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Samstag, 20. Oktober 2007

Heute vor 40 Jahren: Patterson und Gimlin filmen Bigfoot

Standbild aus dem Bigfoot-Film von 1967 | Copyright: Patterson u. Gimlin

Bluff Creek/ USA – Heute vor 40 Jahren entstanden die wahrscheinlich meist diskutierten Filmaufnahmen, die angeblich den legendären Waldmenschen „Bigfoot“ zeigen sollen. Grund für uns, einen Blick zurück und auf die Geschichte und Diskussionen rund um die Aufnahmen zu werfen.

Es war am frühen Nachmittag des 20. Oktober 1967, als sich der an den Legenden um den Bigfoot interessierte Roger Patterson (gest. 1972) und der nach eigener Aussage eher skeptisch eingestellte Robert Gimlin auf der Suche nach dem mysteriösen Waldmenschen am Bluff Creek im Six Rivers National Forest in Nordkalifornien unterwegs waren– ausgerüstet unter anderem mit einer hochwertigen 16 Millimeter „Cine-Kodak K-100“ Kamera.

Als sie einen großen umgefallenen Baum umrundet hatten, sahen sie plötzlich am Ufer des Baches, in anfänglich weniger als zehn Metern Entfernung, ein merkwürdiges und behaartes, affenartiges Wesen knien. Nur wenige Augenblicke später versuchte Patterson die Filmkamera drehbereit zu machen.

Jetzt war das Wesen jedoch schon ein gutes Stück entfernt und Patterson begann - während er filmte - dem Wesen zu folgen. Dabei gelangen ihm die berühmten Aufnahmen, auf denen das behaarte und auf zwei Beinen aufrecht gehende Geschöpf trotz der teilweise wackeligen Kameraführung doch sehr deutlich zu erkennen ist, und sich offenbar beim steten Davongehen sogar noch einmal nach den Männern umschaut, bevor es im Unterholz des Waldes verschwindet.


Klicken sie auf die Bildmitte, um den Originalfilm inkl. Detailstudien zu starten | Copyright: Pattern u. Gimlin

Gimlin und Patterson gelang es nach eigenen Aussagen, den Bigfoot, unter anderem aufgrund seiner Fußspuren, noch etwa 3 Meilen in den Wald hinein zu verfolgen, bevor sich seine Spur im Dickicht verlor. Nur wenige Stunden später versuchten die beiden Männer vergeblich weitere Helfer für eine ausgedehnte Suche nach dem mysteriösen Wesen zu finden. Noch einen Tag später waren die Fußspuren am Bluff Creek deutlich zu erkennen, wurden vermessen, fotografiert und in Gips abgegossen.

Die Größe des Wesens schätzte Patterson auf 1,8 bis 2,15 Meter. Unabhängige Untersucher gehen von rund zwei Metern aus. In der Ansicht, sie hätten mit ihrem Film den unwiderlegbaren Beweis für die Existenz des Waldmenschen erbracht, ließen Patterson und Gimlin das Material umgehend entwickeln und suchten nach Wissenschaftlern um dessen Inhalt zu bewerten. Doch schon jetzt wurde die kontroverse Qualität und Brisanz des Films deutlich, als einige Wissenschaftler die Aufnahmen nicht einmal ansehen wollten oder diese direkt und ohne eingehende Prüfung als Fälschung deklarierten.

Bis zu seinem Tod im Jahre 1972 schwor Patterson immer wieder, dass die Aufnahmen seines Filmes authentisch und nicht gestellt seien. Auch Gimlin widerspricht bis heute den Behauptungen von Skeptikern, dass er und Patterson den Film absichtlich gestellt hätten und auf den Aufnahmen lediglich „ein Mann im Affenkostüm“ zu sehen sei. Nur ein einziges Mal ließ sich Gimlin in einem Interview von 1999 zu einer leicht kritischen Äußerung verleiten, als er erklärte, dass er selbst immer geglaubt habe, niemand könne ihn reinlegen. Jetzt, im fortgeschrittenen Alter, könne er sich aber vorstellen, dass Patterson – so er dies beabsichtigt und gut geplant hätte – ein solches Vorhaben vielleicht doch gelungen sein könnte.

Bisher wurde der Film in zahlreichen Dokumentationen und Büchern zum Thema gezeigt, besprochen und wird seither von den unterschiedlichen Fraktionen heftig und kontrovers diskutiert.

Englische Bücher zum Thema:

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Unzweifelhaft, da sind sich Kritiker und Befürworter einig, soll es sich - dass zeigen die Brüste - bei dem wie auch immer gearteten Wesen um ein Weibchen handeln. Allerdings sind die Brüste weder bei Menschen noch bei Affen derart gleichmäßig und dem üblichen Fell ähnelnd behaart, wie bei dem Wesen auf dem Patterson-Gimlin-Film. Dies spreche, so die Kritiker, dafür dass es sich schlicht und einfach nur um einen Menschen in einem Affenkostüm handele.

