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Montag, 31. März 2008

Klage gegen LHC-Partikelbeschleuniger am CERN

Der Tunnel des LHC-Teilchenbeschleunigers vor dem Einbau der Magnete | Copyright: Nikolai Schwerg/GNU FDL

Honolulu/ USA - Der ehemalige Nuklearphysiker Walter Wagner hat vor dem Hawaii US District Court gegen das Europäische Labor für Teilchenphysik CERN eine Unterlassungsverfügung der geplanten Experimente beantragt. Da berechtigte Zweifel an der Sicherheit der Inbetriebnahme des Large Hardon Collider (LHC)Teilchenbeschleunigers bestünden, so die Forderung, sollen die noch für dieses Jahr angesetzten Experimente solange ausgesetzt werden, bis ein zweifelsfreier Sicherheitsnachweis erbracht werde. Laut den von den Aktivisten um Wagner vertreten Theorien, könnten die Experimente u. a. zur Entstehung von Schwarzen Löchern und so genannten Strangelets führen, die lokal bis global verheerende Auswirkungen haben könnten.

Auf "LHCdefense.org" erläutert Wagners Stiftung gegen die bedenklose Inbetriebnahme des LHC die möglichen Risiken und kritisiert die bisherigen Gegenargumente und das lasche Vorgehen von CERN in dieser Frage. Wagner beruft sich auf zahlreiche Expertisen, wonach die Sicherheit der CERN-Experimente alles andere als gewährleistet, garantiert oder bewiesen sei. Besonders zwei der Partikelphänomene, welche die CERN-Wissenschaftler zu erzeugen hoffen, stehen in der Diskussion möglicherweise extrem verheerende Auswirkungen auf unseren Planeten hervorrufen zu können.

So befürchten zahlreiche Vertreter der String-Theorie, einem hypothetischen physikalischen Einheitsmodell für alle bisher beobachteten Fundamentalkräfte, dass die möglicherweise im LHC entstehenden Miniaturausgaben von Schwarzen Löcher (Mini Black Holes) im schlimmsten Fall die gesamte Erde verschlingen könnten. Ein anderes potentielles Produkt des Teilchenbeschleunigers könnte so genannte Seltsame Materie (Strangelets) sein. Natürlicherweise kommt diese auf unserer Erde nicht in stabiler Form vor. Entstünden bei den LHC-Experimenten nun jedoch stabile "Strangelets", so wären diese voraussichtlich negativ geladen und würden die normale Materie, aus der unsere Welt besteht, anziehen, absorbieren und mit zunehmender Masse immer stabiler. Sollten also ausreichend stabile Strangelets ent- und lange genug bestehen, um die nötige Menge an Atomkernen zu absorbieren, würde es immer weiter anwachsen, irgendwann in den Erdkern fallen und schließlich die ganze Erde absorbieren.

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CERN selbst verweist in seinen Sicherheitseinschätzungen derweil auf Einschätzungen, wonach die zu erwartenden Mini-Schwarzen-Löcher aufgrund der so genannten "Hawking-Strahlung" extrem kurzlebig und instabil seien - von ihnen also nicht das befürchtete Risiko der Erdverschluckung ausgehe und auch die erhofften Strangelets instabil, somit positiv geladen seien und aus diesem Grund auch keine normale Materie absorbieren.

"Neue Studien erheben jedoch Zweifel an der Existenz der 'Hawking-Strahlung'. Zudem zeigen weitere Untersuchungen, dass selbst Ansammlungen von instabilen Strangelets eine negativ geladene Oberfläche entwickeln können", kritisiert die Stiftung auf ihrer Homepage hingegen die Argumente der CERN-Verantwortlichen. "Ein verantwortungsbewusstes Risiko-Management bedarf auch einer Risiko-Einschätzung. CERN hat dies für die Strahlung innerhalb der Tunnel vorgelegt - nicht jedoch für Schwarze Löcher und Seltsame Materie. Wir fordern von CERN nun eine ernsthafte Risiko-Einschätzung auch zu diesen Fragen."

CERN-Sprecher James Gillies erklärte gegenüber "NewScientist.com" die Behauptungen und Befürchtungen Wagners für "kompletten Unsinn". "Der LHC wird noch in diesem Jahr in Betrieb gehen und wir werden damit viele Arten von neuen physikalischen Eigenschaften und Partikeln erzeugen und damit unser Wissen über das Universum erweitern." Schon im Jahr 2000 habe Wagner ähnliche Befürchtungen zum "Relativistic Heavy Ion Collider" (RHIC) des "Brookhaven National Laboratory" in New York vorgebracht und dieser Arbeite immer noch erfolgreich, ohne die heraufbeschworenen Auswirkungen. "Unsere Erde wird also auch in einem Jahr noch existieren." CERN verweist dabei auf seiner Homepage auf Studien aus dem Jahr 2003, wonach von den Experimenten des LHC "keine absehbare Bedrohung" ausgehe und hat kurzfristig eine aktualisierte Version dieses Berichts ebenso angekündigt wie eine öffentliche Diskussion zur LHC-Sicherheit zum "Open Day" am 6. April 2008.

Um allen Befürchtungen zu widersprechen verweisen die LHC Befürworter immer wieder auch auf die Tatsache, dass in der oberen Atmosphäre ständig Kollisionen kosmischer Materie stattfinden, die wesentlich energiereicher sind, als alles, was derzeit mittels Teilchenbeschleunigern wie dem LHC erzeugt werden könne. Diese Abläufe würden sich bereits seit Milliarden von Jahren ereignen, ohne dass negative Nebenwirkungen ersichtlich wären. Dieses Argument halten Kritiker wie Wagner jedoch für irreführend: "Dieser Vergleich ist nicht präzise. Er geht davon Grundlagen aus, die möglicherweise gar nicht stimmen." So werde u. a. zwar behauptet, dass das Energiepotential der kosmischen Materie um ein Vielfaches Höher sei, als jenes, das im LHC erzeugt werde. Allerdings seien derartige Werte bislang noch nie durch direkte, sondern nur durch sekundäre Messungen nachgewiesen worden.

"Für den Fall, dass bei den Experimenten Formen von gefährlicher Materie entstehen, steht es außer Frage, dass dies nicht nur lokal sondern auch global lebensbedrohliche Auswirkungen für Jedermann haben wird." Aus diesem Grund wurde die Unterlassungsverfügung auch vor einem US-Gericht angestrengt, obwohl sich der 27 Kilometer lange CERN-Beschleuniger selbst 100 Meter unter der Genfer Erde in der Schweiz befindet. In den Experimenten werden Protonen auf annähernde Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und dann kontrolliert zur Kollision gebracht. 40 Millionen dieser Crashs bei 10 Billionen Grad Celsius spielen sich dann simultan innerhalb von Sekundenbruchteilen ab.

"Wir wollen unsere Maschine sobald wie möglich in gang bringen", erklärt Gillies und beschwichtigt abschließend: "Wir werden den Menschen zeigen, dass die Welt dadurch nicht verschwinden wird."

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / lhcdefense.org / cern.ch

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, 8. Februar 2008
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