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Freitag, 8. Februar 2008

Erzeugt CERN-Urknall-Experiment einen Zeittunnel?

Der Tunnel des LHC-Teilchenbeschleunigers vor dem Einbau der Magnete | Copyright: Nikolai Schwerg/GNU FDL

Moskau/ Russland - Im kommenden Mai plant die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN) das "größte Experiment der Wissenschaftsgeschichte". Im gigantischen Teilchenbeschleuniger der Genfer Anlage sollen Protonen auf Fast-Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden, um dann gelenkt zu kollidieren und so den Urknall en miniature nachzustellen. Kritiker warnen vor unberechenbaren Restrisiken.

Wie die Daily Mail berichtet, glauben russische Forscher sogar, dass das Experiment einen Riss in der Struktur des Universums erzeugen und einen Zeittunnel in die Zukunft öffnen könnte. Die englischen Zeitung beruft sich auf eine Verlautbarung von Irina Aref'eva and Igor Volovich, vom Moskauer Steklov Mathematischen Institut, wonach die dabei freigesetzte Energie ganz nach Einstein einen Zeittunnel in die Zukunft erzeugen könnte. Laut der Einsteinschen Relativitätstheorie verzerren große Energiemassen den sie umgebenden Raum und die Zeit. Wenn, so die Forscher, diese Energiemenge nun groß genug ist bzw. wird, könnten sich diese Parameter zusammenfalten und so sogenannte "Wurmlöcher" im Raum oder Zeittunnel zwischen der Gegenwart und Zukunft entstehen.

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Die Verantwortlichen bei CERN sehen diese Möglichkeit jedoch nicht und zeigen sich gegenüber den russischen Bedenken amüsiert skeptisch. Dr. Brian Cox etwa, hält die Befürchtungen für "nichts weiter als gute Science-Fiction." "In der oberen Atmosphäre finden jederzeit Kollisionen kosmischer Materie statt, die wesentlich energiereicher sind, als alles, was wir derzeit erzeugen können (...) und das bereits seit Milliarden von Jahren, ohne dass Zeitreisende aufgetaucht sind." Der weltberühmte Physiker Stephen Hawking glaubt zudem, dass zukünftige Theorien der Quantengravitation die Möglichkeit von Zeitreisen ausschließen. "Normalerweise verhält sich das Universum vernünftig - Zeitreisen in die Vergangenheit wären absolut unvernünftig", so Cox gegenüber der Mail.

Beim bevorstehenden CERN-Experiment werden im rund 100 Meter unter der Genfer Erde gelegenen und 27 Kilometer langen Large Hadron Collider (LHC) Protonen auf annähernde Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und dann kontrolliert zur Kollision gebracht. 40 Millionen dieser Crashs bei 10 Billionene Grad Celsius spielen sich simultan innerhalb von Sekundenbruchteilen ab. Gesucht werden bei dem Experiment die sogenannten "Gottesteilchen". Dabei handelt es sich genauer gesagt um als "Higgs-Boson" bekannte hypothetische Elementarteilchen, die im Standardmodell der Elementarteilchenphysik vorhergesagt werden. Sie sollen dafür verantwortlich sein, dass Materie im Gegensatz zum Licht überhaupt Masse. Weitere Teilchenfänger sollen die Unterschiede zwischen Materie und Antimaterie und die Bedingungen am Beginn des Universums erforschen.

Higgs-Teilchen sind die einzigen Elementarteilchen des Standardmodells, die experimentell noch nicht nachgewiesen werden konnten. Grund hierfür ist, dass die Produktionsrate im Energiebereich bestehender Elementarteilchenbeschleuniger zu gering ist. Erst mit dem rund drei Milliarden teuren "Großen Hadronenbeschleuniger" LHC soll es nun möglich werden, die benötigte Energie zu entfesseln. Hierzu musste der LHC zuvor auf seine Betriebstemperatur von von −271 Grad Celsius heruntergekühlt werden. Erst jetzt können die Atomkerne auf Kolisionskurs gehen. Treffen sie aufeinander, gefriert die dabei freiwerdende Energie in Sekundenbruchteilen zu Materie und es enstehen neue Teilchen - auch, so hoffen die Forscher, die gesuchten Higgs-Teilchen.

Schweizer TV-Beitrag (T1, Sommer 2007) zum CERN Large Hadron Collider
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In weiteren Experimenten mit dem LHC wollen die CERN-Wissenschaftler zukünftig auch künstliche Mini-Schwarze-Löcher erzeugen. Ob diese mikroskopisch kleinen Schwarzen Löcher jedoch stabil sind, oder unmittelbar nach ihrer Entstehung wieder zerfallen, wird immer noch ebenso diskutiert wie mögliche Risiken der zukünftigen CERN-Experimente. Aussagen, wonach "nach aktuellem Wissensstand" die Risiken überschaubar seien, sind nur bedingt in der Lage, Kritiker und Mahner zu beruhigen. Sie vergleichen die Vorhaben der CERN mit der ersten Zündung einer Atombombe. Auch hier wurde diese durchgeführt, obwohl einige Wissenschaftler das Restrisiko befürchteten, damit die Erdatmosphäre entzünden zu können. Alleine wegen der potentiellen Risiken, Auswirkungen und möglichen Schäden sollten, so die Kritik, die CERN-Experimente mit mehr Vorsicht betrachtet werden, als dies innerhalb der Wissenschaftlichen Gemeinschaft derzeit geschieht.

Quellen: dailamil.co.uk / grenzwisenschaft-aktuell.de / cern.ch
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
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