Höllische Venusoberfläche | Copyright: NASA/JPLCardiff/ Wales - Wie entstand die Venus? Darüber streiten Wissenschaftler schon seit langem. Jetzt belebt der walisische Planetenforscher Huw Davies von der Cardiff University erneut die Diskussion um die so genannte Crash-Theorie. Demnach sei der "Höllische Zwilling der Erde" bei der gewaltigen Kollision zweier Himmelkörper entstanden.
Etwa gleich große wie unsere Erde und gleichzeitig doch so anders. Neben dem durch eine Atmosphäre aus 96 Prozent Kohlendioxid verursachten globalen Treibhauseffekt und dadurch emporgetriebenen Oberflächentemperaturen von durchschnittlich 450°C, besitzt die Venus keinen Mond, keine Plattentektonik, keine Ozeane und kaum Einschlagskrater. Hinzu rotiert sie in entgegengesetzter Richtung zu allen anderen Planeten unseres Sonnensystems. All diese Anomalien könnte das theoretische Rechenmodell von Davies jetzt in einem Schlag erklären.
Demnach sollen vor rund 4,5 Milliarden Jahren zwei Himmelkörper des noch jungen Planetensystems miteinander kollidiert sein - ein Ereignis, dass zur damaligen Zeit nicht selten war. Auch unser Mond, der Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter und der Kuipergürtel jenseits der Neptunbahn sind wahrscheinlich durch einen solche Zusammenstoß entstanden.
Laut Davies, dessen Ausführungen jetzt im Fachmagazin "Earth and Planetary Science Letters" veröffentlicht werden, seien die beiden Körper etwa halb so groß wie die heutige Venus gewesen und hätten auf einer Umlaufbahn zwischen Merkur und Erde, auf der Position der heutigen Venus, die Sonne umkreist.
Die Venus anhand von Radarkarten im Größenvergleich zur Erde (r.) | Copyright NASA/JPLBislang war die Crash-Theorie in Sachen Venus aus äußerst umstritten, da der Planet keinen Mond besitzt und die meisten Forscher einen Solchen als Ergebnis einer Kollision erwartet hätten. "Wenn jedoch zwei ungefähr gleich große Himmelskörper frontal aufeinanderstoßen, würde nach meinem Modell kein Material in den Weltraum geschleudert, das sich zu einem Trabanten hätte zusammenballen können", erläutert Davies sein Modell. Gleichzeitig wäre es möglich, durch diese Theorie die gegensätzliche Rotation der Venus zu erklären. Das bisher gängige Modell, nach dem auch die Venus - wie alle anderen Planeten - aus derselben protoplanetaren Staubscheibe entstanden sein soll, konnte diese gegenläufige Drehrichtung nur schwer erklären.
Bei der Megakollision wäre auch die Planetenoberfläche neu geformt worden und man könnte so erklären, wieso es kaum Einschlagskrater von Meteoriten gibt. Auch die Kohlendioxid-Atmosphäre wäre durch die Crash-Theorie, anhand der dabei entstandenen Hitze, die das Gestein geschmolzen hätte und das darin gespeicherte Kohlendioxid freisetzte, gut zu erklären. Auch mögliche Ozeane auf den beiden Kollisionskörpern wären dem Crash zum Opfer gefallen.
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Doch auch weiterhin gibt es Fragen und kontroverse Diskussionen. So ist für viele Planetologen nicht klar, wie schnell die Venus ihr einstiges Wasser verloren habe. Angesichts anderer Planeten, so auch anhand der Erde, sei bekannt, dass Wasserstoff über sehr lange Zeiträume durch die Atmosphäre ins All abgeben wird. Zukünftige Venus-Missionen könnten, so hofft Davies, auch diese Frage beantworten. Wäre die Venus doch nicht durch eine Kollision entstanden, hätte sie ihr Wasser nicht - wie vermutet - schlagartig verloren. Über einen längeren Zeitrum wäre ein Teil des Wassers vom Gestein absorbiert worden und könnte somit auch heute noch durch spektroskopische Analysen vor Ort aufgespürt werden. Die Abwesenheit entsprechendr Spuren würde dann wiederum Davies bestätigen.
Schon jetzt arbeitet die japanische Raumfahrtagentur JAXA an ihrem Venusorbiter "Planet-C", der im Dezember 2010 die Venus erreichen soll und mit gekühlten Kameras im infraroten Licht beobachten und die Superrotation der Atmosphäre studieren soll. 2016 will Russland mit einer Landemission namens Venera-D an die früheren Venera-Missionserfolge aus sowjetischer Zeit anknüpfen und dann mehrere Monate die Venusoberfläche studieren. Auch die NASA plant bereits neue Missionen zur Venus. 2013 soll die Raumsonde VISE (Venus In-Situ Explorer) und später, im Rahmen des Discovery-Programms, der Orbiter Vesper zur Venus aufbrechen. derzeit wird die Realisierung dieser Missionen jedoch noch offen diskutiert. Bis dahin wird es weitere Vorbeiflüge anderer Sonden, etwa Messenger und derfür 2013 angesetzten Gemeinsachftsmission von NASA und ESA BepiColombo geben.
Quelle: grenzwissenschaft-aktuell.de / sciencedaily.com / cf.ac.uk
WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA:
Venus Express misst Gase in Venusatmosphäre, 5. Februar 2008
Venus Express: Höllenzwilling der Erde in neuem Licht, 30. November 2007
