lucy Pringle interviewt. Dabei wurde ihr zugesichert, dass man „an den wissenschaftlichen Forschungsergebnissen interessiert sei“. Auf Nachfragen erklärte das NG-Team zudem, dass Frau Pringle die einzige sei, die man zum Thema Kornkreise (das als eines von mehren Themen in einer Episode der Sendereihe"I Didn’t Know That" (Das hab' ich nicht gewusst) interviewen wolle. Als Ort des Interviews schlug das Kamerateam einen neuen Kornkreis in einem Feld zwischen Cherhill und Yatesbury vor. Nur kurz später gestand das TV-Team ein, dass genau dieser Kornkreis im Auftrag von NG angelegt worden war. „Spätestens jetzt war klar, dass ich ganz sicher nicht die einzige Gesprächspartnerin des Fernsehteams gewesen war“, merkt Lucy Pringle in ihrem Artikel ironisch an. „Das ist das, was die Leute sehen wollen“, so die Erklärung des Produktionsteams auf Pringles Frage, warum es hauptsächlich um gefälschte Kornkreise gehe.

„In der heutigen schnelllebigen medialen Zeit, in der Sensationalismus meist Vorrang vor Journalismus hat, ist es eigentlich nicht wirklich wichtig, welche Kernaussage ein TV-Beitrag (der nach Sendetermin schon wieder von 95% der Zuschauer vergessen wird) hat. Beobachtete man jedoch, wie einfach es angeblich seriösen und meinungsbildenden Formaten fällt, seine Zuschauer bewusst zu belügen oder Inhalte zu produzieren, die lediglich vorgefaßte Meinungen des Mainstreams widerspiegeln und auf das Weltbild von Programmchefs zugeschnitten sind, ist das fast schon unheimlich – und das sollte uns nicht nur im Kornkreis-Kontext zu denken geben“, kommentiert Müller seine Medienanalyse.

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Quelle: kornkreise-forschung.de / grenzwissenschaft-aktuell.de
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