Gegen diese Annahme spricht nach Ansicht der Fürsprecher des Films nicht nur ein Abgleich mit dem damaligen, noch relativ niedrigen Standart selbst professioneller Film- und Theaterkostümen (Ken Peterson von den Disney-Studios erklärte 1969, dass sie extreme Schwierigkeiten hätten, ein derart gutes Modell bzw. bio-mechatronisches Kostüm zu entwickeln), sondern auch die Art und Weise, wie sich das Wesen bewege. Unterschiedliche Experten, darunter Anthropologen und Anatomen, wie D.W. Grieve von der „Royal Free Hospital School of Medicine“, der den Film 1972 eingehend analysierte sehen in der Bewegungsmotorik des Wesen Merkmale, wie sie nur schwer von einem Menschen im Affenkostüm imitiert werden könnten, bzw. bezweifeln, dass ein selbst noch so gut geplanter Fälschungsversuch die zu sehenden anatomischen Details in Betracht gezogen hätte: Wenn sich das Wesen beispielsweise umdreht, tut es dies, ähnlich wie Gorillas, mit dem ganzen Oberkörper. Der Grund hierfür könnte in einer affenartigen Anatomie liegen, bei der bei einer solchen Drehbewegung sich Kiefer und Schulterknochen im Weg stehen und sich das Tier mit dem ganzen Oberkörper wenden muss, um wirklich zurückzublicken. Wir Menschen haben dieses Problem nicht und so hätte eine solche Bewegung von einem Menschen im Affenkostüm ausgeführt, wahrscheinlich ganz anders ausgesehen. Genau diesen Punkt beanspruchen jedoch auch die Kritiker für sich und unterstellen, dass die menschenartige Drehung des Kopfes deswegen nicht möglich sei, da dem vermeintlichen Schauspieler Polster für die überbreiten Schultern (wie etwa bei American Football) im Weg seien.

Diese Schulterbreite wiederum benennen die Befürworter als Argument in ihre Richtung. Sie stimme nicht mit der eines Menschen von vergleichbarer Größe überein. Hätte man diese mittels eines Kostüms und Polstern verändert, hätte dies die Proportionen der Armlängen und deren Schwingmuster bei Gehen negativ beeinträchtigt – beide Details erscheinen bei dem Wesen im Film jedoch anatomisch korrekt.

Auch andere Merkmale am Gang des Wesens sprechen, so etwa für Grover Krantz, für ein unbekanntes aufrecht gehendes, affenartig- und zugleich menschenähnliches Wesen – kurz einen Bigfoot. So beugt sich etwa das Kniegelenk des Wesens bei Gehen um bis zu 90 Grad. Beim Menschen beträgt dieser Winkel in der Regel bei etwa 70 Grad. Zahlreiche Versuche zeigten, dass es bisher niemandem gelungen ist, eine derartige Beugung absichtlich auszuführen und dennoch weiterhin die natürlich-fließende Gehbewegung, –rhythmus und Schrittlänge des Wesens im Film zu imitieren.

Auch fällt es vielen Experten schwer an einen „Mann im Affenkostüm“ zu glauben, da man auf den Aufnahmen deutlich Muskeln und Sehnen und deren anatomisch korrekte Bewegungen unter dem Fell erkennen könne – im Gegenzug jedoch in keiner Szene die bei einem Kostüm zu erwartenden Falten, Übergänge zwischen Kopf und Rumpf oder Verschlüsse (wie sie in Filme wie „Planet der Affen“, „Stars Wars“ oder „King Kong“ zu sehen sind bzw. durch Kleidungsstücke überdeckt werden mussten) sichtbar werden. Deutlich werde dies besonders am Übergang des Kopfes in die Schulter und Rückenmuskeln sowie an Armen und Beinen, hier besonders an Waden und Kniebeuge. Kritiker, darunter 1973 auch John Napier (ehem. Direktor des „Primate Biology Program“ am Smithsonian Institution) hingegen verneinen diese Beobachtung und erklären, die Qualität des Films sei viel zu schlecht, um derartige Details in aussagekräftiger Qualität erkennen und deuten zu können. Auch zeigten Filme wie Stanley Kubricks „Odyssey 2001“, dass selbst zu dieser Zeit sehr überzeugende Affenkostüme möglich waren – ob für Laien wie Patterson und Gimlin sei jedoch fraglich.

Mit Hilfe moderner Computertechnologie, gelang es M. K. Davis das teilweise stark verwackelte Filmmaterial auf das Wesen zu fokussieren und zu stabilisieren. Seine Analyse unterstützt mittlerweile die Ansicht, dass besagte Muskelbewegungen doch deutlich zu erkennen sind.


