Blanke Sonnenscheibe am 31. März 2009 | Copyright: SOHO, NASA/ESA.Greenbelt/ USA - Astronomen und Weltraummeteorologen zeigen sich erstaunt über die derzeitig auffallend ruhige Sonne. Im vergangenen Jahr konnte an 266 Tagen (72 Prozent) kein einziger Fleck auf der Oberfläche unseres Zentralgestirns ausgemacht werden. Heuer zeigt sich die Sonne bislang sogar noch ruhiger.
Bis zum 31. März 2009 war die Sonne an 78 von 90 Tagen (87 Prozent) komplett fleckenlos. Verursacht werden die Flecken durch Störungen im Magnetfeld der Sonne. Innerhalb eines etwa elf Jahre andauernden Zyklus kommt es während der Maximalaktivität zu hunderten Flecken, die sich - da kühler als ihre Umgebung - dunkel auf der Sonnenscheibe abzeichnen. Derzeit, so Dean Pesnell vom Goddard Space Flight Center NASA, erleben wir ein besonders niedriges solares Minimum und Flecken sind fast bis gar nicht zu beobachten. Eine nun von Pesnell und David Hathaway vom Marshall Space Flight Center der NASA veröffentlichte Statistik zeigt, dass die Sonne derzeit so ruhig ist wie seit fast hundert Jahren nicht mehr. Erst in den Aufzeichnungen aus dem Jahre 1913 stießen die Forscher auf niedrigere Werte, als an 311 Tagen keinerlei Sonnenflecken registriert wurden.
Die sonnenfleckenärmsten Jahre des vergangenen Jahrhunderts | Quelle: Tony PhillipsMehr noch wundern sich die Sonnenforscher als dass die Aktivität der Sonne eigentlich langsam aber ersichtlich zunehmen sollte. Schon seit rund zwei Jahre wird diese Zunahme erwartet, nachdem der letzte Sonnenfleckenzyklus seinen Höhepunkt im Jahr 2001 erreicht hatte und - wie gewöhnlich - einige Jahre mit geringer Aktivität folgten. Allerdings - und darin sind sich Sonnenforscher weltweit einig - habe der neue Zyklus bereits begonnen. Ein Hinweis hierauf sind die vereinzelt beobachteten Flecken (...wir berichteten 1, 2, 3).
Messungen der Sonde "Ulysses" zeigen zudem, dass der Druck des Sonnenwinds seit Mitte der 1990er Jahre um 20 Prozent abgenommen hat. Damit kann mehr kosmische Strahlung das innere Sonnensystem erreichen, weil der vom Sonnenwind aufgebaute Schutzschild derzeit vergleichsweise schwach ausfällt (...wir berichteten), was ein erhöhtes gesundheitliches Risiko für Astronauten darstellt, jedoch schwächere geomagnetische Stürme und Polarlichter auf der Erde hervorbringt.
Laut NASA-Messungen hat auch die Helligkeit der Sonne abgenommen und beträgt derzeit im Bereich des sichtbaren Lichts Minus 0,02 Prozent der üblichen Intensität, im Bereich des starken UV-Lichts sind es sogar ganze sechs Prozent im Vergleich zu Daten von 1996. Um die globale Erwärmung jedoch umzukehren, so betont die NASA, reiche der Rückgang noch nicht aus.
Pesnell selbst geht davon aus, dass die Sonnenfleckenaktivität schon bis Ende des Jahres wieder ansteigt und erwartet das Maximum ab 2012.
>>>WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA<<<
Neue Messdaten: Zweifel am derzeitigen Wissenschaftsbild der Sonne10. Dezember 2008
Neue Sonnenflecken bestätigt28. September 2008
Schwächster Sonnenwind seit 50 Jahren25. September 2008
Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / nasa.gov
