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Samstag, 6. Juni 2009

Neue Fotos geben Hinweise auf vergrabenes Eis im Mars-Krater

In der Nahaufnahme des großen Kraters in der Region Hephaestus Fossae wird an dessen Rändern deutlich, dass bei dem Einschlag weiches und fließendes Material ausgeworfen wurde. | Copyright: ESA / DLR / FU Berlin / G. Neukum

Köln/ Deutschland - Auf neuen Aufnahmen der europäischen Sonde "Mars Express" haben Forscher Hinweise auf Eisvorkommen unter der Oberfläche in einem Mars-Krater entdeckt.

Auf den Bildern der HRSC-Kamera an Bord der Sonde ist der gewaltige Einschlagskrater in der Mars-Region Hephaestus Fossae, im Südosten von Utopia Planitia, mit einem Durchmesser von rund 20 Kilometern zu sehen, der wahrscheinlich vor mehreren Millionen Jahren geschlagen wurde.

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In den auf den hochauflösenden Fotos sichtbaren Details glauben die für die wissenschaftliche Auswertung der Kameradaten zuständigen ESA-Wissenschaftler Hinweise darauf zu erkennen, dass bei dem Einschlag des den Krater verursachten Meteoriten nicht nur Boden- und Gesteinsmaterial, sondern auch Wasser aufgewirbelt wurde.

Panorama-Draufsicht auf die Mars-Region Hephaestus Fossae | Copyright: ESA / DLR / FU Berlin / G. Neukum

Neben dem gewaltigen Krater zeichnet sich die Region durch weitere kleinere so genannte Sekundärkrater aus, die wahrscheinlich durch das Auftreffen von Gesteinsfragmenten entstanden sind, als der große Krater geschlagen wurde. Hinzu durchzieht ein markantes Netzwerk längst ausgetrockneter Kanäle die Oberfläche der Region. Wie diese entstanden sind, ist immer noch Inhalt kontroverser wissenschaftlicher Diskussionen. "Mit großer Wahrscheinlichkeit spielt Eis, das in Hohlräumen unter der Oberfläche gespeichert war, bei der Bildung der heute trockenen Kanäle eine bedeutende Rolle", sind sich Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) indes sicher.

Hephaestus Fossae wird vom Hauptkrater, Sekundärkratern und einem Netzwerk aus ausgetrockneten Kanälen geprägt. | Copyright: ESA / DLR / FU Berlin / G. Neukum

Bei den kleineren Einschlägen wurde das feste Gesteinsmaterial ballistisch ausgeworfen und schlug in unterschiedlicher Entfernung vom Einschlagsort wieder auf der Oberfläche auf. Bei dem großen Einschlagskrater wurde hingegen deutlich weicheres, weniger verfestigtes Material ausgeworfen, das rund um den Kraterrand eine deutlich erkennbare Auswurfdecke mit Fliessformen, die sich von den steilen Flanken des Kraters in die Umgebung erstrecken, gebildet hat.

Solche Krater werden nach dem englischen Wort für Wall auch Rampart-Krater genannt und unterscheiden sich von "gewöhnlichen" Einschlagskratern, deren Auswurf strahlenförmig um das Zentrum des kosmischen Treffers in die Umgebung verteilt wurde, durch ihre charakteristischen, sich überlagernden Auswurfdecken.

"Auf dem Mars", so erläutert die DLR-Pressemitteilung, "befindet sich der größte Teil des gefrorenen Wassereises in Hohlräumen unter der Oberfläche. Möglicherweise wurde bei dem Einschlag ein solches Eisreservoir getroffen." Durch den dabei entstanden Oberflächenabfluss des geschmolzenen Eises könnten dann verzweigte Kanäle entstanden sein, wie sie zu beiden Seiten des Einschlagskraters zu sehen sind.

Da die kleinen Einschlagskrater keine solche Auswurfdecke zeigen, ist davon auszugehen, dass ihre Tiefe nicht ausreicht, um das Eis in der Tiefe zu erreichen. Anhand der unterschiedlichen Kratertiefen wäre also zu ermitteln, in welcher Tiefe sich ein mögliches Reservoir gefrorenen Wassers befinden könnte. Ob auch heute noch Eis unter der Oberfläche von Hephaestus Fossae vorhanden ist, können die Forscher anhand der aktuellen Aufnahmen bislang noch nicht feststellen.

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