Dunedin/ Neuseeland - Seit fast 2000 Jahren versetzt der gewaltige Kuppelbau des Pantheons in Rom seine Besucher aber auch Experten in Erstaunen. Auch der Experte für historische Zeitmessungen Robert Hannah von der University of Otago wurde bei einem Besuch des Bauwerkes in dessen Bann gezogen. Er glaubt nun, dass es sich bei dem Bau um eine überdimensionale Sonnenuhr handeln könnte.
Aufgrund der unterschiedlichen Sonnenläufe zeichnet das Tageslicht im Winter einen Pfad an die Innenseite der in der Mitte offenen Kuppel - im Sommer jedoch auf die tiefer gelegenen Wand und den Boden; während zu den beiden Tagundnachtgleichen im März und September das Sonnenlicht einen Strahl genau entlang der Grenze zwischen Kuppeldach und den Wänden des quadratischen Unterbaus über dem großen nördlichen Eingang. Hier leitet dann ein Gitter das einfallende Licht in den Innenhof vor dem Eingang - das einzige Mal, dass dieser Raum direktes Tageslicht bekommt. Laut Hannah ist dies kein Zufall.
Eine hohle Halbkugel mit einem Loch, so Hannah, war eine bekannte Jahreszeiten-Sonnenuhr-Variante im alten Rom, wenn auch in meist wesentlich kleinerem Maßstab. Während die 42 Meter durchmessende Kuppel des Pantheons von außen betrachtet eher flach erscheint, handelt es sich im Innenraum jedoch tatsächlich um eine perfekte Halbkugel.
Die Kuppel des schon namentlich allen Hauptgöttern geweihte Pantheon (gr. von „alles“ und „Gott“) stellte ind er römischen Göttersicht die Himmelskuppel, also jenen Ort da, an dem die Götter wohnten. Bei Tagundnachtgleichen befindet sich die Sonne auf dem Himmlischen Äquator, also dort wo der Erdäquator auf die gedachte Himmelskuppel treffen würde, würde man ihn senkrecht nach oben ins All projizieren. In dem der Bau also diese Zeitpunkte im Jahreskreislauf auch architektonisch markierte, so Hannah, wurden auch die Kaiser erhöht, wenn sie hier ihren Göttern huldigten.
Quellen: newscientist.com / grenzwissenschaft-aktuell.de / otago.ac.nz