Klicken Sie auf die Bildmitte, um die stabilisierte Version (1) des Patterson-Gimlin-Films zu starten | Copyright: M. K. Davis



Klicken Sie auf die Bildmitte, um die stabilisierte Version (2) des Patterson-Gimlin-Films zu starten
| Copyright: M. K. Davis


Bis heute halten sich Behauptungen und Gerüchte verschiedener Personen, die behaupten direkt an der Herstellung des Bigfoot-Films im Sinne einer Fälschung beteiligt gewesen zu sein. Am bekanntesten hierbei war zum einen das Gerücht, dass der Experte für Kino-Spezialeffekte John Chambers (Planet der Affen), Gimlin und Patterson persönlich gekannt und mit ihnen den Film inszeniert habe. Diesen Behauptungen widersprach Chambers allerdings in einem Interview mit Kryptozoologen und stellte klar, dass er die beiden nie gekannte habe und auch nichts mit dem Film zu tun habe. Der Film sei jedoch sehr gelungen und er selbst hätte nicht einmal ansatzweise etwas derartig überzeugendes herstellen können.

Zum anderen machten der Kostümdesigner Philip Morris und später Bob Heironimus von sich reden, als sie unabhängig voneinander behaupteten, an der Herstellung des Kostüms bzw. des Films beteiligt gewesen zu sein.

Morris erklärte in einem Radiointerview im August 2002, dass er 1967 ein entsprechendes Kostüm an Patterson verkauft habe. Dieses habe auf dem Grundmodell aufgebaut, welches in Bühnenshows für einen Trick benutzt wurde, bei dem sich eine hübsche Frau angeblich in einen Gorilla verwandelt (siehe hierzu: "James Bond – Diamantenfieber" von 1971). Dieses Grundmodell habe Patterson mit breiteren Schultern und längeren Armen ausstatten wollen.

Heironimus, selbst 1,8 Meter groß und muskulös gebaut, hingegen behauptet, die Person im Kostüm selbst gewesen zu sein und dafür von Patterson 1000 Dollar bekommen zu haben. Freunde und Verwandte von Heironimus bestätigten, dass dieser bereits 1968/69 eine solche Geschichte erzählt habe und dass sie das Affenkostüm in dessen Auto gesehen hätten.


Demonstration: Heironimus im Affenkostüm von Morris
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Allerdings beschreiben Morris und Heironimus das fragliche Affenkostüm in zahlreichen Details auffallend unterschiedlich, sodass Zweifel laut wurden, dass Heironimus im angeblich von Morris gelieferten Kostüm gesteckt habe.

Ebenfalls im Jahr 2002 erklärte die Familie des in diesem Jahr gestorbenen Ray Wallace, dass Ray es war, der seit 1958 in Nordkalifornien durch gefälschte Fußspuren für Bigfoot-Geschichten gesorgt habe. Noch zu Lebzeiten habe Wallace angeblich erklärt, ihm habe Patterson aufgrund dessen Krebsleidens leid getan. Er habe ihm das liefern wollen, wonach er so lange gesucht und von dem er (Patterson) sich in seiner angeschlagenen finanziellen Situation auch ein gewisses Auskommen erhofft habe. Er habe Patterson dann die Gegend empfohlen und habe ihm dann auch den ersehnten Bigfoot vorgespielt. Selbst Kritiker bezweifeln mittlerweile jedoch, dass Wallace, der für seine prahlerische Art bekannt gewesen sein soll, diese Aussage je gemacht hat. Schließlich wäre eine solche Aktion – ohne Wissen von Patterson und Gimlin – auch sehr gefährlich gewesen, da beide auch Gewehre dabei hatten. Tatsächlich erklärte sie später, in einem kurzen Moment sich gewünscht zu haben, das Wesen mit einem Schuss erlegt zu haben, um all die negativen Diskussionen der Folgejahre zu vermeiden und mit dem Körper des Bigfoot einen noch eindeutigeren Beweis zu präsentiert zu haben.

In den 1970er Jahren präsentiere Wallace selbstgemachte Bigfoot-Filme, um seine Behauptung zu beweisen. Diese fielen jedoch deutlich schlechter aus, als seine angeblich erste Schauspielleistung am Bluff Creek. Später wurden diese Versuche von internationalen Medien mit dem originalen Film von Patterson und Gimlin verwechselt und Wallace (mitsamt Kostüm der 1970er Filme) fälschlicherweise als überführter Fälscher des Originalfilms präsentiert.

So viel bisher über das, was auf den Aufnahmen von Gimlin und Patterson zu sehen ist, auch spekuliert und diskutiert wurde – bislang ist es trotz zahlreicher Versuche (etwa durch ein Team der BBC u.a.) noch nie gelungen, die Qualität der Aufnahmen im Detail zu reproduzieren. Auch wurde noch nie das vermeintliche Original-Kostüm vorgelegt. Für viele Kryptozoolgen gilt der Patterson-Gimlin-Film auch 40 Jahre später als authentisches Dokument. Für die Skeptiker zeigt es immer noch einen „Mann im Affenanzug“. Entscheiden Sie selbst!

Quelle: grenzwissenschaft-aktuell.de /
cryptomundo.com / wikipedia.org

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